Zwischen Schlipfham und Oberkaltbrunn südlich von Kolbermoor hat die Kalten die Verbindungsstraße überschwemmt. Foto Riediger
Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – Zwei Tage lang regnete es direkt am Alpenrand und im Alpenvorland fast durchgehend und stark. Der Niederschlag ließ die Pegel der Flüsse und Bäche in der Region schnell steigen. Erste Prognosen ließen Schlimmes befürchten. Im Laufe des gestrigen Dienstags korrigierte der Hochwassernachrichtendienst Bayern seine Warnungen vielerorts aber nach unten. Einsatzkräfte in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf waren dennoch in Bereitschaft.
Das Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt rechnete an der Mangfall mit einem Hochwasser, wie es im Schnitt alle zehn Jahre einmal auftritt. In einer Besprechung mit Einsatzkräften am Dienstagmorgen im Landratsamt wurde aber schon deutlich, dass das Wasser der Mangfall sehr wahrscheinlich keine großflächige Gefahr für die Anwohner des Flusses darstellen würde.
Feuerwehr: Kein
Grund zur Sorge
Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim: Die Meldestufe vier von vier sollte an der Messstelle der Mangfall bei Feldolling erreicht werden. Diese Prognose wurde am Dienstag um eine Stufe nach unten korrigiert. Der Scheitel, der höchste Wasserstand, war am Dienstagnachmittag erreicht. In Rosenheim hat die Mangfall die Vier-Meter-Marke nicht überschritten. Beim Hochwasser 2013 stand der Pegel bei 4,94 Metern.
Trotz anhaltendem Regen war es für die Einsatzkräfte von Montag auf Dienstag eine ruhige Nacht, meldet das Landratsamt Rosenheim. In der Aiblinger Au, oberhalb der Aiblinger Brücke, errichtete die Feuerwehr vorsichtshalber eine Deicherhöhung.
Auch die Feuerwehr in Kolbermoor hatte sich auf einen Hochwassereinsatz vorbereitet. Vorsorglich, wie die Feuerwehr betonte. „Derzeit besteht kein Grund zur Sorge“, schrieb die Feuerwehr am Dienstagmorgen in den sozialen Medien. „Die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Mangfall sind ausreichend abgeschlossen.“
Zwischen Schlipfham und Oberkaltbrunn südlich von Kolbermoor und Rosenheim war die Kalten an manchen Stellen über die Ufer getreten. Die Verbindungsstraße unter der Westtangente Rosenheim zwischen den beiden Weilern war am Dienstagvormittag zeitweise kaum befahrbar.
Großkarolinenfeld: Die Feuerwehr war in Großkarolinenfeld am Dienstagmorgen zu einem Einsatz am Volksfest ausgerückt. Mit Sandsäcken befestigte sie einen Bachlauf, der den Festplatz zu überfluten drohte.
Aschau: In Aschau hatte die Prien nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes ihren Scheitel mit etwa 1,52 Meter bereits am Dienstagvormittag erreicht. In Prien war er mit 3,11 Metern etwas später angekündigt und lag deutlich unter dem Höchststand des Hochwassers von 2013.
Wasserburg: Für den Inn bei Wasserburg und Mühldorf blieb es nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes bei der Meldestufe eins von vier. Insbesondere bei Wildbächen sei es aber zu hohen Wasserständen gekommen. Den Scheitelpunkt der Hochwasserwelle am Inn erwarteten die Behörden zuerst für den späten Nachmittag. Wie sich im Tagesverlauf herausstellte, entspannte sich die Lage am Inn bei Wasserburg aber früher als erwartet. Auch der Polizei lagen keine hochwasserbedingten Meldungen vor.
Pfaffing: Vermutlich wegen des Dauerregens stürzte am Vormittag ein Baum auf die Straße zwischen Scheidsöd und Oberübermoos. Ein Autofahrer kam deswegen mit seinem Wagen von der Straße ab und landete in einer angrenzenden Wiese. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei waren im Einsatz.
Reit im Winkl: Im Landkreis Traunstein war von Dienstagmorgen bis Mittag die Bundesstraße 305 zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding gesperrt. Im Bereich Seegatterl war die B305 überschwemmt. „Insgesamt haben wir aber keine besonders angespannte Situation“, sagt Behördensprecher Michael Reithmeier auf Anfrage am Dienstagmorgen. Für die Tiroler Ache werde höchstens die Hochwasser-Meldestufe zwei von vier erwartet. An Traun und Alz soll es bei Meldestufe eins bleiben.
Die Entwicklung der Hochwasserlage: Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ging am Dienstag davon aus, dass das Flusswasser zu keinen gravierenden Problemen führen wird. Wegen der den ganzen Tag anhaltenden Regenfälle bleibe aber das Oberflächenwasser ein Risiko. Nach Einschätzungen der Behörden war die Lage direkt am Alpenrand kritischer als weiter im Norden.
Aufgrund der vorliegenden Daten entschloss man sich im Landratsamt Rosenheim am Dienstagvormittag, die große Runde mit allen Hilfsorganisationen aufzulösen. Ein kleines Team blieb aber in Bereitschaft, um die Lage weiter zu beobachten und wenn nötig aktiv zu werden.
So viel Regen wie
sonst im ganzen Mai
Für die Landkreise Rosenheim und Traunstein galt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) für den ganzen Dienstag eine Warnung vor extremem Unwetter. Von Montag auf Dienstag seien 70 bis 120 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen. Für den weiteren Tagesverlauf hatte der DWD im Alpenvorland noch einmal eine Regenmenge von 60 bis 90 Litern pro Quadratmeter vorhergesagt. An wenigen Tagen kam somit eine Regenmenge zusammen, wie sie sonst im ganzen Monat Mai fällt. Auch beim Niederschlag sah die Lage im Landkreis Mühldorf etwas entspannter aus. Hier waren für Dienstag noch einmal Niederschlagsmengen von 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter erwartet.Auch im Landkreis Rosenheim gab es am Nachmittag dann Entwarnung. Die Koordinierungsgruppe für Hochwasser stellte gegen 13.30 Uhr ihren Dienst ein. Laut der aktueller Prognose des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes hatten Mangfall, Inn, Prien und Kalten ihre Höchststände erreicht und die Pegel sanken.