Rosenheim/Germering/München – Im Prozess um den Axtmord von Germering haben am gestrigen zweiten Prozesstag Zeugen aus dem Umfeld von Täter und Opfer ausgesagt. Demnach lebte die 77-jährige Edith H. in Angst vor ihrem Nachbarn (64), dem Angeklagten. „Mäuschen, irgendwann haut der mich um“, soll sie eines Tages zu einer guten Bekannten aus Rosenheim gesagt haben. Die 42-Jährige sagte gestern als Zeugin vor dem Landgericht München II aus.
Edith H. war im Mai 2018 von ihrem Nachbarn mit der Axt auf bestialische Weise erschlagen worden. Einen Grund gab es nicht. Der Täter, ein 64-jähriger psychisch kranker Mann, hatte den Zwang in sich gespürt, einen Menschen zu töten. Im Treppenhaus traf er auf Edith H. Sie wollte gerade los, um ein Taufgeschenk für die Nichte ihrer Bekannten zu kaufen. Da zertrümmerte ihr Peter S. hinterrücks den Schädel. „Ich mache mir selber solche Vorwürfe“, sagte die Zeugin und kämpfte mit den Tränen. „Das müssen Sie nicht“, beruhigte sie der Vorsitzende Richter Thomas Bott.
Das Opfer war für die Rosenheimerin ein Art Oma-Ersatz gewesen. Die Frau hatte die Seniorin durch ein Busunternehmen kennengelernt, das ihre Tochter täglich von Rosenheim nach München in ein Blindeninstitut brachte. Edith H. fuhr als Busbegleitung mit. Die beiden Frauen freundeten sich an. Sie telefonierten zweimal täglich.
Am Tattag versuchte die 42-Jährige vergeblich, die Germeringerin zu erreichen. Sie hatte sie nie besuchen dürfen, erfuhr erst durch die Polizei, dass die Seniorin in einer „messiartigen“ Wohnung gelebt hatte. Sie selber wollte die ältere Dame nach Rosenheim holen, damit sie mit ihr und ihrer Tochter zusammenleben würde. Doch so weit war es nicht mehr gekommen.
Über ihren späteren Mörder hatte sich die 77-Jährige mehrmals beklagt. Er saugte nachts Staub, polterte herum, hatte Alkoholprobleme und soll sie auch angeschrien haben. Geärgert hatte sie sich aber auch über ihren Vermieter. Den wollte sie anzeigen, weil sie ihn beschuldigte, dass er auf ihren Balkon geklettert war und durch die Scheibe geschaut hatte. Tatsächlich hatte der Vermieter am Balkon eine Lampe angebracht, wie er selber als Zeuge aussagte. Der 55-Jährige hatte sich am Tattag gewundert, dass in den Nachmittagsstunden des Tattags die Rollos geschlossen waren.
Aufgrund der Aussage des Täters ist bekannt, dass der 64-Jährige versucht hatte, sich zu beruhigen und den Wutanfall zu unterdrücken. Doch dann war er mit der Axt losgezogen. Nach der Tat hatte er die Polizei alarmiert. Als die Beamten eintrafen erklärte er, dass irgendetwas in seinem Hirn kaputt sei und er unbedingt eingesperrt werden müsse, damit so etwas nicht noch einmal passieren könne. Der Prozess dauert an.