E-Autos: Retter unter Strom

von Redaktion

Klima und Verkehr – und mittendrin ein Hoffnungsschimmer: die E-Autos. Sie haben indes auch eine „dunkle Seite“ – für die Rettungskräfte, deren Arbeit sie buchstäblich spannend machen. Dazu zählen auch die 90 E-Autos in der Stadt Rosenheim.

Rosenheim – Mit der neuen E-Mobilität auf den Straßen sind auch Feuerwehr und Abschleppunternehmen mit neuen und sehr großen Herausforderungen konfrontiert. Wird bei einem Unfall der Akku eines E-Fahrzeugs beschädigt, kann es zu chemischen Reaktionen kommen, sodass giftige und ätzende Gase austreten. Wie bereiten sich die Feuerwehren im Landkreis auf Unfälle dieser Art vor?

Die Gefahr kennen – das hat Priorität. Deshalb wird der Bereich Energietechnik bei den aktuellen Schulungen und Lehrgängen laut Kreisbrandrat Richard Schrank intensiv durchgeackert. Immerhin fließen von den Akkus der E-Autos 600 bis 700 Volt Gleichstrom durch die Leitung (ähnlich bei Hybrid-Fahrzeugen). Zum Vergleich: Aus einer Steckdose sind es „nur“ 230 Volt. Werden bei einem Unfall die Hochvoltleitungen im Fahrzeug abgerissen, droht den Helfern ein Stromschlag. Vorsorgemaßnahme: Die Leitungen isolieren. Sie sind in E-Wagen farblich gekennzeichnet. „Orange“, sagt Schrank. Dass es sich beim Unfallwagen um ein elektrisches Fahrzeug handelt, ist am Kennzeichen abzulesen: Ein E nach der Zahlenkombination.

Die Gefahr verringern – dabei hilft eine Wärmebildkamera, die eine Distanz von etwa 20 bis 50 Meter erkunden kann. Mit der Kamera wird der Unterboden, in dem die Akkus eingebaut sind, auf die Möglichkeit eines Feuerausbruchs geprüft.

Brennt das Auto, wird es kompliziert. Extrem viel Wasser (hoher Kühleffekt) wird zum Löschen benötigt. Der Hersteller von E-Fahrzeugen der Marke Tesla empfiehlt 15000 Liter Wasser. Die Landkreis-Feuerwehren können Löschfahrzeuge mit einem Volumen von 1000 und 5000 Liter einsetzen. Im Glücksfall hilft ein nahegelegener Hydrant. Um einen Akku-Brand zu verhindern, nennt der Kreisbrandrat eine weitere Möglichkeit: Das E-Fahrzeug in eine Mulde bringen und sozusagen im Wasserbad 8 bis 24 Stunden stehen lassen.

Alarm wegen eines brennenden E-Autos erreichte die hiesigen Feuerwehren bisher nicht. Beim großen Schneefall im Januar mit stundenlangem Stau auf der Autobahn A8 ging indes drei E-Autos der Strom aus. „Das“, vermutet der Kreisbrandrat, „könnte in Zukunft wohl häufiger passieren“.

Die blockierenden E-Autos wurden abgeschleppt – auf dem Lkw-Aufleger einer Abschleppfirma. Warum so? Würde geschoben oder geschleppt, erzeugen die Motoren weiterhin Strom und Spannung. Das darf aus Sicherheitsgründen nicht sein.

Die Vorgaben – Abschleppunternehmen müssen anschließend bei Aufbewahrung und Lagerung des E-Fahrzeugs eine gesonderte Fläche bereithalten (keine Werkstatt) und in regelmäßigen Zeitabständen das Fahrzeug kontrollieren.

Die Tiefgaragen – sie sind die Hauptsorge der Feuerwehren. Kreisbrandrat Schrank erklärt, warum: Bei E-Autos wird viel Kunststoff verwendet. Brennt das Fahrzeug, kommt es zu einer extremen Rauchentwicklung und einem hohen Verbrennungsgrad. „Über 1000 Grad.“ Insofern müssen Parkhäuser und insbesondere Tiefgaragen eine gut funktionierende Entrauchung haben, um das Fahrzeug schnell aus dem Gebäude zu schaffen.

Vergangenes Jahr brannten drei Elektro-Transporter (Streetscooter) in Baden-Württemberg – technischer Defekt, 40 Feuerwehrleute im Einsatz. Das macht Schlagzeilen, weil E-Autos noch relativ selten in der Republik herumfahren. In der Stadt Rosenheim sind es 90 Pkw mit Elektroantrieb, dazu vier Lkw, sechs Krafträder und vier Quads (Stand: 6. Mai 2019).

Am Montag hatte in Unterwössen ein Mann die Batterie seines herkömmlichen Fahrzeugs ans Ladegerät angeschlossen. In der Nacht stand das Auto in Flammen. Der Mann versuchte, mit dem Gartenschlauch zu löschen, die Feuerwehr sorgte endgültig dafür. Sind E-Autos nun feuergefährdeter als jene mit Verbrennungsmotor? „Eine schwierige Frage“, sagt der Sprecher des ADAC Südostbayern. In Deutschland gebe es pro Jahr 15000 Autobrände. Für eine Bewertung bei E-Autos sei die Datenlage allerdings noch zu dünn. Crash-Tests des ADAC hätten aber gezeigt, dass es keinen Unterschied zu Verbrenner-Fahrzeugen gibt.