Haag – „Leider, leider“, sagt Alois Unertl senior zur Nachricht, dass das Haager Herbstfest – zumindest in dieser Form – heuer nicht stattfindet (wir berichteten). Organisator Bernd Furch kündigte an, dass das beliebte Volksfest, das jährlich an die 80000 Besucher nach Haag lockt, in diesem Jahr pausieren muss. Hintergrund sind hohe und notwendige Investitionen in die Infrastruktur, die nicht mehr rechtzeitig bis zum Festbeginn im September erledigt werden können.
Bürgermeisterin Sissi Schätz gibt keine Stellungnahme zu der Entscheidung des Veranstalters ab. „Dies erfolgt zu gegebener Zeit, wenn die Weichen für 2020 gestellt werden können“, ergänzt sie.
Die Hoffnung, dass es eine kleine, abgespeckte, ja eine „Light-Version“ des Haager Herbstfestes geben wird, bleibt. Dazu äußert sich allerdings derzeit keiner der beteiligten Wirte.
Unertl senior – selbst Lieferant – würde es sehr begrüßen, wie er im Gespräch mit der Heimatzeitung sagt, wenn es ersatzweise eine kleinere Veranstaltung geben könnte. Dass das reguläre Volksfest abgesagt wurde, bedeutet für den Weißbräu einen Verlust; er spricht von gut 100 Hektoliter Bier. Ein Teil des Absatzes werde durch die Getränkemärkte und hiesige Gastronomie aufgefangen. „Aber die vielen Gäste, die aus dem Umland kommen und unser Bier trinken, die kann man nicht ersetzen, und den Verlust müssen wird verschmerzen“, so Unertl. Generell habe das Fest ein „sehr gutes Publikum, anständige junge Leute, die keinen Ärger machen, wie man ihn von anderen Festen kennt“. Der Pro-Kopf-Umsatz an Bier sei allerdings auf dem Haager Fest nicht so hoch wie auf umliegenden Veranstaltungen. Zu Furchs Entscheidung, das Fest abzusagen, sagt der Weißbräu, die Kritik des Organisators, etwa in Bezug auf Infrastruktur, Kanal, Strom oder Platzbefestigung, schwele schon seit Langem. „Dieser Tag hat kommen müssen, denn er musste alles selber investieren.“
Viele Unertl-Kunden kommen bis aus Norddeutschland eigens wegen des Herbstfestes in den Ort. Diese wird die Gemeinde in Briefen über den Sachstand informieren. „Die erwarten, dass hier ein großes Zelt steht und sie feiern können. Wir wollen sie nicht verärgern“, so Unertl.
Thomas Sax von „Haag aktiv“ sagt, es sei furchtbar schade, dass es heuer in Haag keine Wiesn gibt. „Das ist ja so ein starker Magnet für Haag“, meint der Vorsitzende der Werbegemeinschaft.
Verständnis für Furchs Situation klingt jedoch durch. „Das Haager Herbstfest hat inzwischen eine Größe erreicht, dass das so für einen nicht mehr stemmbar ist.“
Furch habe hohe Investitionen getätigt und trage unternehmerisches Risiko – nicht die Gemeinde. So habe er die Trafostation für den Festplatz angeschafft. Eine ungute Konstellation. In den Augen von Sax müsse die Infrastruktur für den Festplatz in Gemeindehand liegen.
„Ich hoffe, dass das Ganze in ein ruhiges Fahrwasser kommt und wünsche mir, dass wir von ,Haag aktiv‘ zu den Verhandlungen, auch mit der Gemeinde, an den Tisch geholt werden“, so Sax. Die Werbegemeinschaft sei bereit, über eine Beteiligung an der Organisation des Festes zu diskutieren. Er verweist auf den Wirtschaftsförderverband in Wasserburg, der das Wasserburger Frühlingsfest organisiert. Zu Details einer möglichen Beteiligung will er sich nicht äußern.