Frasdorf/Prien – Wer Peter Frank wenige Tage nach seinem schweren Unfall begegnet, glaubt kaum, dass er in einen metertiefen Absturz mit einem Traktorgespann verwickelt war. Ein paar kleine Schrammen an den Armen und im Gesicht – mehr hat er nicht davongetragen. Das ihm fast nichts passiert ist, darüber sind alle in der Familie beim Circus Boldini heilfroh. Aber der Traktor und der Anhänger sind nach dem schweren Unfall hin. Und dazu hat nun die Bergungsfirma noch einen Kostenvoranschlag über rund 12000 Euro geschickt. Der Zirkus rechnet mit einem Gesamtschaden im mittleren fünfstelligen Eurobereich. Nun kommt in der Gegend um das kleine Wildenwart eine Welle der Solidarität in Gang.
„Für einen Moment dachte ich, es ist aus.“
Der Circus Boldini war eine Woche lang an der Grundschule in Wildenwart und hat dort ein Projekt veranstaltet, bei dem alle Kinder mitgemacht haben. Einen Tag nach Abschluss wollte der Zirkus weiterziehen zum nächsten Gastspiel nach Taching am See, als das Unglück passierte. Peter Frank fuhr mit dem Traktor hinter seinem Vater über die Alte Rathausstraße von Wildenwart kommend auf den Kreisel in Prien zu, als er die Kontrolle über das 13-Tonnen-Gespann verlor und die Böschung hinab mit dem Traktor kopfüber in die Prien stürzte (wir berichteten). „Für einen Moment dachte ich, es ist aus“, erinnert er sich. Aber er blieb nahezu unversehrt.
Auch die Rettungssanitäter befürchteten das Schlimmste und lieferten Peter Frank auf einer Spezialliege ins Priener Krankenhaus ein. Aber nach und nach stellte sich bei den Untersuchungen heraus, dass der durchtrainierte Zirkusartist, dessen Spezialitäten neben der Jonglage waghalsige Nummern mit seiner Schwester auf dem Hochseil sind, sich keine ernsten Verletzungen zugezogen hatte. „Ich bin froh, dass auch sonst niemandem etwas passiert ist“, sagt der 23-Jährige rückblickend, der sich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus persönlich beim Priener Feuerwehrkommandanten Stefan Pfliegl für den Bergungseinsatz bedankte. Mittlerweile geht man beim Zirkus davon aus, dass ein technischer Defekt am Renault-Traktor, Baujahr 1983, zu dem Unfall geführt hat.
Als Peter Frank gerade von seinem Unfall erzählt, kommen zwei Frauen auf den Standplatz des Zirkus‘ auf der Wiese vor der Grundschule in Wildenwart. Ihre Kinder gehen auf die Grundschule und waren bei der Projektwoche dabei. Sie wollen den Zirkus unterstützen und haben eine Spendenaktion gestartet. Beide schwärmen vom Zirkusprojekt. „Das war so toll. Unter den Kindern ist ein echter Teamgeist entstanden“, sagt eine der beiden.
Diesen Eindruck bestätigt Sonja Hinterleitner, Lehrerin in der zweiten Klasse an der Grundschule Wildenwart. Die Projektwoche mit dem Zirkus fand vor vier Jahren erstmals statt. „Das war damals schon so schön, und die Kinder und Eltern waren so begeistert.“ Deshalb habe sich die Schule entschieden, alle vier Jahre eine Projektwoche mit dem Circus Boldini zu veranstalten, damit jedes Wildenwarter Grundschulkind einmal dabei sein kann. Und die Lehrerin sagt: „Wir waren wieder begeistert. Man hat die Freude der Kinder im ganzen Schulhaus gespürt.“ Zur Abschlussvorstellung, bei der die Kinder das vorführten, was sie ein Woche einstudiert hatten, seien sogar extra Schüler der ersten Projektwoche vor vier Jahren gekommen.
Dutzende Briefe
von den Schulkindern
Nur einen Tag nach Ende der Projektwoche passierte der Unfall. Die schlechte Nachricht habe sich schnell in der Schule verbreitet, sagt die Lehrerin. „Man hat gemerkt, dass die Kinder helfen wollten.“ So entstand die Idee, dass die Kinder Briefe an Peter Frank schreiben, der sie alle in einem Ordner gesammelt hat. „Ich wünsche dir gute Besserung, Gesundheit und viel Glück und dass du wieder lachst“, schreibt Sophia mit Herzchen übersäht. Und Mia wünscht dem Zirkusartisten, dass er „schnell wieder jonglieren kann“. Der Adressat sagt: „Die vielen Schulkinder-Briefe haben mein Herz berührt.“
Sonja Hinterleitner hofft, dass die Briefe etwas Trost spenden. „Das hat uns so leid getan, besonders nach der tollen Projektwoche, die für alle ein unvergessliches Erlebnis war.“ An der Spendenaktion der Eltern wolle sich nun auch das Lehrerkollegium mit einem Beitrag beteiligen.
Die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling hat das Spendenkonto mit einem Startkapital von 500 Euro ausgestattet. Susi Kronast vom Wildenwarter Kinderfasching steuerte spontan einen Beitrag von 300 Euro bei. „Zirkus können wir nur machen, weil wir eine große Familie sind und nur wenige Angestellte haben“, sagte Peter Frank, der sich nicht nur über die finanziellen Hilfen bei der Übergabe an der Wildenwarter Grundschule freute, sondern auch über das herzliche Willkommen, das ihm alle bei seiner Rückkehr an dei Schule nach dem schweren Unfall bereiteten.