Mit Hitzefrei ist‘s fast vorbei

von Redaktion

Trotz hoher Temperaturen: Schulausfall an vielen Schulen kein Thema

Rosenheim – Gestern knackte das Thermometer vielerorts schon die 30-Grad-Marke, heute könnten es sogar 35 Grad und mehr werden – und auch für die kommenden Tage ist keine Abkühlung in Sicht. Da werden in den Schulen die Rufe nach „Hitzefrei!“ laut. Doch Fakt ist: Hohe Temperaturen führen nur noch selten zum Schulausfall.

„Zeigte das Thermometer bereits um 10 Uhr am Vormittag 28 Grad, dann wurde der Unterricht in der Regel frühzeitig beendet“, erinnert sich Schulamtsdirektor Edgar Müller an seine eigene Schulzeit zurück. Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1999 gibt es zu diesem Thema keine generellen Vorgaben mehr vom Land. Das bedeutet im Klartext: Die Schulen entscheiden individuell, ob und ab wann sie ihre Schüler nach Hause schicken.

Von Schule zu

Schule verschieden

Edgar Müller sieht in dieser Änderung einen Vorteil. „Die Situation ist von Schule zu Schule verschieden. Es macht einen Unterschied, ob ein Gebäude zur Nord- oder Südseite ausgerichtet ist, ebenso, ob man kleine Kinder oder Jugendliche unterrichtet“, meint der Schulamtsdirektor.

Auch für Schulleiter Dr. Armin Stadler vom Gymnasium Raubling steht fest, dass die Schule heutzutage nicht mehr automatisch ab einer bestimmten Temperatur für die Schüler ausfallen kann: „In Zeiten des Klimawandels würde dann ja im Sommer kaum noch Unterricht stattfinden.“

Hitzefrei war für ihn, zumindest gestern, noch überhaupt kein Thema. Auch wenn er darauf natürlich immer wieder von Schülern angesprochen wurde. „Wird es im Südflügel zu heiß, ziehen die Schüler von dort in den Nordflügel um. Das geht problemlos, weil die Abiturienten schon weg sind und uns damit genügend freie Klassenzimmer zur Verfügung stehen“, so Dr. Armin Stadler.

Für Alois Plomer, stellvertretender Schulleiter der Realschule Brannenburg, „fühlte“ sich der gestrige Dienstag mit 24 bis 25 Grad, die er bei einem Rundgang durch die Klassen gemessen hat, ebenfalls „noch nicht nach Hitzefrei an“. Glücklicherweise habe es in seiner Schule in den Pfingstferien eine bauliche Veränderung gegeben, durch die sich auch der Neubau besser lüften lasse. „Dadurch bleibt es jetzt auch dort wesentlich kühler“, freut sich Plomer.

Wasserspiele

auf dem Programm

Selbst an vielen Grundschulen in Stadt- und Landkreis Rosenheim endete der Unterricht gestern ganz normal. „An unserer Schule gibt es generell kein Hitzefrei“, erzählt Schulleiterin Christa Wagner von der Mangfallschule Kolbermoor. Die Eltern müssten sich schließlich darauf verlassen können, dass die Kinder an allen Tagen gleich gut und lang betreut werden. Aber natürlich passe man den Unterricht den Temperaturen an: „Eine Klasse hat an einem schattigen Plätzchen im Freien gehäkelt. Für den Nachmittag stehen Wasserspiele auf dem Programm.“

Gänzlich abgeschafft ist „Hitzefrei“ aber dann doch noch nicht. Inge Thaler, Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Rosenheim, erklärte den Unterricht gestern für alle Klassen ab 12.10 Uhr beendet. „In den oberen Klassenzimmern haben wir schon am frühen Vormittag 30 Grad gemessen. Da kann sich niemand mehr konzentrieren“, erzählt sie.

Möglich wird das vorzeitige Schulende in der Astrid-Lindgren-Schule aber nur dadurch, dass der Hort unter der Trägerschaft der Nachbarschaftshilfe sich sofort bereit erklärte, zusätzliches Personal zur Verfügung zu stellen. „Bei den meisten anderen Horten ist das nicht möglich und darum muss dort der Unterricht immer regulär enden, um eine Beaufsichtigung der Kinder gewährleisten zu können“, weiß Ingrid Thaler.

Übrigens: Wer denkt, auch Lehrer würden von einem Hitzefrei profitieren, irrt. „Hitzefrei gilt nur für die Schüler, nicht für die Lehrer“, stellt Schulamtsdirektor Armin Müller klar. Ingrid Thaler plante deshalb gestern spontan eine Besprechung ein und an der Mittelschule Fürstätt, die den Unterricht aufgrund der hohen Temperaturen ebenfalls früher enden ließ, nutzten viele Lehrer nach Auskunft von Schulleiter Kai Hunklinger die vermeintlich freie Zeit, um schon mal mit dem Schreiben der Zeugnisse zu beginnen.

Abschlussprüfungen haben begonnen

Besonders hart trifft die Hitze alle Mittel- und Realschüler, die derzeit ihre Abschlussprüfung absolvieren. Alois Plomer von der Realschule Brannenburg wertet aber auch dieses Schicksal nicht als „Katastrophe“. „Die Prüfungen finden bei uns in der Turnhalle am Vormittag statt. Da ist es noch nicht so heiß“, meint er. Und für Kai Hunklinger steht fest: „Nach dem Quali geht es für viele ins Berufsleben und da kann man an den heißen Tagen auch nicht einfach nach Hause gehen.“

Artikel 9 von 11