Hoffnungskeim für Äthiopien

von Redaktion

In den nächsten Tagen wird eine bayerische Delegation des Landwirtschaftsministeriums nach Äthiopien reisen. Vielleicht sogar gemeinsam mit Markus Söder. Die Politiker könnten dort mit bayerischem Dialekt begrüßt werden. Denn Magnus Schmid aus Rosenheim ist dort seit einem Jahr als Entwicklungshelfer tätig.

Rosenheim/Äthiopien – Es ist sechs Uhr morgens und noch dunkel, als Magnus Schmid in Addis Abeba aufbricht. „Um diese Zeit kommt man noch durch, eine Stunde später steht man im Stau“, sagt Schmid. Er arbeitet für die deutsche Entwicklungshilfe in Äthiopien, heute ist er auf dem Weg zu einem der Projekte. Die Straßen werden sich bald füllen mit Autos, heruntergekommenen Lada-Taxis und privaten Mini-Bussen.

Magnus Schmid fällt hier sofort auf. Der 48-Jährige ist ein gestandener Bayer. Kräftige Statur, unverkennbare südliche Sprachfärbung. Er stammt aus einer Entwicklungshilfefamilie. Sein Vater hatte sich in Chile engagiert. Und nun tritt Schmid nach seinem Landwirtschaftsstudium in Weihenstephan in seine Fußstapfen.

Nach mehrstündiger Fahrt kommt er bei der Landwirtschafts-Kooperative „Tuka Katar“ im Süden Äthiopiens an. Die Gegend ist die Kornkammer des Landes. Anders als im trockenen Norden gibt es hier mehr Bäume und Gras, die Menschen sind etwas wohlhabender. Theshome Birru begrüßt Schmid. Der 53-Jährige ist Vorsitzender der Kooperative. „Die Maschine ist eine große Hilfe“, sagt er. Damit meint er eine Petkus K 541, mit der Saatgut gesäubert wird. Einer seiner 61 Mitarbeiter wirft die Maschine an, lärmend fangen die Motoren an zu arbeiten, bis vorne das gesäuberte Saatgut aus dem Trichter läuft. Dann wird es in Säcke verpackt und mit Holzpaletten als Untergrund in der Halle nebenan gelagert. Die Paletten sollen Schimmel und Tiere fernhalten.

Vergangenes Jahr hat die Kooperative das Gelände eingezäunt und die Lagerhalle aus Stein errichtet. Die anderen Gebäude sind traditionell mit Lehm gebaut. Birru geht von der Maschinenhalle hinüber zu dem kleinen Gebäude, in dem das Büro untergebracht ist. An die Wand sind die Produktionspläne der vergangenen Jahre gepinnt, die Kooperative wurde 2013 gegründet. Ein Jahr später wurden auf sieben Hektar Land Ackerbohnen angebaut.

Magnus Schmid betreibt hier im Rahmen der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ) landwirtschaftliche Entwicklungshilfe, er leiht der Kooperative für zwei Jahre die Saatgut-Säuberungsmaschine, für die Wartung und laufenden Kosten muss sie selbst aufkommen. „Wir wollen mit diesem Projekt hier so etwas wie eine Initialzündung schaffen, eine Entwicklung anstoßen, die sich von selbst fortpflanzt“, sagt Schmid. Denn rund 80 Prozent der 100 Millionen Äthiopier auf dem Land leben von der Landwirtschaft. Doch sie ist nicht besonders effektiv. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Dürre und Hungerkatastrophen.

Um die Effizienz zu steigern, muss das Saatgut verbessert werden. Die Kooperative hat sich auf dessen Aufzucht spezialisiert (für Weizen, Ackerbohnen und Gerste). Und sie hat große Pläne: Irgendwann soll ein Traktor gekauft werden. Denn noch wird der Pflug auf den Feldern Äthiopiens meist von Ochsen gezogen. 400000 Birr (etwa 13000 Euro) haben die Saatgut-Genossen schon in der Kasse.

Was die landwirtschaftliche Entwicklungshilfe anbelangt, denkt Magnus Schmid in Wertschöpfungsketten – auf jeder Stufe des Umgangs mit Weizen soll etwas Neues angestoßen werden. Deshalb gibt es in der Regionalhauptstadt Asella eine Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“. Projektleiterin Bahritu Seyoum will mit einem Fortbildungsprogramm junge Absolventen von Fachhochschulen dafür fit machen, kleine Start-ups rund um den Weizen zu gründen. Eine Bäckerei etwa oder ein Bed & Breakfast. Denn die Arbeitslosigkeit auch unter qualifizierten jungen Äthiopiern ist erschreckend hoch.

Das Landwirtschafts-Programm der GiZ soll noch bis 2023 laufen. Für Bayern und Deutschland sei Äthiopien mittlerweile der wichtigste Handelspartner in Ostafrika, betont die weiß-blaue Delegation um den Landwirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert, die dorthin reisen wird. Womöglich gemeinsam mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Damit würde er sein Versprechen aus der Regierungserklärung erfüllen, dass seine erste große Auslandsreise nach Afrika geht. Er hatte angekündigt, sich über die Ursachen von Flucht und Migration zu informieren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er dort auf Bairisch begrüßt wird.

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