Stephanskirchen/Rosenheim – Die Präsenz zahlreicher Bürgermeister und ehemaliger Rathauschefs aus den Reihen der ÜWG bei der Pressekonferenz im Stephanskirchner Rathaus – in deren Rahmen kündigte Auer seine Kandidatur an – war bewusst gewählt. Sie sollte das äußere Zeichen der Geschlossenheit sein, mit der die ÜWG-Spitze im Landkreis hinter seinem Vorhaben steht. „Nahezu die Hälfte der 46 Landkreis-Kommunen wird von parteifreien Bürgermeistern geführt. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf das Erfolgsmodell einer parteiunabhängigen Sach- und Kommunalpolitik, die der Bürger schätzt und will“, sagte ÜWG-Kreisvorsitzender Dieter Kannengießer. Auers Kandidatur nannte er einen „Glücksfall“ für die Wählervereinigung. „Wir sind überzeugt davon, dass er auch den Landkreis Rosenheim mit seinen Ideen fortentwickeln kann – und zwar in die richtige Richtung.“
Bei seiner Vorstellung stellte Auer, der seit rund elf Jahren Bürgermeister von Stephanskirchen ist, seine Parteiunabhängigkeit als Markenkern heraus. „Immer wenn Parteipolitik in den Vordergrund rückt, verliert die Sache und damit unsere gemeinsame Aufgabe“, betonte er und leitete nahtlos zu sachpolitischen Fragen über. Als „ärgerlich, für Umwelt und Gesundheit schädlich und völlig unwirtschaftlich“ bezeichnete er die zunehmenden Staus auf den Straßen des Landkreises. Werde er Landrat, wolle er den Öffentlichen Personennahverkehr deutlich stärken. Dafür will er deutlich mehr Geld, als der Kreis das bisher tut, in die Hand nehmen. Eine konkrete Summe nannte er auf Nachfrage nicht. Was die Diskussion um den Brenner-Nordzulauf betrifft, fehlt ihm „eine bündelnde Kraft, die die Interessen des Landkreises vertritt“. Dies schwäche den Kreis enorm, weil das wichtige gemeinsame Ziel der Verkehrsentlastung für die Region in den Hintergrund getreten sei.
Fazit seines Ritts durch die Landkreispolitik: Sie weise viele Defizite auf, die man beseitigen müsse. Mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung von Landrat Wolfgang Berthaler wollte er sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, welchen Anteil an Verantwortung für diese Mängel er ihm beimisst. „Ich will ihm angesichts seiner Situation jetzt nicht große Versäumnisse vorwerfen.“ Für sich hat Auer allerdings eine Schlussfolgerung aus der aktuellen Situation gezogen. „Es gibt vieles, das wir anpacken müssen. Ich möchte einiges anders haben. Da nützt es aber nichts, nur zu schimpfen. Deshalb bin ich bereit, selber Verantwortung zu übernehmen.“
Eine Konsequenz seiner Landratskandidatur ist für ihn die Tatsache, dass er sich im kommenden Jahr nicht mehr um den Chefsessel im Stephanskirchner Rathaus bemühen kann. Bei der Kommunalwahl 2014 war Auer – mitgetragen von CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen – mit 87 Prozent der Stimmen in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt worden.
Die CSU, die mit Otto Lederer bereits einen eigenen Landratskandidaten präsentiert hat, scheidet als Unterstützer zwar aus, dennoch will Auer nicht ausschließen, auch von anderen Parteien mitgetragen zu werden. Er wolle sich möglichen Gesprächen mit der SPD und den Grünen nicht verschließen. Derzeit gilt allerdings für Otto Lederer und Rainer Auer eines gleichermaßen. Sie müssen von der jeweils zuständigen Delegiertenversammlung erst noch offiziell als Landratskandidat nominiert werden. CSU und Parteiunabhängige wollen diese Formalie noch vor der Sommerpause über die Bühne bringen.