La Palma/Traunstein – Das Internet ist schnell – manchmal zu schnell. Deshalb kommt sich Klaus T. (Name geändert) aus Traunstein plötzlich vor wie im falschen Film. Seit Tagen gehen im Netz Bilder von ihm und seiner Familie um die Welt. Darunter steht, unter anderem: „Klaus asesinó a su mujer y a su hijo“. Auf deutsch: „Klaus hat seine Frau und seinen Sohn ermordet.“
Aber das stimmt nicht. Es handelt sich um eine Verwechslung. Klaus T. aus Traunstein heißt nur so wie der Tatverdächtige, Klaus T. aus Sachsen-Anhalt. Wie der mutmaßliche Doppelmörder von Teneriffa hat er zwei kleine Kinder. Aber mit dem skrupellosen Verbrechen, das ganz Europa schockiert (siehe Info-Element), hat der glückliche Familienvater aus dem Chiemgau nichts zu tun.
Trotzdem wird Klaus T. seit Tagen mit Beschimpfungen im Netz bombardiert – meist in spanischer Sprache. Hinzu kommen die vielen Anrufe und Fragen von irritierten oder besorgten Bekannten. So hat die Verwechslungs-Farce der jungen Familie aus Traunstein, die derzeit auf Osterurlaub in Bayern unterwegs ist, die Ferien gewaltig verdorben.
Die falsche Facebook-Seite erwischt
Offenbar haben sich spanische Medien auf der öffentlich einsehbaren Facebook-Seite von Klaus T. mit Familienfotos bedient und sie ins Internet gestellt – bei voller Namensnennung. So war ein Bild, das die Traunsteiner Familie zeigt, auch gestern Nachmittag noch in der Online-Ausgabe einer großen Zeitung auf den Kanaren zu sehen.
Das wird sich der Traunsteiner nicht gefallen lassen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hat er bereits einen Anwalt eingeschaltet. Alle Medien und Internetplattformen, die den Mann zu vorschnell bei voller Namensnennung zum mutmaßlichen Mörder gemacht haben, dürften somit Ärger bekommen.
Auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat der Fall am Donnerstag über den ganzen Tag hinweg beschäftigt. Es habe mehrere Anfragen gegeben, weil Täter und Opfer der Familientragödie auf den Kanarischen Inseln angeblich aus Traunstein stammten, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag. Doch weder seine Kollegen in Rosenheim noch bei der Kripo Traunstein wussten etwas davon.
Als sich die Nachfragen häuften, setzte sich das Präsidium über Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamtes mit den spanischen Ermittlungsbehörden in Verbindung. So wurde schnell klar, dass der mutmaßliche Mörder nicht aus Traunstein kommt, sondern aus Sachsen-Anhalt. Aber das hätten manche Anrufer zunächst nicht geglaubt, weil in Spanien sogar im Fernsehen die falschen Bilder von Täter und Opfern zu sehen waren.
Indessen wandte sich auch der Traunsteiner selbst per Notruf an die Polizei. Ihm kam es mehr als spanisch vor, dass auf seinem Facebook-Account plötzlich Beschimpfungen und Drohungen einlaufen. Die Beamten setzten ihn schnell ins Bild, wie es dazu kam.
Nach erster Einschätzung von Juristen dürfte es sich bei der Verbreitung der Falschmeldung samt voller Namensnennung und Bilder um eine massive Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Traunsteiners handeln. Neben dem Richtigstellungsanspruch könnte auch eine Schadenersatzzahlung fällig werden. Gespannt darf man sein, wo die Sache verhandelt wird: vor einem deutschen oder spanischen Gericht.