Kolbermoor/Traunstein – Anfangs war es ein harmloses Gerangel im Streit unter Nachbarn um einen Laptop. Sekunden später wurde blutiger und lebensbedrohlicher Ernst daraus. Für die Opfer – eine 48-jährige Kolbermoorerin und ihren 24-jährigen Sohn – muss es ein Albtraum gewesen sein: Ihr Nachbar, ein 58-jähriger Italiener, kam mit einem Messer zurück, stach mehrmals zu und fügte der Frau und dem jungen Mann schwere Verletzungen zu.
Der Messer-Angriff aus dem Nichts hatte im Herbst 2018 für großes Entsetzen in der Region gesorgt. Ein halbes Jahr später sitzt der mutmaßliche Täter am Traunsteiner Landgericht auf der Anklagebank. Prozessauftakt ist am Dienstag, 16. April. Dem heute 59 Jahre alten Süditaliener wird versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.
In der Tatnacht vom 31. Oktober auf 1. November 2018 war die Aufregung groß in Kolbermoor. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Mann, auch Hubschrauber kamen dabei zum Einsatz. 22 Stunden später klickten dann die Handschellen. Rosenheimer Zivilbeamte nahmen den damals 58-Jährigen in Tatortnähe fest. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.
Der mutmaßliche Messerstecher wohnt schon viele Jahre in Kolbermoor. Nach Angaben von Nachbarn und Bekannten soll der Italiener bei Konflikten „eine kurze Zündschnur“ gehabt und „schnell auf 180“ gewesen sein. Deshalb habe es mit ihm schon öfter Ärger gegeben.
Am Abend des 31. Oktober lief es dann völlig aus dem Ruder. Tatort war ein Mehrparteienhaus mitten in Kolbermoor, nahe der Staatsstraße. Dort wohnte der Angeklagte Tür an Tür mit den beiden Opfern. Bei dem Streit, der sich im Laufe des Abends immer mehr zuspitzte, soll es um einen Laptop gegangen sein.
Den Computer hatte die Lebensgefährtin des 58-Jährigen ihren Nachbarn geliehen. Wie die Rosenheimer Kripo ermittelte, hat der Italiener wiederholt an der Tür geklingelt, dürfte von der Nachbarin und ihrem Sohn aber vertröstet worden sein. Bei einem neuerlichen Versuch, es war gegen 22.25 Uhr, kam es zu einem kleinen Handgemenge zwischen den beiden Männern.
Daraufhin soll der 58-Jährige umgekehrt sein und ein Klappmesser aus seiner Wohnung geholt haben. Damit, so das Ergebnis der Ermittlungen, hat er mindestens zweimal auf den 24-Jährigen eingestochen – in die Brust und in den Rücken.
Dabei dürfte sich das Tatgeschehen vom Flur in die Wohnung der Opfer verlagert haben. Als sich die Mutter dem Angreifer in den Weg stellte, bekam auch sie einen Messerstich ab. Danach machte sich der Angreifer aus dem Staub und ließ die schwer verletzten Opfer zurück. Die Frau schwebte zunächst in akuter Lebensgefahr und musste notoperiert werden.
Bei der Festnahme am nächsten Tag um 20.15 Uhr leistete der Mann, der sich am Dienstag in Traunstein zu verantworten hat, keinen Widerstand.