Rosenheim – „Personalstrategie 2030.“ Dieser Begriff fällt immer wieder bei einem Exclusivgespräch mit Weihbischof Wolfgang Bischof in der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Frage, wie im Erzbistum München und Freising, dem Stadt und Landkreis angehören, mittelfristig eine „zukunftsorientierte Seelsorge“ gewährleistet werden kann, wie es der Bischof ausdrückt. In vielen Gesprächen mit zahlreichen Vertretern verschiedenster kirchlicher Bereiche entstand ein Positionspapier. Es soll Antworten auf die zentrale Frage geben, wie sich die Kirche organisatorisch aufstellen muss, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Die Personalstrategie spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Weihbischof nennt
noch keine Details
Zu konkreten Auswirkungen auf die Region gibt es von Bischof oder der Pressestelle des Ordinariats derzeit keine Detailauskünfte. Dementiert wurden die OVB-Informationen aus Insiderkreisen allerdings nicht.
Sorge bereitet dem Weihbischof neben der abnehmenden Zahl an Kirchenmitgliedern die Tatsache, dass die Kirche in allen Bereichen der Diözese bis 2030 mit etwa 30 Prozent weniger Personal auskommen muss. „Finanzielle Gründe sind hierfür nicht allein ausschlaggebend. Auch wir spüren den Fachkräftemangel“, sagt Pressesprecherin Bettina Göbner vom Ordinariat. Außerdem spiele fehlende Attraktivität der Kirche als Arbeitgeber eine gewisse Rolle. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, gebe es verschiedene Überlegungen, „die neben vielen anderen Bereichen auch die Dekanate betreffen“, so der Weihbischof. Dabei gehe es vor allem um inhaltliche Fragen, aber auch um die „flächenmäßige Einteilung der Dekanate“. Das Ziel der Reform beschreibt er klar umrissen. „Wir wollen die Dekanate stärken und mehr Verantwortung auf diese mittlere Ebene übertragen, sodass sich auch die Rolle der Dekane verändern wird. Die kategoriale Seelsorge, also gezielte Angebote für bestimmte Gruppen wie Jugendliche oder Familien, soll stärker mit der territorialen Seelsorge in den Pfarreien vernetzt werden.“
Der entsprechende innerkirchliche Konsultationsprozess befinde sich in der Endphase. Eine Feststellung ist Wolfgang Bischof ganz wichtig. „Wir wollen und müssen als Kirche vor Ort präsent bleiben. Deshalb bleibt die Struktur der Pfarreien und Pfarrverbände bestehen. Es wird keine Zusammenlegung zu größeren Seelsorgeeinheiten geben.“
In heimischen Kirchenkreisen gilt Domkapitular Daniel Reichel aus Rosenheim schon länger als Favorit des Ordinariats für die Besetzung der neuen Dekanstelle. Er soll nach den Vorstellungen des Dienstherrn gleichsam als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) nicht nur als Dienstvorgesetzter aller im Dekanat tätigen Pfarrer, sondern auch als Fachaufsicht fungieren. Weil durch die Reform die Kompetenzen des Dekans erweitert werden, gibt es auch eine Änderung bei der Ernennung.
Bisher wurde er auf der Dekanatskonferenz von den dort Stimmberechtigten gewählt und vom Ordinariat bestätigt. Die Wahl entfällt nunmehr. Das Ordinariat setzt den Dekan direkt ein. Reichel steht seit 2011 an der Spitze des Dekanats Rosenheim, im Januar 2017 wurde ihm auch die Leitung des Dekanats Chiemsee anvertraut.
Als eindeutiges Indiz für die bevorstehende Reform gilt die Tatsache, dass die Stelle im Dekanat Bad Aibling seit dem Weggang von Pfarrer Thomas Gruber im November 2016 verwaist war und jetzt von Reichel mitbetreut wird, der seit 2016 auch dem Domkapitel der Erzdiözese angehört.
Pilotprojekt soll im
Oktober starten
Erst wenn die Besetzung der Dekanstelle in Stadt und Landkreis Rosenheim offiziell geregelt ist, kann ein weiteres Pilotprojekt starten, welches das Ordinariat im Pfarrverband Feldkirchen-Westerham erprobt. Hier soll künftig ein Team aus ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern die Kirchengemeinde führen. Bisher waren hierfür nur hauptamtliche Kräfte zuständig. Priesterlicher Mitarbeiter soll Pater Richard bleiben, der vor rund zwei Jahren vom Kloster Reisach nach Feldkirchen kam. Was die ehrenamtlichen Führungskräfte betrifft, kommt der ehemaligen Landtagsabgeordneten und Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl eine zentrale Rolle zu. Vergangenen Donnerstag habe sich das neue Team, dem vier ehrenamtlich tätige Laien angehören, erstmals getroffen, berichtet Biechl. Geplant sei, dass es am 6. Oktober vom Weihbischof installiert wird. Biechl freut sich auf ihre künftige Tätigkeit. „Es ist wichtig, sich in einer schwierigen Zeit in der Kirche einzubringen. Uns hilft, dass uns das Ordinariat bei unserer Arbeit nicht unter Zeit- oder Leistungsdruck setzt.“
„Der Versuch in Feldkirchen-Westerham soll Aufschluss darüber geben, ob ein solches Modell praktikabel ist“, so der Bischof. Auf Ordinariatsebene gibt es zwei weitere Modellversuche dieser Art. In Geisenhausen im Norden des Bistums laufe dieser bereits, erläutert Pressesprecherin Bettina Göbner. Im Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz in München beginne er demnächst.