Kiefersfelden/Oberaudorf/Rosenheim – Kaum hat sich die Lkw-Blechlawine auf der A93 und auf der A8 aufgrund der Tiroler Dosierungspolitik aufgelöst, droht der Region bereits heute ab 12 Uhr der nächste Verkehrskollaps. Denn die Tiroler Landesregierung hat – pünktlich zum Start der Pfingstferien in Bayern – für den heutigen Freitag ab 12 Uhr und für den morgigen Samstag ab 5 Uhr kurzfristig neue Blockabfertigungen bei Kufstein angekündigt (siehe überregionaler Teil). „Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor“, sagte Peter Böttinger, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim mit Sitz in Raubling, gegenüber unserer Zeitung.
Rückstau bis zum Fuße des Irschenbergs
Bereits die gestrige Lkw-Blockabfertigung, bei der das österreichische Bundesland Tirol bei Kufstein stündlich nur zwischen 250 und 300 Lkw passieren ließ, sorgte nach Angaben der Verkehrspolizei für „größere Behinderungen“, als zunächst angenommen. Bis zum Fuße des Irschenbergs – also rund 33 Kilometer – habe sich der Lkw zweitweise von der A93 auf die A8 in südlicher Richtung zurückgestaut. Und nicht nur für lange Standzeiten der Lkw-Fahrer, sondern auch für Behinderungen des Pkw-Verkehrs gesorgt.
Auch für heute und morgen geht Böttinger von „massiven Behinderungen aus“. So sei ein Rückstau bis München denkbar. Zudem hat die kurzfristige Ankündigung der Lkw-Dosierung auch die Herausforderung für die Polizei zum Start der Pfingstreisewelle nochmals erhöht. Zehn bis 15 zusätzliche Kräfte werden unter anderem dafür sorgen, dass die Stauenden abgesichert sind und Lkw-Fahrer frühzeitig darüber informiert werden, wenn der Verkehr nach einer Standpause wieder anrollt. Was allerdings für einige Beamte bedeutet, das der freie Tag ausfällt. Böttinger: „Da sind unsere Kollegen ja leider Kummer gewohnt.“
Vielleicht kann das große Lob aus den Inntalgemeinden Oberaudorf und Kiefersfelden wenigstens ein bisschen über den Kummer hinwegtrösten. „Wie die Polizei die Blockabfertigungen managt, ist wirklich sehr professionell“, sagt beispielsweise Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber auf Anfrage unserer Zeitung. Er selbst rechnet durch die Lkw-Blockabfertigung zum Ferienstart allerdings nicht mit einer viel massiveren Belastung seiner Gemeinde. „Viel schlimmer als die Dosierungspolitik ist für uns der Verkehr, der durch die Maut- oder Grenzkontrollumgehung entsteht.“
Navigationssysteme als Variable
Eine Einschätzung, die Oberaudorfs Zweiter Bürgermeister Alois Holzmaier teilt, auch wenn die Navigationssysteme der Autofahrer für ihn eine nicht unbedeutende Variable sind. „Ich weiß nicht, welche Strecken bei Staus empfohlen werden.
Ob die Nachbarn aus Tirol die kurzfristigen Dosierungstermine absichtlich auf den Ferienbeginn in Bayern gelegt haben, diese Frage kann auch Holzmaier nicht beantworten: „Die Gedanken der Österreicher kann ich leider nicht lesen“, sagt der Oberaudorfer, der von den Verantwortlichen erwartet, dass bald nach einer Lösung der Transit-Problematik gesucht wird. Holzmaier: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“