Nußdorf/Riedering – Die schreckliche Nachricht verbreitete sich nicht nur in Riedering wie ein Lauffeuer: Marinus Singer (50), als Schmied, Schlosser und Fußballer weit über die Gemeinde hinaus vielen ein Begriff, ist am Heuberg tödlich verunglückt.
Der 50-Jährige, jahrzehntelang als Mittelfeldspieler im Trikot des SV Riedering auf allen Fußballplätzen in der Region daheim, ist in der Nacht zum Mittwoch bei der Abfahrt von der Deindlalm mit einem Mountaincart in den Tod gefahren. Vermutlich war es nach weltweit über zwei Millionen Abfahrten der erste tödliche Unfall mit einem Mountaincart überhaupt. Dieser neue Fahrzeugtyp – nicht motorisierte, tief liegende Dreiräder mit hohem Lenker, zwei großen Rädern hinten und einem kleinen vorne – ist erst seit wenigen Jahren auf dem Markt.
Fassungslosigkeit beim Sportverein
Ein für Mittwoch angesetztes Jugendspiel hat der SV Riedering noch gestern abgesagt. Die Herrenmannschaft bestreitet ihr nächstes Auswärtsspiel am Samstag beim SV Seeon-Seebruck mit Trauerflor, so SVR-Abteilungsleiter Jens Harter. „Wir sind alle fassungslos“, sagt Harter, der an der Seite von Singer hunderte Spiele für Riedering bestritten hat.
Der 50-jährige Familienvater, der eine Frau und drei Kinder hinterlässt, machte am Dienstagabend mit zwei Freunden (49 und 59 Jahre) einen Ausflug zur Deindlalm (Gemeinde Nußdorf). Beim Aufstieg zogen die drei Männer ihre Mountaincarts den Heuberg hinauf. Nach der gemütlichen Einkehr in der Hütte ging es gegen 0.30 Uhr wieder hinunter. Das Wetter soll kurz nach Mitternacht sehr schlecht gewesen sein. Das Trio brach bei Schneeregen gemeinsam mit den Carts auf.
Dass eine Viertelstunde später aber nur zwei heil unten angekommen waren und einer den Anschluss verloren hatte, bemerkten die zwei vorausfahrenden Männer erst im Tal. Sofort war ihnen klar, dass etwas passiert sein könnte. Sie stiegen ins Auto und fuhren die Forststraße hinauf.
Auf halbem Weg zur Hütte machten sie dann in einem Waldstück die furchtbare Entdeckung: In einer Linkskurve lag ihr Freund leblos unter seinem Mountaincart in der Böschung. Die sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen kamen für das Unfallopfer leider zu spät.
Nach ersten Einschätzungen der Polizei und des Unfallsachverständigen ist der selbstständige Schmied und Schlosser von der Forststraße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Dabei erlitt der 50-Jährige die tödlichen Verletzungen. Er trug eine Stirnlampe, aber keinen Helm. Das Berg-Cart war ebenfalls mit einer Stirnlampe ausgestattet.
Während die Staatsanwaltschaft den genauen Unfallhergang untersucht, ist auch bei der Mountaincart GmbH in Bad Aibling die Betroffenheit groß. Das Unternehmen hat das Funsportgerät vor zehn Jahren entwickelt und produziert es seither im Familienbetrieb ausschließlich in Bad Aibling.
Käufer sind neben Privatpersonen vor allem Skigebiete und Seilbahnen. Weil Rodeln und Schlittenfahren ohne Schnee nicht möglich ist, kurbeln sie mit den Mountaincarts den Sommertourismus an. Über zwei Millionen Abfahrten habe es in knapp zehn Jahren weltweit gegeben, aber zu einer vergleichbaren Tragödie sei es noch nicht gekommen, erklärte gestern die Bad Aiblinger Geschäftsführung im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Bei der Konstruktion werde größter Wert auf Sicherheit gelegt, unter anderem durch den tiefen Schwerpunkt und „einzigartige hydraulische Scheibenbremsen“. In der Bergwelt in Österreich und der Schweiz hat sich das Mountaincart bereits etabliert. In der Region gibt es die nächste Verleihstation an der Stümpflingbahn am Spitzingsee. Die Dreiräder werden von Bad Aibling aus bis nach Korea, Neuseeland oder Chile exportiert.
Der Forstweg zwischen Deindlalm und Nußdorf wird im Winter oft als Rodelabfahrt benutzt. Im Sommer ist die Wanderstrecke auch ein Abschnitt des Heuberglaufs, der jeden Sommer in Nußdorf stattfindet.