Stichwort Kohlenmonoxid

Todesfalle Kohlenmonoxid

von Redaktion

Für Ehepaar aus Bernau kommt jede Hilfe zu spät – Ursache unklar

Bernau – Leichter Schneefall hat die Wiesen und Häuser des Bernauer Ortsteils Weisham an diesem Sonntagmorgen in eine dünne Schneeschicht gehüllt. Im überdachten Eingangsbereich eines großen Wohnhauses am Anfang einer Stichstraße hängen Kleidungsstücke auf einem Wäscheständer. Bis auf tiefe Reifenspuren an den Rändern der angrenzenden Felder deutet nichts daraufhin, welches Drama sich in diesem Haus vor gut 24 Stunden abgespielt und einem Ehepaar – 72 und 69 Jahre alt – das Leben gekostet hat.

Warnmelder

schlägt Alarm

Gegen 8.20 Uhr wurde am Samstag die Integrierte Leitstelle Rosenheim nach Angaben der Polizei über zwei leblose Personen in dem Wohnhaus des kleinen Bernauer Weilers informiert. Nachdem beim Betreten des Gebäudes der Kohlenmonoxid-Melder der Rettungsdienstmitarbeiter Alarm geschlagen hatte, rückten Mitglieder der Feuerwehren Bernau, Hittenkirchen, Prien und Umratshausen mit Atemschutzmasken in das Haus vor, um die beiden leblosen Personen zu bergen.

Trotz sofortiger Reanimation konnten die Einsatzkräfte letztlich nur noch den Tod des 72-jährigen Mannes und seiner 69-jährigen Ehefrau feststellen. „Um die Kohlenmonoxidkonzentration auf ein normales Niveau zu senken, mussten wir in dem Gebäude einen Hochdrucklüfter einsetzen“, sagte Marcus Praßberger, Kommandant der Bernauer Feuerwehr, gegenüber unserer Zeitung. Erst nach gut einer halben Stunde habe die Konzentration des tödlichen Gases so nachgelassen, dass das Haus ohne Atemschutz betreten werden konnte.

Die genaue Todesursache sowie die Frage, was zu dem Unglück geführt hat, muss nun die Kripo Rosenheim und der Kriminaldauerdienst klären. „Derzeit liegen keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen vor“, teilte die Polizei mit, um sich ausdrücklich nicht an weiteren Spekulationen über die Ursache zu beteiligen.

Keine Polizeiangaben

zur Ursache

Schnell machten im Weiler Weisham Gerüchte die Runde, eine defekte Heizungsanlage habe dem Ehepaar das Leben gekostet. Auch die Bernauer Feuerwehr legte sich in einer Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite bereits auf diese Ursache fest. „Der Austritt war bedingt durch eine Ölheizung im Keller des Hauses“, teilten die Retter in dem Post mit. Eine Vermutung, die die Polizei gegenüber unserer Redaktion aber nicht bestätigen wollte.

Nicht nur der kleine Weiler, der nur aus wenigen Wohnhäusern besteht, sondern die ganze Kommune Bernau steht angesichts des Dramas unter Schock. „Es ist ganz, ganz schlimm, was dort passiert ist“, sagt ein Nachbar, der gegenüber des Anwesens wohnt. Er selbst habe vom Rettungseinsatz zwar nichts mitbekommen. Die Nachricht über das tödliche Drama habe sich aber schnell herumgesprochen. Das Paar habe er selbstverständlich persönlich gekannt. „Das waren nette Leute“, sagt er. Dann wird seine Stimme brüchig: „Schlimm, schlimm, schlimm – besonders für die Angehörigen.“

Das gilt natürlich auch für Freunde und Bekannte des Paares, das unter anderem Mitglied im Trachtenverein des an Weisham angrenzenden Bernauer Ortsteils Hittenkirchen war, wie Bürgermeister Philipp Bernhofer bestätigt. „Ich komme gerade von der Vereinsversammlung des Trachtenvereins“, sagte Bernhofer gegenüber unserer Zeitung, „da war die Stimmung natürlich deutlich gedrückt.“ Zwar habe er das Ehepaar nicht persönlich gekannt, aber: „Das ist eine unfassbare Tragödie, die die ganze Gemeinde bewegt.“

Schleichende Gefahr durch Verbrennungsprozesse

Schätzungsweise 3000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland eine Vergiftung durch Kohlenmonoxid (CO). Für rund 1000 Menschen endet sie tödlich. Denn das geruchlose Gas, das beispielsweise bei Verbrennungsprozessen entsteht, sorgt beim Menschen dafür, dass nach und nach der Sauerstoffgehalt im Blut abnimmt. Symptome wie Benommenheit, Kopfschmerzen oder Übelkeit sind die Folge, Organe, Gewebe und Gehirn werden nur noch unzureichend versorgt. Oftmals Ursache für Kohlenmonoxidvergiftungen sind defekte Öfen, Kamine und Schornsteinanlagen, aber auch das Grillen mit Holzkohle in geschlossenen Räumen. Zudem sondern beispielsweise Holzpellets das giftige Gas ab, weshalb der Brennstoff speziell gelagert werden muss. Einsatzkräfte des Rettungsdienstes sind grundsätzlich mit Kohlenmonoxid-Messgeräten ausgestattet, die im Falle einer unnatürlichen Konzentration am Einsatzort anschlagen. Auch bei größeren Feuerwehren gehören die Messgeräte zum Equipment. mw

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