Rosenheim/Landkreis – Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, hoher Freizeitwert, gesunde wirtschaftliche Strukturen und die Nähe zu München: Mit diesen Trümpfen sticht die Wachstumsregion Rosenheim seit Jahrzehnten. Und der Zuzug ist ungebrochen: In den vergangenen zehn Jahren ist der Landkreis Rosenheim um weitere 13000 Einwohner gewachsen – von rund 248000 (2009) auf mittlerweile über 261000.
Das ist Rekord, und möglicherweise sind es sogar noch einige Tausend mehr. Schließlich waren einige Kommunen in der Region nach dem umstrittenen Zensus 2011 mit einem Schlag „geschrumpft“. Die Ergebnisse wichen teilweise gravierend von den Zahlen der Meldeämter ab. Als das Zensus-Ergebnis auf den Tisch kam, hatten Städte wie Bad Aibling und Märkte wie Bruckmühl oder Prien quasi über Nacht mehrere Hundert Einwohner eingebüßt.
Insgesamt „verlor“ der Kreis Rosenheim 5000 Einwohner. Vorm Zensus hatte er noch rund 252000 Bürger, danach 247000. Inzwischen ist die Zensus-Delle überwunden, die Zahlen kletterten Jahr für Jahr wieder nach oben. Und so zählte das Statistische Landesamt zum Stichtag, der 2019 ausnahmsweise auf den 31. März vorverlegt worden ist, exakt 261100 Bürger – so viele wie nie zuvor.
Eigentlich werden die Werte nur zur Jahresmitte und zu Silvester abgefragt. Wegen der Kommunalwahlen im März 2020 mussten die Statistiker jetzt auch nach dem ersten Quartal ran. Denn die Größe einer Kommune wirkt sich nicht nur auf die Höhe von Geldzuweisungen und Verteilerschlüsseln aus, sondern auch auf die Zahl der Köpfe im Stadt- oder Gemeinderat.
So hat etwa Schechen im Laufe der ersten drei Monate dieses Jahres die 5000-Einwohner-Marke überschritten. Damit wird dort bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 aufgestockt: von 16 auf 20 Gemeinderäte. Und dort wird der Zuwachs für das Rathaus auch zur logistischen Herausforderung. „Für 20 Räte ist unser Sitzungssaal in der jetzigen Form zu klein. Wir brauchen eine andere Bestuhlung, neue Tische – oder der Rat muss in einem anderen Raum tagen“, sagt Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Neben Schechen bekommen noch sechs weitere Kommunen größere Gemeinderäte: In Babensham, Eiselfing, Flintsbach und Frasdorf leben jetzt mehr als 3000 Einwohner. Das bedeutet: Dort gibt es künftig 16 Gemeinderäte, bisher waren es 14. In Oberaudorf (über 5000) sind es bald wie in Schechen 20 statt 16, und in Stephanskirchen sitzen ab Frühjahr sogar 24 Frauen und Männer (jetzt 20) im Gremium, weil seit der letzten Kommunalwahl 2014 die 10000-Einwohner-Marke geknackt wurde.
Wie der Blick auf die Grafik zeigt, haben laut Statistik fast alle Kommunen im Landkreis Rosenheim trotz des Zensus-Zahlensalats von 2011 deutlich mehr Einwohner als vor zehn Jahren. Aus der Reihe tanzen einige Gemeinden am Bayerischen Meer. Vermutlich spielen dabei Zweitwohnsitze und Ferienhäuser eine Rolle.
In der kleinen Gemeinde Chiemsee leben jetzt laut Landesamt nur noch 205 Menschen – ein Drittel weniger als 2009. Bürgermeister Georg Huber hat für den Verlust keine andere Erklärung als die Zensus-Abweichungen: „Unser letzter Stand sind auch nicht 205 Einwohner, sondern 231“, betont er. Aber es erwischte auch die „Großen“: Ende 2012, als die Zensus-Ergebnisse bekannt gegeben wurden, hatte die kreisfreie Stadt Rosenheim plötzlich über 2000 Einwohner weniger, in Bad Aibling fehlten 1000, in Bernau 600 und in Bruckmühl 400.