Tuntenhausen – „Christlich-konservative Politik heute“: So lautete das Thema bei der gestrigen Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen. Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler ging dabei mit den Kritikern der Landwirtschaftspolitik hart ins Gericht: Viele würden die geänderten Rahmenbedingungen völlig übersehen. Die Landwirte hätten es nicht verdient als Umweltverschmutzer verunglimpft zu werden, sagte Sibler. „Es glaubt doch niemand, dass die vom Acker kommende Qualität von Lebensmitteln heute schlechter sei als vor 20 oder 50 Jahren. Ich bin stolz, was Landwirte großartiges leisten.“
Die Menschen würden zwar nach Orientierung suchen, scheinen aber zu den klassischen Angeboten nicht mehr zu finden. Verloren gegangen sei ein Wertekompass, der der christlich-sozialen Haltung des 19. Jahrhundert entspreche.
Sibler erinnerte in diesem Zusammenhang an die Flüchtlingskrise. Viele seien über die massenhafte Zuwanderung nicht glücklich gewesen, sie hätten aber gerade in Bayern angepackt und geholfen. An die Mandatsträger gerichtet appellierte der Staatsminister, nicht nur Politik zu machen, sondern sich auch gesellschaftspolitisch und im Ehrenamt zu engagieren.
Mit Blick auf das Thema Digitalisierung sagte Sibler, dass es nicht nur darum gehe, die Herausforderungen von der technologischen Seite her zu meistern. Zu überlegen sei auch, wie sich der Mensch in dieser Umgebung verändert.
CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber, seit 2009 Vorsitzender des Vereins, streifte in seiner Rede auch die anstehende 150-Jahr-Feier und kündigte unter anderem eine Fünftagesfahrt nach Rom an. Allerdings – so nahm Huber Bezug zu den bevorstehenden Europawahlen – fahre man in ein Land, das mit seiner Regierung, die aus Populisten von links wie rechts bestehe, die Werte Europas mit Füßen trete und zusammen mit anderen Populisten Europa den Garaus machen wolle. Vergessen sei, dass „wir 75 Jahre als Wertegemeinschaft in Frieden leben“.
Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Otto Lederer, richtete sich an jene Kritiker, die glauben, Landwirte würden am Vormittag ihre Tiere quälen, am Nachmittag aufs Feld fahren um Grundwasser und Umwelt zu vergiften und den Abend dazu verwenden, um am Computer Fördermittel zu erschleichen. Wenn das Schule mache und die Arbeit der Landwirte nicht mehr wertgeschätzt werde, dann sei es kein Wunder, wenn besonders die jungen Landwirte ihren Beruf aufgeben. Es sei wichtig den Graben zwischen den Bauern und Teilen der Gesellschaft zu schließen.