Rosenheim – Bis heute ist nach Auskunft der Landkreisverwaltung zwar noch kein Fall von afrikanischer Schweinepest (ASP) in Deutschland bekannt geworden. Dennoch war es vor allem auch die Sorge vor dem Ausbruch dieser Krankheit, die bei der Debatte im Kreisausschuss zu diesem Tagesordnungspunkt immer wieder anklang. Bei der ASP handelt es sich um eine für den Menschen ungefährliche, anzeigepflichtige Tierseuche, von der laut dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Haus- und Wildschweine betroffen sind.
Während in Afrika hauptsächlich Lederzecken das Virus übertragen, erfolgt die Ausbreitung der Krankheit in Mitteleuropa durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, beispielsweise über Blut und Sekrete, die Aufnahme von Speiseabfällen oder auch indirekte Übertragungswege. Hier kommen vor allem neben der Jagdausrüstung auch Kleidung oder landwirtschaftlich genutzte Geräte in Frage.
Umfangreicher
Maßnahmenkatalog
„Ein Ausbruch der Krankheit würde uns vor riesige Probleme stellen. Millionenschäden könnten die Folge sein“, sagte stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU). Er verwies unter anderem auf den umfangreichen Maßnahmenkatalog, der in einem solchen Fall befolgt werden müsste. Die Errichtung von Schutzzäunen sowie ein weiträumiges Betretungsverbot für Bereiche, in denen infizierte Tiere entdeckt wurden, gehören beispielsweise zu den Folgen. Nicht unerwähnt ließ er bei der Sitzung die Schäden für die Landwirtschaft, die auch gesunde Wildschweine anrichten.
Weil er selbst Waidmann ist, weiß Huber, dass die Jagd auf die Tiere schwierig ist. Auch deshalb, weil sie in einer Nacht durchaus Strecken von 30 bis 40 Kilometern zurücklegen können. „Die Wildschweine sind alles andere als saudumm“, meinte Sepp Lausch (Bayernpartei) trocken und begrüßte den Vorstoß. „Wir sollten ein Zeichen setzen, obwohl der Betrag keine große Hilfe im Kampf gegen die Seuche ist“, sprach sich auch Sebastian Friesinger (CSU) für die Prämie aus. Schließlich gab es im Kreisausschuss keine Gegenstimme. Die Gesamtsumme, die für diesen Zweck jährlich zur Verfügung steht, wurde von dem Gremium auf 10000 Euro gedeckelt. Sollte sie nicht reichen, könne man über eine Aufstockung nachdenken, meinte der stellvertretende Landrat.
Jäger begrüßen
Geste des Landkreises
Der Landkreis geht damit deutlich über die Unterstützung hinaus, die das bayerische Umweltministerium Jägern seit dem Jagdjahr 2017/18 – das Jagdjahr dauert vom 1. April bis 31. März – gewährt. Vom Ministerium gibt es eine Prämie von 20 Euro für den Abschuss von Frischlingen, Überläuferbachen und Bachen, die nicht für die Aufzucht von Jungtieren benötigt werden. Für ein erlegtes männliches Wildschwein zahlt der Freistaat nichts. Mit dem Beschluss des Kreisausschusses wird die 20-Euro-Pauschale vom Landkreis auf 100 Euro aufgestockt. Darüber hinaus erhalten Jäger in der Region diesen Betrag aus der Landkreiskasse künftig auch für den Abschuss eines männlichen Tieres.
Franz Sommer, der Kreisvorsitzende der Jäger im Landkreis Rosenheim, begrüßt die Entscheidung. „Mitzuhelfen, den Ausbruch von ASP zu verhindern, ist für die Jäger grundsätzlich keine Frage des Geldes, sondern eine Ehrensache. Dennoch ist die Aufwandsentschädigung eine schöne Geste“, freut er sich. Glücklicherweise sei der Landkreis von einer großflächigen Wildschweinplage bisher verschont geblieben. Sommer kennt zwei Gebiete in der Region, in denen die Tiere bereits größere Schäden angerichtet haben: im Maxlrainer Forst in der Gemeinde Tuntenhausen und in einem Moorgebiet zwischen Amerang und Halfing. „Egal ob Engerlinge oder Regenwürmer: Die Tiere holen einfach alles aus dem Boden raus, was Proteine aufweist. Für den Wald ist das ein Segen, für die Landwirtschaft ein Problem“, so Sommer mit Blick auf die Flurschäden, die dieses Verhalten nach sich zieht und die meist zu Lasten der Landwirtschaft gehen.
Als größte Gefahr für den Ausbruch von ASP stuft er Rastplätze an Straßen und Autobahnen ein, an denen Lebensmittelreste weggeworfen werden. „Wenn sich ein Wildschwein hier bedient, kann es sich durchaus infizieren.“ Bräche ASP irgendwo im Landkreis aus, müssten sich die Jäger seiner Ansicht nach revierübergreifend zusammenschließen, um infizierte Tiere zu bejagen. „Einer allein kann da nichts ausrichten“, ist Sommer überzeugt.