Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – „Hier lebt man sicherer als in den meisten anderen Regionen Deutschlands.“ Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, ist sichtlich zufrieden mit der Sicherheitslage in seinem Zuständigkeitsbereich, der vom Landkreis Altötting bis zum Landkreis Berchtesgaden und zum Landkreis Schongau reicht. Einerseits sank die Zahl der Straftaten, andererseits klärt die Polizei mehr Straftaten auf.
Wer im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Süd eine Straftat begeht, gleich welcher Art, und ungeschoren davonkommen will, sollte gewitzt sein. Denn die Aufklärungsquote von Kopps Mannschaft liegt bei 72,7 Prozent, sechs Prozent über dem Landesschnitt und so hoch wie noch nie im Polizeipräsidium Oberbayern Süd. 3700 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Delikte) auf 100000 Einwohner seien ein ausgesprochen niedriger Wert.
Kommt die massiv gesunkene Zahl an Wohnungseinbrüchen – ein Minus von 35 Prozent – und die gestiegene Aufklärungsquote in diesem hochemotionalen Bereich hinzu, sollten die Menschen im Süden Bayerns sich ausgesprochen sicher fühlen. Ganz so sei es aber nicht, so Kopp, weil Anschläge auf unsere Gesellschaft für generelle Unsicherheiten und Ängste gesorgt hätten. Deswegen lege man im Präsidium Wert auf Prävention „und es ist auch gut, wenn wir mit unseren uniformierten Beamten zu sehen sind, zum Beispiel bei Veranstaltungen“, so Kopp.
55485 registrierte Straftaten gab es in den neun Landkreisen und der Stadt im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im vergangenen Jahr, ein Minus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Wert, den der Landkreis Traunstein (-10,1) hält, der Landkreis Rosenheim (-15,9) um Längen schlägt. In der Stadt Rosenheim geht die Zahl der Straftaten um 5,4 Prozent zurück und der Landkreis Mühldorf schlägt aus der Art: Hier gibt es 6,3 Prozent Straftaten mehr.
Bei der Gewaltkriminalität ging die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd nur leicht zurück, die Aufklärungsquote stieg auf 89 Prozent, bei Tötungsdelikten gar auf 97 Prozent. Laut Kopp nicht verwunderlich, denn bei diesen Delikten haben die Beteiligten in der Regel Kontakt miteinander gehabt.
Was Kopp ebenso erbost wie besorgt: Die zunehmende Aggression gegen Polizisten und Rettungskräfte. Zumal die Angriffe oft bei Routineeinsätzen erfolgen. Die Body-Cam, eine Kamera auf Höhe des Schlüsselbeins, soll da Abhilfe schaffen. Seine Mitarbeiter, die am Pilotversuch teilnahmen, stellten eine spürbar deeskalierende Wirkung fest, so Kopp. Auf den ersten Blick erschreckend: der Anstieg bei den Sexualdelikten um fast neun Prozent. Da wirkt sich allerdings immer noch eine Gesetzesänderung deutlich aus, die Macho-Sprüche von der Beleidigung zur sexuellen Belästigung verschob. Die Aufklärungsquote der Sexualdelikte von der Verbreitung pornografischer Schriften bis zur Vergewaltigung liegt bei erfreulichen
86, 5 Prozent.
Mit der großen Flüchtlingswelle 2015/2016 wurden Straftaten im Kontext mit Zuwanderung aus der allgemeinen Statistik rechnerisch herausgenommen. Natürlich trete die große Mehrheit der Migranten – ob aus Syrien, Nigeria oder Pakistan – nicht polizeilich in Erscheinung.
Andere wieder sind in relativ kurzer Zeit für eine relativ hohe Anzahl an Straftaten verantwortlich – ein Drittel dieser Straftaten geschieht in den Unterkünften. Erschreckend hoch ist die Zunahme bei Sexualdelikten um fast 47 Prozent und bei Rauschgiftdelikten um knapp 40 Prozent. Darüber trösten auch die minus 42,5 Prozent Rückgang bei den Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz und um minus 23 Prozent bei den Urkundenfälschungen nicht darüber hinweg.
Der Fall, der Kopp im vergangenen Jahr am meisten beeindruckte, waren die Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte in Nußdorf – wegen des politischen Kontextes. Und natürlich sei der Verlust von Menschenleben immer tragisch, weil irreparabel.
Bei seiner Stellvertreterin, der leitenden Polizeidirektorin Eva Schichl, ist es eine ganze Deliktgruppe, die sie „sehr zornig“ macht: Trickbetrug, ob mit Enkel-Masche oder als falsche Polizisten. Da steigen leider die Fallzahlen. Die Zahl der Versuche von 388 auf 576, fünfmal waren 2018 falsche Polizeibeamte erfolgreich, erbeuteten 175000 Euro. Vier ältere Herrschaften fielen auf den Enkel-/Nichten-/Neffen-Trick herein, wurden 176000 Euro los.
Die Folgen seien erheblich. Nicht nur, dass der Verlust der Lebensersparnisse zu einer finanziellen Notlage führe, so Schichl, oft seien schwere psychische Erkrankungen die Folge. Die zierliche Frau mit der weichen Stimme bekommt einen ganz geraden Rücken, als sie von der „perfiden Masche“ spricht und davon, dass 2018 acht falsche Polizeibeamte festgenommen wurden. Nein, Trickbetrüger können bei Eva Schichl nicht auf Gnade hoffen.