Aus für Kloster Reisach

von Redaktion

Polnische Patres müssen heim – Erzdiözese übernimmt Gebäude nicht

Oberaudorf/Reisach – Das Kloster Reisach wird aufgelöst. Die deutsche Provinz des Teresianischen Karmel hat ihr Nutzungsrecht an den Besitzer des Klosters, den Freistaat Bayern, zurückgegeben. Damit nimmt eine fast 300 Jahre alte Klostertradition ein Ende.

Aufgrund der Brisanz der Ereignisse trat Weihbischof Wolfgang Bischof noch vor der Bekanntgabe der Klosterauflösung im Pfarrverband an die Öffentlichkeit. Exklusiv erläuterte er im Redaktionsgespräch zusammen mit Ordinariatsdirektorin Dr. Gabriele Rüttiger, zuständig für Grundsatzfragen und Strategie, warum das Erzbistum München-Freising das vom Freistaat Bayern zum Kauf angebotene Kloster- und Kirchengebäude nicht übernimmt.

Viele Optionen

beraten

In den vergangenen eineinhalb Jahren habe man sich zusammen mit den Entscheidungsträgern im deutschen Orden der Karmeliten intensiv über Nutzungsmöglichkeiten beraten, so der Bischof. Vieles sei angedacht worden, etwa ein Tourismuszentrum mit Schwerpunkt auf kirchlicher Perspektive, ein Burnout-Zentrum für Priester (hierzu wollte man sogar die Erzdiözese Salzburg ins Boot holen) oder – mit Blick auf die Passionsspielgemeinde im benachbarten Erl in Tirol – ein geistliches Hotel.

Ausdrücklich erinnerte der Bischof auch an die Bemühungen des Erzbistums „zusammen mit sehr engagierten Menschen vor Ort“, den Novizentrakt für ein Hospiz zu öffnen. Dies sei aber am massiven politischen Gegenwind gescheitert. Letztlich beeinflussten die zu erwartenden hohen Sanierungskosten am über 300 Jahre alten Gebäude die Entscheidung der Diözese. Diese würden sich im mehrstelligen Millionenbereich bewegen.

Auf Nachfrage der Redaktion, das Bistum zähle doch zu den finanzstärksten in Deutschland, verwies vor allem Dr. Rüttiger auf die hohen Bau- und Erhaltungskosten, die für die im Besitz der Diözese befindlichen Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime und Kirchenstiftungen schon jetzt erforderlich und auch in Zukunft zu stemmen seien. Priorität habe der eigene Bestand, so der Bischof mit Nachdruck. Die Übernahme des Klosters könne man sich als Erzbistum demnach nicht mehr leisten.

Auch hinsichtlich der Nutzung Klosterkirche gab sich der Bischof bedeckt. Seine nüchterne Bilanz: „Reisach wird es weder als Kloster noch als Kirche in dieser Form mehr geben.“ Wie Bischof weiter ausführte, werden die polnischen Patres Reisach noch in diesem Jahr verlassen. Diese Entscheidung habe der Provinzial der Krakauer Provinz, Pater Thaddäus Florek, getroffen. Seit September 2012 hat ja der Teresianische Karmel der Krakauer Ordensprovinz den Seelsorgedienst im Karmelitenkloster Reisach übernommen.

Wie berichtet, bekommt der Pfarrverband Oberes Inntal mit Pfarrer Dr. Hans Huber ab September 2019 einen neuen Leiter. Ihm werde noch ein priesterlicher Mitarbeiter zur Seite gestellt, so der Bischof. Er betonte ausdrücklich, dass er die große Betroffenheit der Gläubigen verstehe. „Der Ball liegt jetzt beim Staat!“ Als Eigentümer des Klosters stehe dieser nun in der Pflicht.

Bürgermeister Hubert Wildgruber will sich mit der Situation nicht zufrieden geben: Das Kloster Reisach sei für die Gläubigen vor Ort und in der Region von großer Bedeutung. Wildgruber: „Dieser durchbetete Ort, der fast drei Jahrhunderte das spirituelle Leben geprägt hat, muss in eine gute Zukunft geführt werden!“ In Kürze werde man sich mit dem zuständigen Minister, Dr. Hans Reichhart, beraten.

Gestern Abend erläuterte der Provinzial der Deutschen Provinz des Teresianischen Karmel, Dr. Ulrich Dobhan, im überfüllten Oberaudorfer Pfarrheim die Beweggründe des Ordens, das Kloster aufzulösen. Zudem wurden die Gläubigen über die Neugestaltung der Seelsorge informiert. Das Team der Seelsorgeregion Süd im Erzbistum wird in einem nächsten Schritt gemeinsam mit den Gläubigen klären, wie und an welchem Ort die Aktivitäten, die mit dem Kloster verbunden sind, weitergeführt werden können. Unter anderem muss das Pfarrbüro Niederaudorf verlegt werden. Für die Bildungs- und spirituellen Angebote müssen zudem neue Räumlichkeiten gefunden werden.

Seitens des Bau- und des Kultusministeriums wurde gestern mitgeteilt, dass die Immobilien Freistaat Bayern nun prüfen werde, ob der Freistaat Bayern Bedarf an der Nutzung des Anwesens hat. Dabei werde man auch mit den kommunalen Gebietskörperschaften vor Ort in Kontakt treten, erklärte Pressesprecherin Corinna Korn.

Seit Säkularisation Eigentum des Landes

Das Kloster- und das Kirchengebäude in Reisach sind seit der Säkularisation im Eigentum des Freistaats Bayern. Der deutsche Karmelitenorden erhielt im Jahr 1837 ein dauerhaftes Nutzungsrecht.

Zuletzt lebten drei Patres der polnischen Karmelitenprovinz dort und kümmerten sich um die Seelsorge im Pfarrverband Oberes Inntal. Weil es zu wenig Ordensnachwuchs gibt und das Gebäude und die damit verbundene Baulast für die deutsche Provinz der Karmeliten zu groß sind, wird dieser Standort von ihnen aufgegeben, die polnischen Mitbrüder kehren in ihre Heimat zurück.

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