Strategie gegen steigende Mieten

von Redaktion

Gemeinden in der Region reagieren – Sozialer Wohnungsbau gefordert

Bad Aibling/Waldkraiburg – Die Mieten kennen in vielen Regionen Oberbayerns nur eine Richtung: nach oben. Doch genauso, wie es starke regionale Unterschiede gibt, gibt es unterschiedliche Lösungsansätze, wie ein Blick auf Waldkraiburg und Bad Aibling zeigt – die günstigste und die teuerste Gemeinde in der Region. Der Mieterverein Rosenheim und Umgebung empfiehlt, Österreich zum Vorbild nehmen.

Sieben Euro pro Quadratmeter zahlt ein Mieter im Schnitt in Waldkraiburg. Das entspricht seit 2014 einer Steigerung von rund 16 Prozent. In Bad Aibling muss ein Mieter im Schnitt elf Euro pro Quadratmeter berappen – fast ein Drittel mehr als noch im Jahr 2014. Die Zahlen stammen vom Internetportal Homeday24, das einen bundesweiten Mietatlas führt. Experten aus der Region bestätigen die Werte.

Beim Mieterverein Rosenheim ist man ob der Zahlen in Sorge. „Natürlich ist es spekulativ, aber wir halten es für nicht sehr wahrscheinlich, dass der Zuzug in die hiesige attraktive Metropolregion nachlässt“, sagt der Vereinsvorsitzende Martin Rothammer auf Anfrage unserer Zeitung. Die Wohnungsmarktsituation, insbesondere im unteren Preissegment, „wird sich hier in absehbarer Zeit also wohl kaum spürbar entspannen. Die Nachfrage wird mutmaßlich höher als das Angebot bleiben“, schätzt der Mietervertreter.

Die Gemeinden beobachten die Lage permanent und versuchen zu reagieren. In Bad Aibling bastelt man seit geraumer Zeit am sogenannten Aiblinger Modell. Das Projekt zielt darauf ab, Einheimischen zu bezahlbarem Wohneigentum zu verhelfen, um so die Wohnsituation zu entspannen.

Dass die Stadt die Region in Sachen Mietpreise anführt, wundert Bürgermeister Felix Schwaller nicht. Bad Aibling sei ein großer Schulstandort. Und auch für Kleinkinder gebe es ein breites Betreuungsangebot. „Das zieht natürlich junge Familien an“, sagt er. Die gute Verkehrsanbindung, die Lage bei Rosenheim in Fahrtrichtung München und ein Angebot von rund 1500 Veranstaltungen im Jahr täten ihr übriges.

Für die Aiblinger sei es aber „schon ein Problem, dass der Wohnungsmarkt auf hohem Niveau verharrt“, sagt der Bürgermeister. Bauland ausweisen, Baulücken füllen – das sei nun Aufgabe der Stadt. Schwaller verweist auch darauf, dass die Stadt ihren eigenen Wohnungsbestand aufstocke, während andernorts kommunale Wohnungen verkauft würden. Die Stadt habe 42 Wohnungen vom evangelischen Siedlungswerk gekauft.

Die gemeindeeigenen Wohnungen würden zu bezahlbaren Preisen vermietet. „Luxuswohnungen haben wir nicht“, sagt Schwaller. „Das ist nicht unsere Aufgabe.“ Aber der Bürgermeister der Stadt mit ihren knapp 19000 Einwohnern sagt auch: „Wir können nicht den Wohnungsbedarf von ganz Bayern decken.“ Er sieht es als seine zentrale Aufgabe an, bezahlbaren Wohnraum für die Bad Aiblinger zu schaffen.

Die Mietpreise in Waldkraiburg sind im Vergleich zu Bad Aibling noch relativ moderat. „Wir sind eine Arbeiterstadt“, erklärt Bürgermeister Robert Pötzsch die Mietpreise in seiner 23000-Einwohner-Stadt. Aber auch in Waldkraiburg sei zu spüren, „dass die Nachfrage in allen Bereichen steigt“. Für ihn kommt es beim Mietwohnraum auf den „richtigen Mix“ an. Eine Stadt könne nicht einseitig gehobenen oder sozialen Wohnraum bieten. Beim sozial geförderten Wohnraum sei die Stadt „schon seit Jahren sehr gut aufgestellt“, sagt Pötzsch. So besitzt die kommunale Stadtbau GmbH 1040 Wohnungen. Wer in einer dieser Wohnungen einziehen möchte, muss aber Geduld haben. Denn zurzeit heißt es auf der Internetseite der Stadtbau GmbH bei allen Gebäuden „Wohnung frei: nein“. Es gibt eine Warteliste.

In den Beratungsgesprächen beim Mieterverein Rosenheim sind „hohe Mieten ein Dauerthema“, sagt der Vereinsvorsitzende Martin Rothammer. „Es macht zunehmend Probleme, überhaupt Wohnraum – insbesondere auch für Familien – in der Region zu finden.“ Der Mieterverein fordert daher die Kommunen auf, wieder stärker in den sozial geförderten Wohnungsbau einzusteigen. Rothammer kritisiert, dass es in Deutschland wenig Wohnraum im Besitz der öffentlichen Hand gebe.

Zur aktuellen Lage habe der „massive Verkauf von Wohnbestand“ und „das massive Zurückfahren der Wohnbauförderung“ in den 1990er-und den Nuller-Jahren beigetragen. Er empfiehlt einen Blick zu den Nachbarn in Österreich, wo Städte und Gemeinden deutlich mehr günstigen Wohnraum für ihre Bürger vorhielten. So wohnt jeder fünfte Österreicher in einer Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung.

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