Grassau/Wien – Die Krähenfuß-Räuberbande, die sich Anfang März im Chiemgau eine filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte, hat jetzt in Österreich ihren nächsten großen Coup gelandet: Im 10000-Einwohner-Ort Guntramsdorf bei Wien sprengten mehrere Männer einen Supermarkt-Geldautomaten in die Luft und zündeten dann ihren Fluchtwagen an.
Wie schon auf der A8 zwischen Bergen und Salzburg schleuderten die flüchtenden Ganoven Wurfeisen mit vier Spitzen (sogenannte Krähenfüße) aus dem Auto, um die Polizei abzuhängen – auch diesmal mit Erfolg. Die ineinander verbogenen Nägel können sich tief in die Autoreifen bohren und sie platt machen, wenn man darüber hinweg fährt.
Die Rosenheimer Ermittler gehen deshalb davon aus, dass es sich um Mitglieder derselben Bande handelt, die vor vier Wochen ins Feuerwehrhaus in Erlstätt (Gemeinde Grabenstätt) eingebrochen ist und dort einen Rettungsspreizer im Wert von rund 20000 Euro mitgenommen hat.
Auch in Guntramsdorf (Bezirk Mödling) türmten zwei Männer mitten in der Nacht mit fetter Beute in einem gestohlenen Audi. Sie entkamen mit Bargeld, die Summe gaben die österreichischen Ermittler bisher nicht bekannt. Das Geld stammt aus dem Bankautomaten einer Spar-Filiale in Guntramsdorf. Es war kurz nach 3 Uhr, als die Anlage im Supermarkt-Foyer in der Nacht auf 11. April mit einem Knall in die Luft flog.
Viel Zeit, um sich zu bedienen, hatte die Räuberbande danach nicht. Einsatzkräfte waren nach der Explosion rasch zur Stelle. So gelang es einer Streifenwagenbesatzung der Polizei, sich ans Heck des Fluchtwagens zu heften. Es soll dabei sogar zu mehreren Kollisionen bei hohem Tempo gekommen sein.
Doch wieder waren es die Krähenfüße, die den Einbrechern Luft verschafften – und gleichzeitig dafür sorgten, dass im Polizeiauto die Luft raus war. Um 3.15 Uhr, also nur wenige Minuten nach der Bankomat-Sprengung, steckten die Täter ihren Wagen auf einem Schotterweg neben der Südautobahn (A2) bei Guntramsdorf in Brand. Sie dürften dort in ein anderes Fahrzeug umgestiegen sein.
Die Großfahndung verlief negativ, während der Einsatz auch für die österreichischen Feuerwehrmänner eine Herausforderung war. Voller Hindernisse schon die Anfahrt: Ein Feuerwehrler hatte plötzlich einen Platten – ein Krähenfuß.
Der Brand im Supermarkt-Foyer musste mit schwerem Atemschutz gelöscht werden. Kleinere Explosionen durch Sprengstoffreste sorgten immer wieder für Gefahr, während eine Einheit schon zum nächsten Brandherd abkommandiert wurde: Vom brennenden Fluchtauto blieb nicht viel übrig.
Bei dem Audi handelt es sich allerdings nicht um den schwarzen Audi S6, mit dem die Männer im März von Grassau in Richtung Salzburg davongebraust waren.
Sprengstoff legen, Fluchtautos anzünden und Verfolger mit Metallteilen bewerfen: Die Methoden der Bande, die in jeden Action-Krimi passen würden, verwundern die Rosenheimer Fahnder in der Sonderermittlungsgruppe „Krähe“ nicht. Schon nach den Jagdszenen auf der A8 hatten die Ermittler vermutet, dass sie es mit Männern zu tun haben, die über eine „äußerst hoch einzustufende kriminelle Energie“ verfügen.
Deshalb waren die Rosenheimer Polizeikräfte bei der Verfolgung des Wagens am 6. März von Bergen bis Salzburg auch nicht ans absolute Limit gegangen. Bei ihrem „Höllenritt“ bis zur Landesgrenze, eine Strecke von knapp 50 Kilometern, waren die Täter mit bis zu 250 km/h unterwegs – und brachten damit nicht nur die Verfolger, sondern auch andere Autofahrer in Lebensgefahr.
Wie berichtet, war der Audi am 6. März einer Streife einer Polizeistreife in Bergen aufgefallen. Der Wagen kam aus Grassau und war Richtung Ortszentrum unterwegs. Der Fahrer befolgte zunächst das Stoppsignal der Beamten, gab dann aber Vollgas, der Beifahrer dürfte die spitzen Metallstifte auf die zahlreichen Verfolger – auch Grenz- und Verkehrspolizei wurden zur Unterstützung angefordert – geworfen haben. Neben drei Polizeiautos wurden sechs weitere Fahrzeuge beschädigt. Während die Feuerwehren Vachendorf, Siegsdorf und Bergen zusammen mit der Autobahnmeisterei auf der A8 das Einsammeln der Krähenfüße übernahmen, schoss der Audi in Österreich weiter durch die Nacht. Auf der A10 wurde er in Richtung Villach mit 228 km/h geblitzt. Fahrer und Beifahrer waren mit Sturmhauben maskiert.