Kleine Blühfläche, große Wirkung?

von Redaktion

Anselm Fischer hat eine Vision: Der Wasserburger möchte eine europaweite private Community gründen, die sich aktiv für den Artenschutz einsetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, legt er am Samstag, 13. April, die Saat – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wasserburg – „Ich bin ein Idealist“, sagt Anselm Fischer (36). „Und ich spüre einfach, dass meine Initiative ein Erfolg wird.“ Den Boden dafür hat Hobbylandwirt Fritz Reithmeier im Wasserburger Stadtteil Attel bereits bereitet: Er hat die rund 2500 Quadratmeter große Wiese von Anselm umgepflügt. Hier wird am Samstag, 13. April, angesät. Bevor es so weit ist, müssen 15 Tonnen Erde rausgeschaufelt und 15 Tonnen Kies aufgetragen werden. Denn auf der Fläche soll nicht nur eine Blumen-, sondern auch eine Magerwiese entstehen. Blühstreifen mit Insektenhotels werden das Startareal einrahmen, erläutert Fischer.

Helfer aus dem gesamten Landkreis haben sich zur Aktion angemeldet, weitere Aktive – am besten mit Schubkarren und Schaufeln – sind willkommen. Um 9 Uhr geht es los, Startpunkt ist der Parkplatz beim Gasthaus Fischerstüberl. Von dort ziehen die Ehrenamtlichen zur Wiese, auf der in diesem Sommer über 30 verschiedene insektenfreundliche Blumen und Gräser wachsen sollen.

Dass eine solch private Initiative für die Artenvielfalt funktioniert, hat Fischer bei seinem Freund Michael Reithmeier aus Zellerreit (Ramerberg) bereits miterlebt. 1000 Quadratmeter Land hat Reithmeier vor seiner Haustür in ein Paradies für Bienen und Insekten verwandelt.

In kleinen Gärten

und auf dem Balkon

Fischer will es ihm nicht nur nachmachen, er möchte, dass seinem Beispiel wiederum viele weitere folgen: nicht nur Grundeigentümer, auch Familien mit kleinen Gärten oder Mieter, die nur einen Balkon haben.

Fischer setzt bei seiner Initiative unter dem Namen „#BeeVision 2020“ auf die Macht des Internets. So hofft er auch bei seiner privaten Initiative auf die sozialen Netzwerke. Die Aktion am Samstag wird deshalb von einem Kameramann in einem Film festgehalten, der auf Youtube zu sehen ist. Der Wunsch von Fischer: Nachahmer, die zeitversetzt die Aktion im Atteler Tal übernehmen. Denn der Film zeigt genau, was zu tun ist. An diesen Informationen, davon ist Fischer überzeugt, hapert es oft. „Viele Leute sind gewillt, sich für mehr Nachhaltigkeit und den Artenschutz einzusetzen, wissen jedoch nicht, wie sie es anstellen sollen.“

Hilfestellung will seine Initiative geben. Sie ist europaweit vernetzt: In Österreich, in der Schweiz, Frankreich, Dänemark und Spanien haben sich nach Informationen von Fischer schon Bürger der Aktion angeschlossen. Zeitversetzt werden sie ebenfalls konventionell bewirtschaftete Wiesen oder Hausgärten umwandeln.

Fischer möchte jedoch auch all jenen Mut machen, die daheim nur einen kleinen Hausgarten haben oder einen Balkon. „Selbst im Blumenkasten kann ein kleines Insekteneldorado entstehen“, betont er. Tipps und Ratschläge sollen unter dem Hashtag #BeeVision 2020“ und in einer gleichnamigen Facebook-Gruppe ausgetauscht und per Videos und Tutorials vermittelt werden.

Fischer fängt klein an, denkt jedoch groß: „Von Wasserburg aus soll das private Engagement für die Artenvielfalt Europa erobern“, so wünscht er es. Dass dies funktionieren kann, davon ist er angesichts der Resonanz auf seine Idee, die er jetzt bereits verspüre, überzeugt. „Wir wollen zeigen, dass sich jeder für eine gesunde Artenvielfalt einsetzen kann.“ Denn einfach nur unterschreiben beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das ist Fischer zu wenig. Selber tun, das ist sein Weg.

Er ist ihm in die Wiege gelegt worden: Fischer wuchs im idyllischen Atteler Tal auf. Der Neffe der Wirtin des Fischerstüberls hat seine Kindheit vor allem draußen in der Natur verbracht: beim Fischen, Spielen im Wald, Kajakfahren auf den Inn und den Nebengewässern. Er erinnert sich daran, dass er schon als Sechsjähriger mit Wanderern gestritten hat, wenn diese ihre Colaflaschen achtlos ins Gebüsch warfen.

Entrümpelung von Wald und Wiesen

Die Vermüllung der Landschaft ist ihm bis heute ein Gräuel. Deshalb widmet sich Schritt zwei seiner Kampagne der Entrümpelung von Wald und Wiesen. „Clean up“, nennt er dies im neuen D-Englisch, Ramadama heißt dies in Wasserburg und ist seit vielen Jahren fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt. Sie hat einen eigenen Umweltreferenten und einen Klimaschutzmanager, Natur- und Umweltschutz stehen fest auf der Agenda im Rathaus. Viele Bürger engagieren sich auch privat.

Jetzt kommt es darauf an, dass sich dieses Engagement auch am Samstag beim Start der Initiative „#BeeVision“ zeigt. Was nicht passieren darf, bringt der Pächter der Wiese, Unterstützer Fritz Reithmeier, treffend auf den Punkt: „Ich finde die Aktion super. Nur eins darf nicht sein: dass sich hier Städter aus München ein ruhiges Gewissen erschaufeln.“

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