Rosenheim – „Alle zwei, drei Jahre den Jahrhundertsommer, das halten unsere Wälder nicht aus!“ Zur Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Rosenheim des Bund Naturschutz (BN) im Gasthof Höhensteiger zeigte BN-Wald- und Jagdreferent Dr. Ralf Straußberger aus der Langfristperspektive der Forstwirtschaft, dass die Erderhitzung keine Schonfristen mehr erlaube. Und der Vorsitzende der Kreisgruppe, Peter Kasperczyk, führte dazu aus: „Bei den Antworten, die die Minister Altmeier und Scheuer zum Klimawandel geben, müssten die Schüler auch noch am Donnerstag demonstrieren.“
„Erderwärmung geht viel zu schnell voran!“
Die Klimakrise setzt mit zunehmenden Wetterextremen Bayerns Wäldern und der Waldwirtschaft massiv zu. Nach dem Hitzesommer 2015 folgte bereits 2018 der nächste „Jahrhundertsommer“ mit tropischer Hitze und monatelanger Dürre. In Südbayern sind immer mehr Wälder vom Borkenkäfer bedroht, die Fichte steht auch im Alpenvorland praktisch vor dem Aus.
Forstwissenschaftler Straußberger sieht es als unumgänglich an, den Klimawandel durch eine naturverträgliche Landwirtschaft sowie eine Energie-, Konsum- und Verkehrswende einzudämmen, den Wald in artenreiche und widerstandsfähige Mischwälder umzubauen sowie auf das Motto „Wald vor Wild“ zu setzen,
Dass die auch in Rosenheim aktive „Fridays for Future“-Schülerbewegung mit ihrer Forderung nach einem Wandel unseres Lebensstils recht habe, machte Straußberger deutlich: Deutschland verbrauche so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen. Und das liege in dramatisch wachsendem Maße an Verpackungskartons.
In seinem Jahresrückblick zeigte Peter Kasperczyk die vielfältige Arbeit der 35 Kreisgruppen auf: Landtagswahlen, Dialogverfahren zum Brenner-Nordzulauf, Plastikmüll und Mikroplastik, Flächenverbrauch durch umfangreiche Bauprojekte, Umweltbildung und das erfolgreiche Volksbegehren zum Artenschutz „Rettet die Bienen“ gehörten zu den wichtigsten Themen. Zu den von Scheuer vorgestellten 40 Verkehrsentwicklungsszenarien 2050 merkte er an: „Eine Reduzierung des Lkw-Verkehrs und eine Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene könnte mit politischem Willen erreicht werden, ohne dass im Inntal ein drittes und viertes Gleis neu gebaut werden muss.“
Das Bewusstsein für Artenvielfalt ist ein Kernthema der BN-Kreisgruppe. Umweltbildungsreferentin Ursula Fees rät in ihren Vorträgen zu strukturreichen Gärten und Mut zu einer gewissen Unaufgeräumtheit. Spätere Mahd sei gut für Hummeln. Und viele an Rändern und Brachen rasch sprießende Ruderalpflanzen seien kein Unkraut, sondern Multitalente, die Insekten Schutz und Nahrung böten.