Rosenheim – Hauswirtschaft, das ist doch nur Putzen und Kochen? Weit gefehlt! Denn wer es richtig machen will, der durchläuft eine anspruchsvolle Ausbildung. Unternehmensführung, Finanzen, Textilien, Ernährungslehre, Qualitätsmanagement und viele andere Inhalte standen auf dem Stundenplan der 25 jungen Damen. Sie absolvierten die einsemestrige Fachschule Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule Rosenheim und erhielten ihre Zeugnisse. Sie dürfen sich fortan „Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung“ nennen.
Beruf, Familie
und noch ein Beruf
Das Besondere dabei: Die Ausbildung richtet sich an Quereinsteigerinnen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung außerhalb der Hauswirtschaft. Die Studierenden drückten eineinhalb Jahre lang jeden Dienstag-Abend und jeden Mittwoch die Schulbank – neben ihrem eigentlichen Beruf und ihren Aufgaben in der Familie. Nun galt es, die Früchte dieser Doppelbelastung zu ernten. Festlich herausgeputzt und begleitet von ihren Familien und von Ehrengästen feierten die Studierenden ihren Abschluss.
Nach dem Gottesdienst durch Stadtpfarrer Andreas Zach begann der offizielle Teil mit einem Musikstück, das dem Motto des Tages entsprach: „La source“, die Quelle, gespielt von Steffi Polifka an der Harfe. „All die Inspirationen, die Sie hier an der Schule mitgenommen haben, sollen Ihnen eine Quelle sein“, sagte Schulleiterin Anna Bruckmeier. Besonders erfreut zeigte sie sich über den sehr guten Notendurchschnitt von 1,81 und darüber, dass alle Absolventinnen im kommenden Sommer auch noch ihre Gesellenprüfung in der Hauswirtschaft dranhängen wollen. Zum Abschluss gratulierte auch Wolfgang Hampel, der Schulleiter der Landwirtschaftsschule und Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).
Josef Huber als stellvertretender Landrat hob die besondere Leistung der Absolventinnen hervor. Neben Beruf und Familie wieder zur Schule zu gehen, das Lernen wieder zu lernen, das sei sicher nicht einfach gewesen. Auch mit dem Einstieg in den landwirtschaftlichen Bereich hätten die Studierenden einiges auf sich genommen – immerhin sei das Umfeld derzeit von einigen „Stromschnellen“ geprägt.
Irmgard Inninger, die den Bayerischen Bauernverband vertrat, sprach die hohe Qualität der Ausbildung an. „Ihr habt in Theorie und Praxis gelernt, strukturiert zu arbeiten“, sagte sie. Das Wissen über das eigene Können führe auch zu mehr Selbstbewusstsein.
Therese Huber vom Verein der ehemaligen Fachabsolventen der Landwirtschaftsschule (VFL) Rosenheimer Land betonte den Mut, den es brauche, neben dem Beruf eine weitere Ausbildung anzupacken. Das Wissen werde den Absolventinnen in vielen Bereichen des Lebens zugute kommen. Semesterleiterin Anna Huber lobte den Einsatz der Studierenden: „Ihr wart immer engagiert, motiviert und wissbegierig“, sagte sie. Nicht nur fachlich, auch persönlich hätten sie sich dadurch weiterentwickelt.
Lob gab es auch anders herum: Die Semestersprecherinnen Johanna Rathberger und Christine Mühlberger hatten für ihre Lehrer Rosen und einen Geschenkkorb dabei. „Es war so lehrreich, so wertvoll, dafür sind wir unendlich dankbar“, richteten sie sich an die Dozenten. Einen humorvollen Einblick in die Herausforderung der Schulzeit gaben drei der Studierenden. Als Omas verkleidet zeigten sie, wie wichtig die Unterstützung der Familie für sie war. So mussten die Großeltern daheim oft einspringen, wenn keine Zeit mehr zum Einkaufen war, halfen beim Nudeln machen oder der Zubereitung von Flammerli.
Kissen fürs Nickerchen im Unterricht
Dass die Enkelinnen gelernt haben, richtige Kissenverschlüsse zu nähen, freute die Omas – auch, wenn die Kissen oft als Unterlage für ein Nickerchen im Unterricht herhalten mussten. Mit etwas Sorge betrachteten die Omas die schwierige Gesellenprüfung im Sommer. Stolz machte sie die Vorstellung, dass die Enkelinnen vielleicht auf die Meisterschule gehen könnten. Damit würden sie den „Master of Pfandlschiaba-Schui“ erlangen.