Verärgert: Baumann verlässt Parteifreie

von Redaktion

Der Wasserburger Kreisrat Josef Baumann hat die Fraktion der Parteiunabhängigen im Kreistag verlassen und arbeitet künftig in den Reihen der Freien Wähler in dem Gremium mit. Hintergrund ist Streit um seinen Sitz im Aufsichtsrat der Romed-Kliniken.

Rosenheim – Wer das Schreiben liest, mit dem Baumann am 17. Oktober vergangenen Jahres Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrer Funktion als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende um Entbindung von seiner Arbeit für den Klinikverbund bat, verschwendet keinen Gedanken an einen Konflikt. Fehlende Zeit nennt Baumann darin als Grund für den Rückzug. Weil jetzt sein Sitz im Rechnungsprüfungsausschuss des Kreistags aufgrund des Fraktionswechsels bei der Zusammenkunft des Gremiums am morgigen Mittwoch aus den Reihen der Parteiunabhängigen neu besetzt werden muss, lieferte die Tagesordnung der Sitzungseinladung ein erstes Indiz für ein Zerwürfnis zwischen Baumann und seiner ehemaligen Fraktion.

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen macht der 68-jährige Wasserburger, der seit 1984 im Stadtrat sitzt und dem Kreistag seit 1990 angehört, aus seiner Verstimmung kein Geheimnis. „Es hat mich einfach geärgert, dass mich Dieter Kannengießer als Fraktionssprecher der Parteifreien so sehr dazu gedrängt hat, den Aufsichtsratsposten zugunsten des Priener Bürgermeisters Jürgen Seifert zu räumen“, sagt Baumann. Er fühle sich ungerecht behandelt. Schließlich habe er im Aufsichtsrat gute Arbeit geleistet und beispielsweise zusammen mit dem Wasserburger Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) wesentlichen Anteil daran, dass der Landkreis auf dem Areal des Bezirksklinikums Gabersee ein neues Krankenhaus am Standort Wasserburg errichten kann (wir berichteten). Seifert habe in den Aufsichtsrat gedrängt, weil auch die Marktgemeinde Prien ein Klinikstandort sei. Diesem Drängen habe Kannengießer zu seinen Ungunsten nachgegeben und ihn mehr und mehr zum Räumen seines Postens bedrängt, beklagt sich Baumann. Er hätte das Aufsichtsratsmandat noch gerne bis zum Ende der Wahlperiode des Kreistags am 30. April 2020 wahrgenommen, gab Kannengießers Drängen letztlich aber im Herbst vergangenen Jahres nach.

Ein wenig spielt in den Konflikt auch die Tatsache hinein, dass Baumann sich bei der Wahl am 14. Oktober vergangenen Jahres auf der Freien Liste Oberbayern (FLO) um einen Sitz im Bezirkstag von Oberbayern beworben hat. Gegen Kannengießers Rat. „Der hält den Bezirkstag für überflüssig und hat mich nicht unterstützt. Aber das ist nicht der Hauptgrund für meine Verärgerung“, räumt Baumann ein. In den Bezirkstag kam der Wasserburger über die Liste, die einen Zusammenschluss unabhängiger Kommunalpolitiker darstellte, übrigens nicht.

Dieter Kannengießer, der Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen im Kreistag, will Baumanns Handeln nicht kommentieren. Er verweist lediglich auf den offiziellen Brief, den sein ehemaliger Fraktionskollege in Sachen Aufsichtsratsmandat an die Rosenheimer Oberbürgermeister geschrieben hat. „Ich habe da nichts hinzuzufügen“, so Kannengießer.

Profit aus dem Zwist zwischen Kannengießer und Baumann schlagen die Freien Wähler im Landkreis Rosenheim. Nicht nur deshalb, weil der Wasserburger zu ihrer Fraktion überwechselte und diese künftig mit einem Sitz mehr im Kreistag vertreten ist. Aus Solidarität mit Baumann hat sich auch der Ortsverband Wasserburg/Reitmehring der Parteiunabhängigen aufgelöst und fungiert jetzt als Ortsverband der Freien Wähler. „Die Mitglieder waren der Meinung, das Verhalten der Kreistagsfraktion mir gegenüber muss auch Konsequenzen auf der Ebene des Ortsverbandes haben“, begründet Baumann diesen Schritt.

Sepp Hofer, der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, empfindet doppelten Grund zur Freude. „Für uns ist das ein Gewinn, wenn ein langjähriger und so erfahrener Kreistagskollege wie Sepp Baumann künftig unsere Fraktion verstärkt“, meint Hofer. Bei der Kommunalwahl 2014 standen sich beide noch im Landrats-Wahlkampf gegenüber. Hofer schaffte es damals in die Stichwahl gegen Wolfgang Berthaler (CSU) und verlor, für Baumann war bereits nach der ersten Runde Schluss. Dass die Freien Wähler nunmehr auch einen Ortsverband im Norden des Landkreises hinzugewonnen haben, erachtet Hofer aus strategischen Gründen für wichtig. „Damit wird eine Lücke in unserer Nordflanke geschlossen“, sagt der Kreisvorsitzende, der sich auf die Zusammenarbeit mit Baumann und seinen Mitstreitern freut.

Geht es nach dem übergewechselten Kreisrat, soll sie mit der Kommunalwahl im nächsten Jahr nicht enden. „Ich möchte auf jeden Fall wieder für den Kreistag kandidieren“, weiß Baumann bereits jetzt.

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