Brannenburg – „Braucht‘s des?“ Mit diesem geflügelten Wort von Gerhard Polt stieg BR-Moderator Tilman Schöberl in die Sendung „Jetzt red i“ ein, die gestern aus der Turnhalle der Brannenburger Grundschule live übertragen wurde und den geplanten Brenner-Nordzulauf zum Thema hatte. Rund 130 Gäste hatten in der Halle selbst Platz gefunden und damit die Chance, ihre Meinung direkt zum Ausdruck zu bringen. Etwa 200 weitere nahmen die Möglichkeit wahr, auf einer Leinwand vor der Halle, die das Bürgerforum Inntal aufgebaut hatte, die Diskussion mitzuverfolgen.
Inhaltlich gab es an dem Abend keine Überraschungen, das war bei der zur Verfügung stehenden Sendezeit von 45 Minuten auch nicht zu erwarten. Es blieb bei sehr sachlich geführten Diskussion beim Anreißen bereits bekannter Argumente: Man kritisierte seitens der Bürger die Zerstörung einer einmaligen Naturlandschaft zugunsten eines Prestigeprojektes, dessen Notwendigkeit bislang in keinster Weise nachgewiesen sei. Für die neue Trasse warb unter den Zuhörern einzig Kieferfeldens Bürgermeister Hajo Gruber. Er betonte, dass für die grenznahen Gemeinden der Verkehr, nicht zuletzt der Mautumgehungsverkehr, eine wahre Geißel sei: „Wir ertrinken darin.“
Als Ansprechpartner für die Bürger hatten sich der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart und der Fraktionsvorsitzende der Landtags-FDP, Martin Hagen, eingefunden. Laut Moderator Tilman Schöberl war es dem BR nicht gelungen, von Bahn oder Bundesregierung einen Diskussionspartner zu gewinnen. Immerhin sahen sich die Bürger von den beiden anwesenden Politikern ernst genommen: Diese standen auch nach der Sendung in spontan gebildeten Diskussionsrunden noch Rede und Antwort.
Reichhart stellt
sich den Bürgern
Hans Reichhart zum Beispiel wurde dabei mehrmals vom BR-Team zu einem Interview gebeten, nahm diese Chance, den auf ihn einstürmenden Fragen auszuweichen, aber nicht wahr, sondern vertröstete das Team eins ums andere Mal: „Nur noch einen Moment“. Dabei gab er unumwunden zu, dass auch er bei dem Projekt noch einige offene Fragen habe, zum Beispiel die nach der Notwendigkeit der Verknüpfungspunkte. Das sind Stellen, in denen Züge zwischen Bestands- und Neubaustrecke wechseln können sollen, ein solcher ist unter Umständen auch in Brannenburg vorgesehen.
Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch hatte zuvor in der Sendung gebeten, diese Planung noch einmal zu überdenken, da sie die Gemeinde vor schwere Probleme stelle: Es müsste unter hohem Flächenverbrauch ein neuer Bahnhof außerhalb des Ortes gebaut werden, was die gut funktionierende bestehende Infrastruktur komplett über den Haufen werfe.
In der kleinen Diskussionsgruppe wiederholte Hans Reichhart noch einmal, was er zuvor schon in der Sendung kurz angedeutet hatte: Dass ihm noch niemand schlüssig die Notwendigkeit der Vielzahl der geplanten Verknüpfungspunkte habe begründen können, da es doch möglich sein müsse, den Zug von vornherein aufs richtige Gleis zu setzen. Er versicherte seinen Gesprächspartnern, dass man hier auf jeden Fall am Ball bleiben werde.
Bedarfsanalyse
und Nachweis
Auf die Vorhaltung, dass doch eigentlich die juristische Voraussetzung für die gesamte Planung – das Vorhandensein einer Bedarfsanalyse und der Nachweis eines Kosten-Nutzen-Faktors – gar nicht vorhanden sei, war er der Ansicht, dass dies ein Punkt sei, bei der im weiteren Planungsablauf auf jeden Fall noch nachgebessert werde: „Der Bedarf für die Neubaustrecken muss nachvollziehbar nachgewiesen werden.“
Für den Fall, dass dieser im weiteren Planungsablauf tatsächlich begründet werden könne, setze er sich, so der bayerische Verkehrsminister auf jeden Fall für eine weitestgehende Untertunnelung der Strecke ein: „Was im Rheintal ging, muss doch auch hier möglich sein.“ Johannes Thomae