Vielen Pendlern platzt jetzt der Kragen

von Redaktion

Bahn-Chaos Stromausfall legt erneut Züge lahm – Ärger über Informationslücken

Rosenheim/Bad Endorf/Grafing – Früher Mittwochmorgen am Bahnhof in Rosenheim: Die Sonne scheint, mehrere Hundert Pendler stehen also nicht wie begossene Pudel im Regen. Aber sie fühlen sich so. Weil sie wieder einmal warten – nicht nur auf ihren Zug. Auch auf Informationen. Geduld haben? Oder doch besser umkehren und das Auto nehmen? Am Ende kommen Tausende Zugfahrer aus der Region zu spät zur Arbeit.

Und ihnen platzt immer mehr der Kragen. Auf Facebook und mit Anrufen in der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen machen sie ihrem Ärger Luft. Was sie so zur Weißglut bringt an diesem Mittwochmorgen des Wartens, des Stillstands und der Ungewissheit: der mangelnde Informationsfluss, den sie der Bahn beziehungsweise dem Meridian vorwerfen.

In den Internetforen hätten Pendler längst gewarnt, dass „etwas nicht stimmt“ und „nichts voran gehe“ – während auf der DB-App die Welt noch in Ordnung gewesen sei, sagt Katharina Schneider (34) aus München, die täglich um 7.52 Uhr vom Ostbahnhof zur Arbeit nach Rosenheim pendelt. Statt der üblichen 60 Minuten brauchte sie gestern dreieinhalb Stunden.

Am Ostbahnhof habe es zwei mickrige Durchsagen gegeben, dass „ihr“ Zug mit zehn Minuten Verspätung kommt – „das war alles“. Aber „ihr“ Meridian kam gar nicht. Letztlich fasste sie den Entschluss, zum Hauptbahnhof zu fahren und dort die BOB nach Holzkirchen zu nehmen. Die richtige Entscheidung? „Ich weiß es nicht, es gab ja keinerlei Infos“, sagt die Pendlerin nach der 210-Minuten-Odyssee mit zwei längeren Stopps in Holzkirchen und Heufeld.

Ein Stromausfall hatte für das stundenlange Bahn-Chaos mit zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen auf der Meridian-Linie zwischen Rosenheim und München gesorgt. Ursache war eine Oberleitungsstörung bei Grafing. Der Abschnitt zwischen Grafing und Aßling musste zunächst gesperrt werden, danach war er zeitweise nur eingleisig befahrbar. Bis zum frühen Nachmittag hinein waren Verspätungen von einer Stunde keine Ausnahme.

Betroffen waren beide Richtungen. Viel Geduld benötigte deshalb auch Thomas Sgodda (45) aus Bad Aibling. Der Veranstaltungstechniker nimmt täglich den Zug des Meridian um 6.36 Uhr in Richtung Rosenheim, ist in der Regel um 7.45 Uhr am Hauptbahnhof und wenig später am Arbeitsplatz am Münchner Volkstheater.

Gestern war auch er mehrere Stunden unterwegs. „War das ein Durcheinander am Rosenheimer Bahnhof! Die wartenden Leute wechselten ständig die Bahnsteige – keiner hatte eine Ahnung, wie und wann es weiter geht“, so der Bad Aiblinger. Die Hängepartie der Unwissenheit zog sich hin. Weil die wenigen Durchsagen – übersteuert und kaum zu verstehen – auch inhaltlich wenig aussagekräftig waren; und weil sich an der Information lange Schlangen gebildet hatten.

So half auch Sgodda niemand bei der Entscheidungsfindung. Schließlich fuhr er nach Bad Aibling zurück und über Holzkirchen nach München, wo er gegen 9 Uhr am Hauptbahnhof einfuhr. Immerhin.

Auf Facebook war der Ärger besonders groß. Im Fokus dabei nicht nur die Zugausfälle, sondern vor allem das Krisenmanagement: keine Informationen, keine Ersatzbusse, überfordertes Personal – so der Tenor. „Wieder ein Tag Zwangsurlaub und ein versäumter Arzttermin dank DB“, schreibt Michaela süffisant.

Andere fragen: „Warum gibt es für solche Notfälle nicht einen Schienenersatzverkehr?“ Wenigstens diese Frage beantworten Meridian und BOB per Facebook rasch: „Wir haben alle Möglichkeiten versucht, Busse zu erhalten. Leider sind aber derzeit alle Busse unserer Dienstleister im Schülerverkehr im Einsatz“, bedauert ein Meridian-Mitarbeiter.

Private Fahrgastseite als Glücksfall

Zum Glück sei er noch rechtzeitig durch die private Facebook-Gruppe „Der Meridian-Fahrgastseite“ informiert worden, schreibt der Bahnfahrer Bernhard im Pendlerforum. So habe er mit dem Auto nach Grafing-Bahnhof fahren und dort die S-Bahn nehmen können. Zeitverlust: eine halbe Stunde. Auf der Plattform für die Fahrgäste liefern auch die Mitarbeiter des Unternehmens Infos oder beantworten Fragen. Auf den Onlineseiten von Bahn und Meridian seien die Ausfälle und Verspätungen der Züge jedoch nicht angezeigt worden, wundert sich Bernhard. Auch Marie Anne kritisiert: „Hätte man in Bad Endorf bereits eine Durchsage gemacht, hätten einige noch reagieren können und wären mit dem Auto pünktlich zur Arbeit gekommen.“ Die Frage, warum nicht schnell und korrekt informiert wurde, werde vom Unternehmen wohl mit einem „Wir arbeiten an Qualitätsverbesserungen“ beantwortet, mutmaßt Bernhard.

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