Jäger mit erstaunlicher „Waffe“

von Redaktion

OVB-Serie Safari daheim: Der Rauhfußkauz ist in Bergwäldern zuhause

Rosenheim – Den Namen verdankt der Rauhfußkauz (Aegolius funereus) seinen bis zu den Krallen befiederten Füßen. Zu welch absurden Korrekturen die Rechtschreibreform dabei kam, zeigt die Streichung des „h“ in der Mitte des Wortes als bestes Beispiel. Denn mit „Rau“ haben die samtig weichen befiederten Füße der kleinen Eule wirklich nichts zu tun. Die Bezeichnung kommt von „Rauch(waren)“, ein Begriff für Pelzwaren, und es bedeutet nichts anderes als „behaart, pelzig“. Jäger benennen heute noch Rauhfußbussard, Auer-, Birk- und Haselwild als Rauhfußhühner, deren Füße ebenfalls bis zu den Zehen weich befiedert sind.

Großer Kopf mit

Gesichtsschleier

Mit 25 Zentimetern Körpergröße und einer Flügelspannweite von nur 55 Zentimetern gehört der Rauhfußkauz zu den kleineren Eulen. Zum Vergleich dazu hat unsere häufigste Kauzart – der Waldkauz – eine Flügelspanne von fast einem Meter. Prinzipiell kann man bei allen Eulen nicht am Gefieder unterscheiden, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Aber bei Größe und Gewicht sind manchmal deutliche Unterschiede erkennbar.

So auch beim Rauhfußkauz, bei dem das Männchen circa 120 Gramm und das Weibchen bis zu 200 Gramm erreichen kann. Im Verhältnis zu seinem Körper hat er einen großen Kopf mit einem flachen Scheitel. Der markante helle Gesichtsschleier ist schwarz-braun umrandet. Seine leuchtend großen gelben Augen haben einen stechenden Blick. Altvögel sind auf der Oberseite perlartig weiß gepunktet. Die Unterseite ist weißlich mit verwaschenen bräunlichen Längsstreifen. Junge Rauhfußkäuze sind überwiegend dunkelbraun gefärbt, nur die Augenbrauen weisen etwas weiß auf und die Schwungfedern sind weiß punktiert.

Hierzulande kommt der Rauhfußkauz fast nur in Bergwäldern vor. Eine Ausnahme gibt es in der Umgebung von Glonn, 40 Kilometern südlich-östlich von München. Dort wurde erfolgreich mit künstlichen Nisthilfen durch Jäger nachgeholfen.

Zuhause

in Spechthöhlen

Der Rauhfußkauz lebt mit Vorliebe in reich strukturierten Wäldern in denen Altholzbestände mit Buchen, Fichten, Tannen und Kiefern nicht fehlen sollten. Sie sind die Grundlage, dass der Schwarzspecht seine Spechthöhlen zimmern kann, auf die der Rauhfußkauz als Baumhöhlenbrüter angewiesen ist. Für seinen Tagesaufenthalt, den er sehr versteckt an einen Stamm angeschmiegt verbringt, braucht er unbedingt deckungsreiche Nadelholzbestände.

Balzruf schallt

übers Sudelfeld

Im Sudelfeldgebiet und Umgebung ist der Rauhfußkauz regelmäßig ab März, am häufigsten aber April/ Mai zu hören. Seinen unverwechselbaren Balzruf lässt er in der Regel nur nachts nach Sonnenuntergang ertönen. Bei Windstille und schönem Wetter hört man sein „uh-uh-uh-uh-uh-uh“, das Okarina-artig (Kugelflöte) ansteigt, bis über einen Kilometer und bei gutem Nahrungsangebot die ganze Nacht. Der Alarmruf ist eine jähes „zjuck“.

Der Rauhfußkauz ist ein Ansitzjäger. Er findet seine Beute vorwiegend mit dem Gehör. Dazu hat ihn die Natur mit extrem asymmetrischen Ohröffnungen ausgestattet (die extremste aller Eulen) mit denen er ohne Weiteres in der Lage ist, aus einer Entfernung von 30 Metern eine Maus durch Kreuzpeilung punktgenau zu lokalisieren und im Sturzflug zu erbeuten. Die Hauptnahrung des kleinen Kauzes besteht aus Wühlmäusen (50 Prozent), Langschwanzmäusen, Bilche und Spitzmäusen. Der Anteil an erbeuteten Vögeln bis zur Drosselgröße liegt unter zehn Prozent. Der Rauhfußkauz ist ein Höhlenbrüter, der fast nur Schwarzspechthöhlen benützt. Bei Bruthöhlenmangel kann auch mit künstlichen Nistgelegenheiten Ersatz geschaffen werden. Rauhfußkäuze führen normal eine Saisonehe mit einer Jahresbrut.

Mehr Nachkommen

in einem Mäusejahr

Geschlechtsreif wird der kleine Nachtjäger schon mit einem Jahr. Brutbeginn ist hier auf den Bergen eher nicht vor Mitte April. Die Eieranzahl ist dabei sehr vom Futterangebot abhängig. Sie kann drei bis sechs Eier, bei optimalen Bedingungen aber auch bis zu zehn Eier betragen. Die Brutzeit beträgt 26 Tage. Im Regelfall brütet das Weibchen einmal im Jahr.

Zu Zweitgelegen kommt es bei Gelegeverlust zum Beispiel durch einen Baummarder, aber auch bei einem Überangebot an Nahrung (Mäusejahr), oft in Form von einer Schachtelbrut. Das heißt, die ersten Jungen sind noch nicht endgültig selbstständig (werden noch versorgt), aber das Weibchen legt schon wieder jeden zweiten Tag ein Ei und bereitet sich erneut aufs Brüten vor. Auch wäre es möglich, dass das Weibchen vorzeitig aus der Aufzucht seiner Jungen aussteigt, um sich mit einem neuen Partner einer neuen Aufzucht zu widmen, oft weit vom ersten Brutplatz entfernt. Die Jungen der ersten Brut werden dann noch vom ersten Männchen alleine bis zur Eigenständigkeit gefüttert. Die Jungvögel führen danach eine sogenannte Zerstreuungswanderung durch, also ein Abwandern aus dem Brutgebiet der Altvögel.

Totholz ist Lebensgrundlage

Hiesige Rauhfußkäuze sind Standvögel. Nur bei extrem hohen Schneelagen wie im Januar bis März 2019 weichen sie in tiefer gelegene Habitate aus. Sie können bis 15 Jahre alt werden. Sollen die Bestände der Rauhfußkäuze bewahrt bleiben, ist das Wichtigste, Totholz und alte Höhlenbäume, trotz intensiver Forstwirtschaft, zu erhalten. Der Verlust dieser Brutbäume dürfte die Hauptgefährdungsursache sein. Mit den genannten Maßnahmen lässt sich wirkungsvoll gegensteuern.

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