Millionen verbrennen in Minuten

von Redaktion

Tragödie von Gut Heiming: Pferde gerettet, vom Hof bleibt wenig übrig

Schechen – Es ist der Morgen nach der Katastrophe, es ist ein Jammer: Vom Reitergut Heiming, zuletzt mit viel Geld und Hingabe renoviert, ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben.

Vom prächtigen Dreiseithof stehen nur noch Teile des Wohnhauses. Der Rest des Haupttraktes samt Stallanlagen und Maschinenhalle ist ein einziger verkohlter Trümmerhaufen – nein, ein ganzes Trümmerfeld. Und die Reithalle dahinter: dem Erdboden gleich gemacht. Alle sind entsetzt: Feuerwehrleute, Kreisbrandrat, Bürgermeister, Kripo-Brandfahnder. Eine Brandruine dieses Ausmaßes haben sie noch nie gesehen.

Sichtlich unter Schock stehen auch Mitarbeiter, Helfer und Pferdeliebhaber auf Gut Heiming. Ihr einziger Trost: Alle Tiere haben die Tragödie unverletzt überstanden.

Das ist jenen Mitarbeitern und Feuerwehrlern zu verdanken, die den Brand am Mittwoch gegen 16.30 Uhr als Erste bemerken. Sie schalten blitzschnell, als dicker Rauch aus dem Hauptstall kommt, holen sie rund 40 Pferde heraus und treiben sie auf die Koppeln. Wenige Minuten später wäre es zu spät gewesen. Da steht schon der ganze Komplex in Flammen.

Während am Tag danach ein paar Feuerwehrler die letzten Glutnester im Auge behalten und die Brandfahnder auf Spurensuche gehen, grasen die Pferde in Sichtweite auf den Koppeln. Sie machen einen ruhigen Eindruck. Sechs trächtige Stuten fehlen. Sie wurden vorsorglich in die Uniklinik nach München gebracht.

Wie geht es jetzt weiter? Mit dem Hof? Mit den Tieren? Das weiß noch niemand. Der Geschäftsführerin hat die Tragödie so sehr zugesetzt, dass sie zwischenzeitlich ins Krankenhaus gebracht werden muss. Ob die Pferde noch ein paar Tage bleiben können, wohin sie dann kommen – das wird erst noch entschieden.

Feuerwehr war schon vor dem Brand da

17 Stunden nach Ausbruch des Feuers steigt vom Betondach des abgebrannten Pferdestalls immer noch Rauch auf. Dort wird auch die Brandursache vermutet. Möglicherweise hat das trockene Stroh und Heu dort Feuer gefangen. Aber für eine Aussage ist es den Brandfahndern noch zu früh.

Die Kripo-Experten befragen Augenzeugen der ersten Brandminuten. Ein Helfer auf dem Reiterhof zeigt aufs Dach des Gebäudes und sagt: .„Das Rohr, aus dem der erste Rauch kam, ist nicht mehr da.“ Dort oben steht ein tonnenschweres Silo voller Futter neben dem anderen. Trotzdem hat das Betonflachdach dem Druck und der Hitze des Feuers standgehalten. Aber es besteht weiter Einsturzgefahr. Keiner darf hinein.

17 Stunden zuvor ist Kreisbrandrat Richard Schrank beim Großeinsatz in Heiming nicht nur ein Mann der ersten Stunde. Er ist mit einigen Kollegen sogar schon da, bevor das Feuer in Minutenschnelle alle Gebäude erfasst und einen Schaden von mehreren Millionen Euro anrichtet.

Mann klettert
auf Strommast

Denn nur 300 Meter vom Gut entfernt klettert gegen 16.15 Uhr ein Mann auf einen großen Strommast. Einsatzkräfte rücken an, reden auf den etwa 40-jährigen Albaner ein – darunter auch Feuerwehrler. Letztlich geht die Sache gut aus. Der Strom wird kurz abgestellt, der Mann gibt auf, kommt heil wieder herunter. Doch fast zeitgleich sehen Schrank und seine Kollegen den Rauch über dem Reiterhof. „Im ersten Moment dachten wir, dass der Wind den Staub über die Felder bläst“, sagt Schrank. Aber schon wenige Augenblicke später ist klar: Der Rauch kommt aus dem Stall.

In den folgenden Stunden liefern sich die Einsatzkräfte – in Spitzenzeiten sind es über 250 Männer und Frauen – einen Wettlauf mit dem Feuer, den sie nicht mehr gewinnen können. Zumal es nur einen Hydranten auf dem Reiterhof gibt. Es fehlt an Nachschub.

Bis eine stabile Wasserversorgung steht, dauert es eine Stunde. Hierfür zapfen die Wehren die Rott an oder holen im Pendelverkehr Nachschub von Nachbarhöfen. Unter anderem pumpen sie das Wasser dort in das spezielle, im Landkreis einzigartige Pufferfahrzeug, das aus Feldkirchen-Westerham angerückt ist. Stundenlang fährt es hin und her, schafft pro Tour 10000 Liter Wasser zum Gut, der idyllisch und abgelegen auf halbem Weg zwischen Schechen und Tattenhausen liegt.

220 Feuerwehrmänner sind im Einsatz und geben ihr Bestes. Die Mehrheit von ihnen vermutet allerdings, dass auch trotz bester Wasserversorgung nicht viel auszurichten gewesen wäre. „So ein trockener Stadel brennt wie Zunder“, sagt einer. Hinzu kommt der Wind, der das Feuer, das um 16.30 Uhr ausbricht, durch die Gebäudeteile treibt.

„Hitze im Innenhof unvorstellbar groß“

„Ganze acht Minuten dauerte es – da stand schon alles lichterloh in Flammen“, so Kreisbrandrat Schrank. Vom Innenhof des großen Komplexes in U-Form kam man gar nicht mehr ans Feuer heran. „Dort war die Hitze unvorstellbar groß“, sagt Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier, der in der Brandnacht ebenfalls herbeigeeilt ist.

Am Tag danach gehen Kripo-Brandfahnder lange auf Spurensuche in den Trümmern. Hinweise auf Brandstiftung gibt es bislang wohl nicht. Aber könnte ein Zusammenhang zwischen dem Mann auf dem Strommast und dem Brand bestehen? Der Strom wurde kurz abgeschaltet. Könnte eine Stromspitze beim Wiedereinschalten das Feuer im Pferdestall entfacht haben? Das schließt ein Experte im Gespräch mit unserer Zeitung aus. Von der kurzen Abschaltung sei die Hochspannungsleitung nach Ebersberg betroffen gewesen, nicht aber der Reiterhof.

Ein Gut mit langer Geschichte

Das Gut Heiming (Gemeinde Schechen) ist eine Anlage mit langer und vielseitiger Geschichte. Früher wurde dort auch Bier gebraut. Dann stand über viele Jahre die Landwirtschaft im Mittelpunkt, es gab dort auch Kühe. Zuletzt wurde ein großer Pferdehof daraus. Vor knapp drei Jahren, als die Versteigerung drohte, fand sich für das Gut ein Käufer in Hessen, dessen Tochter den Pferdehof mit Stallungen für Islandpferde, Klein- und Großpferde, Reitunterricht, Wanderreitstation und Reitschulbetrieb seither als Geschäftsführerin betrieb.

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