Chieming – Die Belegschaft des Reiterhofs Gut Fasanenhöhe im Chieminger Ortsteil Hart steht unter Schock: Einer ihrer Kollegen, ein 34-jähriger Rumäne, der dort als Pferdepfleger arbeitete, ist am Samstagabend in einem Löschweiher ums Leben gekommen. „Es ist eine unfassbare Tragödie“, sagte Betriebsleiter Dominik Forster gegenüber unserer Zeitung. An den Gerüchten, der Mann habe nicht schwimmen können und sei letztlich aufgrund einer Mutprobe ins Wasser gegangen, sei nach Einschätzung Forsters nichts dran.
Geburtstag
am Grillplatz
Was eigentlich eine ausgelassene Feier werden sollte, endete letztlich tödlich: Am Samstagabend hatten sich einige Angestellte des Reiterhofs an einem Grillplatz des Guts versammelt, um den Geburtstag eines Kollegen zu feiern. „Nach Angaben meiner Mitarbeiter wurde gegrillt und das ein oder andere Bierchen getrunken“, schilderte Forster den Ablauf des Abends.
Gegen 21.40 Uhr entschlossen sich einige Feiernde dann, im rund 200 Meter entfernten Löschweiher zu baden. „Ein Kollege des 34-Jährigen hat mir erzählt, dass der Pferdepfleger ins Wasser gegangen ist, zwei oder drei Schwimmzüge gemacht hat und plötzlich untergegangen ist“, so der Betriebsleiter. „Seine Kollegen haben dann versucht, ihn aus dem Wasser zu ziehen, aber ihn nicht mehr gefunden.“
Eine Pferdebesitzerin, die das Drama mitbekommen hatte, habe ihn schließlich verständigt, woraufhin er direkt zum Löschweiher geeilt sei. „Wir haben gemeinsam versucht, den Verunglückten im Weiher zu finden, ihn aber nicht entdeckt.“ Erst die alarmierten Rettungskräfte konnten den 34-Jährigen vom Grund des Teichs bergen, wie die Polizei mitteilte. Jegliche Reanimationsversuche blieben erfolglos, sodass gegen 22.20 Uhr der Tod des Mannes festgestellt wurde.
Katastrophale Sichtverhältnisse
Wie Axel Seitz von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Traunstein gegenüber dem Portal News5 erklärte, hatten die Einsatzkräfte mit extrem schwierigen Verhältnissen zu kämpfen. So seien die Sichtverhältnisse unter Wasser so schlecht gewesen, dass nur ein Tasten nach dem Verunglückten möglich gewesen sei.
Besonders tragisch: Der Mann, der vor rund zwei Monaten als Pferdepfleger am Gut Fasanenhöhe begonnen hatte und den Forster als „sehr freundlichen und hilfsbereiten jungen Mann“ kennengelernt hatte, wollte am gestrigen Sonntag seinen ersten Urlaub antreten. „Er wollte zu seiner Familie nach Rumänien fahren“, weiß der Betriebsleiter, der der Familie des 34-Jährigen nun finanziell unter die Arme greifen möchte. „Wir können das seelische Leid zwar nicht lindern, aber vielleicht dazu beitragen, dass sich die Angehörigen zunächst finanziell weniger Gedanken machen müssen.“
Offen bleibt hingegen die Frage, was zum Tod des jungen Mannes geführt hat. Antworten darauf soll nun die Kriminalpolizei Traunstein finden. Gerüchte, wonach es sich bei dem Sprung in den Löschweiher um eine Mutprobe oder eine Wette gehandelt habe und der 34-Jährige zudem nicht schwimmen konnte, wollte die Polizei nicht bestätigen. Auch Hinweise auf ein Fremdverschulden lägen nicht vor.
Forster: „Unfallopfer konnte schwimmen“
Gegenüber dem Betriebsleiter und der Polizei hatten einige Mitarbeiter zwar angegeben, dass es eine Wette gegeben habe, wer als erstes im Wasser sei. Um eine Mutprobe habe es sich aber nicht gehandelt. „Zudem gibt es Aussagen von mehreren Kollegen, die gegenüber der Polizei angegeben haben, dass der Mann schwimmen konnte.“
Auch einen übermäßigen Alkoholkonsum als Ausgangspunkt hält Dominik Forster für wenig wahrscheinlich. „Es war keiner volltrunken.“ Vielmehr vermutet der Betriebsleiter, dass eine Herz-Kreislaufschwäche im Wasser zum Tod des 34-Jährigen geführt haben könnte. Genaue Antworten auf diese Frage soll nun die Obduktion des Leichnams bringen.