Rosenheim – Einmal in die Arrestzelle, bitte: Wer diesen Traum schon länger hegt, aber dafür keinen Ärger mit der Polizei haben möchte, kann den Wunsch am Samstag dennoch in die Tat umsetzen. Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim findet anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieser Dienststelle am Samstag, 29. Juni, ein Tag der offenen Tür statt. Von 10 bis 16 Uhr erhalten die Besucher tatsächlich Einblick in die Arrestzellen, aber auch in viele andere Bereiche der alltäglichen Polizeiarbeit.
Entstanden ist das Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Zuge der Organisationsreform der Bayerischen Polizei. Am 1. Januar 2009 trat es zusammen mit dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt die Nachfolge des vormaligen Polizeipräsidiums Oberbayern in München an. Zugleich wurden die Polizeidirektionen Rosenheim, Traunstein und Weilheim aufgelöst und deren Aufgaben durch das neue Präsidium und die nachgeordneten Dienststellen übernommen.
Die Zuständigkeit erstreckt sich auf über 9000 Quadratkilometern von der Zugspitze bis an den Königsee, vom Pfaffenwinkel bis Burghausen. In dem Schutzbereich leben mehr als 1,2 Millionen Menschen in 246 Städten und Gemeinden.
In der zehnjährigen Historie des Polizeipräsidiums Süd ragen manche Einsätze besonders heraus. Da wäre zum Beispiel der G7-Gipfel, der im Juni 2015 in Elmau stattfand. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen bedeutete die größte Herausforderung in der Geschichte der Bayerischen Polizei. 15 Monate dauerte die Vorbereitung, beim Gipfel waren mehr als 18000 Polizisten im Einsatz.
Die Welt schaute
auf Bad Aibling
Zu den besonderen Einsätzen gehört auch das schwere Zugunglück bei Bad Aibling, das sich am 9. Februar 2016 ereignete. Zwölf Menschen starben und 89 wurden teils schwer verletzt, als zwei Regionalzüge auf der Bahnstrecke Rosenheim-Holzkirchen ineinander rasten. Bad Aibling stand plötzlich im Mittelpunkt des weltweiten Interesses, was die Pressestelle des Polizeipräsidiums vor eine bis dahin nicht gekannte Aufgabe stellte. Über Tage stand das Telefon nicht still, neben der Beantwortung der internationalen Journalistenanfragen kümmerte sich das Team auch um aktuelle Informationen in den sozialen Medien.
Die gesamte Bandbreite der Polizeiarbeit soll beim Tag der offenen Tür erläutert werden. „Wir wollen anschaulich einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben der Polizei geben“, sagt Pressesprecher Jürgen Thalmeier. Dafür seien auch sonst unzugängliche Bereiche geöffnet, darunter eben die Arrestzellen oder auch die Einsatzzentrale.
„Ein ganz normaler Mensch in Uniform“
„Uns geht es auch darum zu vermitteln, dass ein Mann oder eine Frau in Uniform ein ganz normaler Mensch ist, der als oberstes Ziel hat, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“, so Thalmeier. Respekt vor der Polizei sei gut und wichtig, aber es stehe das Motto im Vordergrund: „Die Polizei, dein Freund und Helfer.“
Damit die Besucher einen möglichst realistischen Eindruck der Polizeiarbeit bekommen, gibt es viele verschiedene Stationen, an denen Dinge erklärt und Fragen beantwortet werden. Dabei besteht oft auch die Möglichkeit, selbst etwas auszuprobieren. „Man kann sich zum Beispiel die Ausrüstung von Einsatzkräften anziehen und erleben, mit welchem Gewicht ein Polizist damit unterwegs ist“, erläutert Thalmeier. Das sei vor allem in Anbetracht der Tatsache bemerkenswert, dass Beamte manchmal stundenlang in großer Hitze im Dienst seien.
Außerdem stellt die Kriminalpolizei ihre Arbeit vor und erläutert, wie sie bei schweren Delikten ermittelt. Dazu gehört die Spurensicherung am Tatort mit modernsten Methoden, die den Besuchern demonstriert wird. Bei der Polizeiarbeit kommen auch Tiere zum Einsatz, genauer gesagt Hunde und Pferde. Wie diese ausgebildet werden und was sie zu tun haben, wird von speziell ausgebildeten Beamten erklärt. Auch die Wasserschutzpolizei informiert über ihre Aufgaben an den heimischen Gewässern.
Für Kinder gibt es mehrere besonders interessante Programmpunkte: Sie können an einem Fahrradparcours ihre Fahrkünste testen, sich an einer Klettererwand der Alpinen Einsatzgruppe versuchen und selbstverständlich auch verschiedene Fahrzeuge bestaunen. Zudem gibt es eine Kinderpolizeiwache, die von Jugendbeamten betreut wird.
Kinder bekommen Polizeiausweis
Die jüngsten Besucher lernen dabei etwas über die alltäglichen Gefahren und können ihre Fragen stellen. Bei entsprechendem Wissen und nach erfolgter „Prüfung“ bekommen die Kinder einen Kinderpolizeiausweis. Und bei einem Gewinnspiel können sie als Hauptpreis einen Besuch bei der Wasserschutzpolizei am Chiemsee oder bei der Reitergruppe gewinnen. Ein Höhepunkt dürfte auch der Besuch der „Rosenheim Cops“ werden. Ab 14 Uhr geben Schauspieler Joseph Hannesschläger und Kollegen Autogramme.
Der Tag der offenen Tür beschränkt sich übrigens nicht auf das Gelände des Polizeipräsidiums: In der Fußgängerzone am Mittertor gibt es Polizeifahrzeuge im Wandel der Zeit zu sehen. Wer mag, kann sich auch in einen Fahrsimulator setzen und bei einer virtuellen Fahrt seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.