Rosenheim – Seine Geschichte bewegte die ganze Region: Bei Max Schluttenhofer, damals 17, stellten Ärzte eine hochaggressive Form von Leukämie fest. Eine beispiellose Hilfsaktion setzte ein, über 2000 Menschen ließen sich in Rosenheim in die Deutsche Stammzellenspenderdatei aufnehmen. Ein bis dato wildfremder Mann aus Norddeutschland fand sich schließlich als geeigneter Spender in der Datenbank der Deutschen Knochenmarkhilfe.
Suche wie nach der Nadel im Heuhaufen
„Ein glücklicher Umstand“, freut sich die Mutter von Max heute noch und ist dankbar für eine Einrichtung wie die DKMS (gemeinnützige Deutsche Knochenmarksspenderdatei). Denn ihr Sohn ist heute „vollkommen gesund“.
Die Datenbank lässt viele andere hoffen, die an Blutkrebs erkrankt sind und im unmittelbaren Umfeld vergebens einen passenden Spender suchen. Nur ein Drittel aller Blutkrebspatienten landet innerhalb der Familie einen Volltreffer. Die Deutsche Knochenmarkhilfe weiß zudem: „Alle 15 Minuten erhält ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs.“ 13000 Neuerkrankungen sollen es jedes Jahr in Deutschland sein. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass jeder Siebte keinen passenden Spender findet. Es ist wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.
Längst meistert Max Schluttenhofer seinen Alltag im Berufsleben (er arbeitet auf dem Bau für den väterlichen Betrieb) – und im Privatleben (feste Beziehung, eigene Wohnung). Ein Leben, wie auch viele andere junge Leute es führen. Also: „Alles ganz normal“, sagt der heute 23-Jährige. Und schätzt es zugleich, dass bei ihm „über die Jahre hinweg die Krankheit in Vergessenheit geraten ist“.
Nicht aber der Lebensretter, der nun zur Familie gehört. Und so findet einmal im Jahr ein Treffen mit allen engen Angehörigen entweder im Norden der Republik oder in Rosenheim statt. Auch wenn der Spender Schluttenhofers Leidenschaft für die Feuerwehr nicht unbedingt teilt – hier ist der Rosenheimer inzwischen Atemschutzgeräteträger – so wird es nie langweilig. „Er ist locker drauf und sehr kommunikativ. Es gibt viel Gesprächsstoff.“
Schluttenhofers Retter wurden Stammzellen nach einem speziellen Verfahren aus dem Blut entnommen (periphere Stammzellspende, Anwendung: 80 Prozent der Fälle). Eine Alternative ist die Entnahme aus dem Beckenkamm (20 Prozent). „Auf keinen Fall aus dem Rückenmark, wie manche denken“, sagt die Mutter von Max.
Die zentrale (anonyme) Verwaltung aller deutschen Dateien liegt beim Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschlands (ZKRD) in Ulm. Über diese wird nach Stammzellspendern gesucht, deren Gewebemerkmale zu 100 Prozent übereinstimmen. 99 Prozent reichen nicht.
Morgen Haltepunkt
Prinzregentenstraße
Am Anfang dieser Suche aber steht die Typisierung. Am morgigen Mittwoch findet dazu die größte Aktion in Bayern statt. Aufgerufen hat die Stiftung Knochenmarkspende Bayern zusammen mit dem Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes. Schirmherrin ist Barbara Stamm, frühere Landtagspräsidentin. Mit im Boot: Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim. Dort, in der Prinzregentenstraße 19, können sich alle gesunden Freiwilligen von 17 bis 45 Jahren melden. Zeit: 8 bis 12 Uhr.
Wie einfach das im Gesundheitsamt geht, verrät das Landratsamt: nur wenige Minuten Zeit, ein Abstrich an der Wangenschleimhaut per Wattestäbchen oder die Entnahme einiger Tropfen Blut. Daraus analysieren die Laborexperten später die Gewebemerkmale eines möglichen Spenders. Die Ergebnisse werden dann weltweit, aber anonym für Suchzentren und Transplanteure zur Verfügung gestellt. Eine Rückverfolgung der persönlichen Daten ist nicht möglich.
Das weitere Vorgehen: Im Rosenheimer Gesundheitsamt nimmt jeder seine Probe (Blutentnahme oder Wangenabstrich) in einer Lebensretter-Set-Versandbox mit nach Hause. Dort lässt er sich mit der Probennummer online unter www.akb.de registrieren und sendet das Lebensretter-Set an die Stiftung Knochenmarkspende Bayern. Das ist kostenlos. Doch bittet die Stiftung um eine Spende, denn jede Registrierung kostet 40 Euro.
Ein Happy End
ist immer drin
„Lassen Sie sich typisieren“, appelliert Amtsleiter Dr. Wolfgang Hierl, „und schenken Sie dadurch einem schwer kranken Menschen die Chance auf ein gesundes Leben“, Dass ein Happy End bei der Suche im Heuhaufen möglich ist, zeigen Max Schluttenhofer und sein Spender.