Flintsbach – In einer Infoveranstaltung in der Alten Post in Fischbach ging es um diese zentrale Frage. Das Ziel für alle Teilnehmer formulierten Felix und Florian Bonke, Hausärzte in Flintsbach, in ihrem Beitrag: „Wir brauchen innovative Wege aus dem Landarztmangel“.
Versorgung immer öfter daheim
Der Hausarzt, die Hausärztin sollte sich zu einem zentralen Manager und Gestalter in allen Gesundheitsfragen entwickeln, so dass immer mehr Versorgung zu Hause stattfinden könne. Und es sei wichtig, dass sich die Ärzte für neue Kooperationsformen öffnen. Der Einzelkämpfer, der 60 Stunden in der Woche für seine Patienten da ist und dabei übersieht, dass auch der „Bürokram“ wichtig ist, werde langsam „aussterben“.
Das Filialpraxismodell sehen die beiden Flintsbacher Hausärzte als vielversprechend an. Dieses sei vor allem für ältere Ärzte attraktiv, die in den Ruhestand gehen wollen. Sie übergeben ihren Arztsitz an jüngere Kolleginnen und Kollegen, nehmen sich rechtzeitig einen Weiterbildungsassistenten in die Praxis und können so ihren Berufsausstieg vorbereiten. Die Praxis bleibe im Ort erhalten und die Patienten könnten sich rechtzeitig auf den Wechsel ihres Arztes vorbereiten.
Für angehende junge Ärztinnen und Ärzte ermöglicht dieses Modell die Arbeitsform, die sie am meisten schätzen, nämlich eine angestellte Tätigkeit mit überschaubarem Arbeitsvolumen und Teamarbeit.
Das Modell ist „4.0“, denn es sei ein Gewinn für alle Beteiligten, das bestätigte auch einer der Teilnehmer, der sich gerade in der Praxisübergabe befindet. Zudem sei dieses Modell wirtschaftlich: Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns fördert die Facharztweiterbildung in Vollzeit mit bis zu 4800 Euro im Monat.
„Gute Weiterbildung ist die beste Form der Akquise, um den Hausarztberuf für Studierende der Medizin attraktiv zu gestalten“, sagte Dagmar Schneider. Sie ist die Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) in München und warb für gute Weiterbildung, denn sie sichere die Qualität der Versorgung, sie mache dem Weiterbildner Freude und vermittle diese Freude am Beruf dem ärztlichen Nachwuchs.
Es folgte eine rege Diskussion, in der deutlich wurde, dass es bei der Suche nach neuen Kooperationsmodellen auch wichtig sei, sich als Arzt (steuer-) rechtlich und betriebswirtschaftlich beraten zu lassen.
Arbeitsgruppe
im Landkreis
Wie mehr Ärzte und Ärztinnen gewonnen werden, Nachwuchs weiterzubilden, wird nun eine Arbeitsgruppe beraten, die von der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim moderiert wird. Dort werden auch die Ergebnisse der Studie „Attraktiv für Hausärztinnen und Hausärzte: eine Region kümmert sich“ einfließen, die demnächst abgeschlossen wird.