Rosenheim – Die Motorsportwelt trauert um eine ihrer größten Ikonen. Vor dem Klassiker in Monaco hat der Tod des dreimaligen Weltmeisters Niki Lauda Fahrer, Teams und Fans erschüttert. „Für immer in unseren Herzen, für immer unsterblich in unserer Geschichte“, twitterte die Motorsport-Königsklasse am Dienstagmorgen. Der Österreicher ist am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben.
„Ein großer Verlust
für den Motorsport“
Auch einheimische Motorsportler wie der Rosenheimer Martin Tomczyk, Rennfahrer für BMW Motorsport, und seine Frau Christina waren bestürzt über den Tod von Niki Lauda: „Wir haben am Dienstagmorgen über die sozialen Medien vom Tod Niki Laudas erfahren. Man kennt sich unter Rennfahrern und er war ja oft genug für RTL und Mercedes an den Rennstrecken und da läuft man sich natürlich über den Weg und spricht miteinander. Er war eine Legende im Motorsport. Nicht nur aktiv, sondern auch passiv. Seine Meinung hat gezählt, er war immer geraderaus und das alles mit seinem österreichischen Schmäh, was ihn so sympathisch, so authentisch und so ehrlich gemacht hat – deshalb hat ihn auch jeder gemocht. Die Ehrlichkeit von ihm findet man im Motorsport immer seltener. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Motorsportszene und an ihn wird man sich sehr, sehr lange erinnern.“
Hermann Tomczyk, ADAC Sportpräsident und FIA-Vizepräsident für Sport, über Niki Lauda: „Niki war ein begnadeter Rennfahrer und hat die Formel 1 geprägt wie wenig andere. Er war mit drei Formel-1-WM-Titeln als Fahrer und fünf WM-Titeln als Manager für Mercedes-AMG sowie als Unternehmer in der Luftfahrtbranche außergewöhnlich erfolgreich. Nach seinem Unfall am Nürburgring hat er eine bis dahin nicht gekannte Sicherheitsdebatte in der Formel 1 angestoßen und viel für den Sport geleistet. Niki Lauda war ein bewundernswerter Charakter, ich trauere um eine außergewöhnliche Persönlichkeit des Sports, die viel zu früh von uns gegangen ist.“
Das sagt Norbert Haug, 22 Jahre lang Motorsport- und Formel-Eins-Chef bei Mercedes sowie Berater der Ausstellung „EFA mobile Zeiten“ in Amerang, zum Tod von Niki Lauda: „Es ist unendlich traurig, dass Niki seinen letzten großen Kampf verloren hat. Er wird der gesamten Motorsportwelt in großartiger Erinnerung bleiben – kaum einer hat unseren Sport so geprägt wie Niki Lauda und das fast ein halbes Jahrhundert lang in verschiedenen aktiven Rollen als Fahrer, mehrfacher Formel 1-Weltmeister, als Berater und Manager. Er war stets ein Fels in der Motorsport-Brandung und als solcher wird er in unserer und ganz besonders in meiner Erinnerung bleiben. Meine Gedanken sind bei seiner Frau Birgit und den Kindern, denen ich jetzt alle Kraft wünsche.“
Auf den Geburtstag angestoßen
Bei einem Urlaub auf Ibiza vor genau zehn Jahren lernte der Rosenheimer Ingo Henning, heute Geschäftsführer von Auto Eder Traunstein, Lauda kennen: „Wir feierten im Pacha den 50. Geburtstag eines Freundes. Neben uns saß Niki Lauda, total entspannt, nett und stieß mit uns auf den Jubilar an. Eine Begegnung, die mir sehr positiv im Gedächtnis geblieben ist und durch den traurigen Anlass plötzlich wieder präsent ist, als ob es gestern gewesen wäre.“
Auch die heimischen Motorrennsportler trauern um die Motorsportlegende. Einer von ihnen ist Adi Stadler. Der Motorradrennfahrer ließ vor gut 30 Jahren die Rennsportbegeisterung in und um Obing wieder so richtig aufleben. Er nahm an 115 WM-Läufen teil und wurde 1987 Europameister in der 125cc-Klasse sowie 1993 deutscher Meister in der 250cc-Klasse. Stadler kennt die Risiken und die Herausforderungen des Motorrennsports aus eigener Erfahrung. Auch wenn die Formel 1 noch einmal eine andere Nummer sei, wie er betont. Wohl auch deshalb schätzt er die Leistung Niki Laudas als unvergleichbar ein. „Niki Lauda war ein Ausnahmesportler und ein Ausnahmemensch.“ Mit Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Fleiß habe er sportliche Erfolge der Extraklasse gefeiert. Untrennbar damit verbunden seien aber auch die Bilder seines Horrorunfalls am Nürburgring 1976, den Lauda wie durch ein Wunder überlebt habe. Die Tatsache, dass er nur sechs Wochen später wieder im Rennwagen gesessen habe und sich 1977 und 1984 noch zweimal den Titel in der Königsklasse geholt habe, spiegle seinen unbändigen Willen wider: „Die Sportwelt verliert mit Niki Lauda einen ganz Großen.“
Doch Niki Lauda war nicht nur der Ausnahmesportler. „Wir haben einen sehr netten Menschen verloren“, sagt Monika Kew-Deutz aus Obing. Sie ist Projektleiterin von „Daraja“, einer Initiative des Vereins „Humanitas activa“, die in Mombasa Kinder mit Patenschaften unterstützt, so dass sie eine Schule besuchen können. Niki Lauda habe dem Projekt immer wieder signierte Fanartikel, wie etwa Käppis, zur Verfügung gestellt. „Wir konnten die Sachen versteigern und damit die Kinder in Ostafrika unterstützen“, so Kew-Deutz. Die Obingerin ist geschockt über die Todesnachricht des Rennfahrers, wie sie sagt: „Ich bin so dankbar, für das, was er für unser Projekt getan hat. Und ich bin traurig. Seine Familie wurde mehrfach vom Schicksal getroffen. Ich habe bereits kondoliert.“ bz/ca/kla