Rosenheim/Bruckmühl – Für eine nachhaltige Waldverjüngung setzen die Jagdgenossenschaften des Landkreises auf mehr Eigenbewirtschaftung statt auf die Vergabe an Jagdpächter. Dies ist das Fazit der Waldbegehung am Wochenende in Bruckmühl.
Hausherr der Waldbegehung war Jagdvorstand Bartholomäus Stahuber, der zusammen mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften des Landkreises, Engelbert Fuchs, und mit weiteren Jagdgenossen die Situation vor Ort beleuchtete. Den Zustand des Waldes der Bruckmühler Jagdgenossen – das 1500 Hektar große Revier erstreckt sich von Maxlrain bis Feldkirchen – bezeichnete Stahuber als relativ gut. Im Revier gibt es überwiegend Rehwild und seit zwei Jahren auch Schwarzwild, auf das die Jäger ein Auge haben. Stahuber bezeichnete die Bejagung des Schwarzwildes als problematisch: „Die sind so schlau, dass sie nur noch bei stockfinsterer Nacht die Schonung verlassen“. Man habe deshalb bei der Behörde die Nutzung von Nachtzielgeräten beantragt, so der Jagdvorstand. Was die Genehmigung von Nachtsichtvorsatzgeräten zur Bejagung von Schwarzwild betrifft, hatte CSU-Landtagsabgeordneter Otto Lederer ebenso wie FDP-Kollege Martin Hagen keine Bedenken. Allerdings sei dazu keine bundesweite Genehmigung zu erwarten, so Lederer. Ähnlich äußerte sich auch der Chef der unteren Jagdbehörde Andreas Oeckl. So empfiehlt er unter anderem bei der Bejagung von Schwarzwild bei größeren Revieren grenzüberschreitende Drückjagden. Er halte es für nicht gut, wenn von den Jägern nach Nachtsichtvorsatzgeräten gerufen werde, wenn andere effektive Mittel nicht ausgeschöpft seien.
In Bezug auf die Waldverjüngung sah Stahuber außer bei einzelnen Brennpunkten wenig Sinn im Schützen des Aufwuchses. Viel wichtiger sei es, von den Jägern die wahren Abschusszahlen zu bekommen. So mancher Pächter halte mit den wahren Abschusszahlen hinter dem Berg, hieß es. Stattdessen könne man in Eigenbewirtschaftung – unabhängig vom Jagdpächter – schneller und besser reagieren.
Die Vergabe an Jagdpächter sei auch deshalb problematisch, weil man langfristig gebunden sei. „Jeder Ehevertrag ist leichter zu lösen als ein Jagdvertrag“, zitierte Engelbert Fuchs einen Juristen. Umgekehrt appellierte ein Teilnehmer der Runde an die Jagdgenossen, selbst den Jagdschein zu machen und so die Sache in die eigene Hand zu nehmen.
Keine Probleme gebe es an den Stellen, an denen der Altbestand der Bäume herausgenommen wird. Dort verbreite sich die nächste Generation ohne Aufforstung relativ schnell, hieß es.
Auswirkungen auf den Wald habe stattdessen die Klimaerwärmung. So sei mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um zwei Grad als erstes die Fichte in Gefahr. Ein Anstieg um vier Grad würde den Tod der Fichte bedeuten, zitierte ein Teilnehmer entsprechende Untersuchungen. Josef Reisner