Rosenheim – Ein Besuch im Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim hat in den meisten Fällen keinen erfreulichen Grund. Anders am Samstag: Beim „Tag der offenen Tür“ anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieser Dienststelle sah man nur fröhliche Gesichter. Der Andrang war enorm. 10000 Besucher nutzten nach Angaben des Präsidiums die Gelegenheit, einen Einblick in die alltägliche Arbeit der Polizei zu erhalten.
Empfangen wurden die Besucher mit alkoholfreien Cocktails – eine willkommene Begrüßung angesichts der heißen Temperaturen. Einige Meter daneben ein „Tatort“: Auf dem Boden ist mit Kreide der Umriss eines „Toten“ aufgemalt, verstreut daneben liegen Kleidungsstücke, Schuhe, Geldbörse, Schnapsflasche und ein „blutverschmierter“ Holzstil. Die Ermittlungen beginnen. „Wo fängt man da jetzt an?“, fragt sich ein 46-jähriger Rosenheimer, der zusammen mit seinem 14-jährigen Sohn zum „Tag der offenen Tür“ der Polizei gekommen ist. „Die haben gefeiert und dann haben sie sich gestritten“, mutmaßt der Jugendliche. Der Vater ist anderer Meinung: „Nein, das war ganz klar ein Einbruch. Ein Ehepaar wurde beim gemütlichen Fernsehabend von einem Täter überrascht.“
Wie viel Wahrheit steckt im TV-Tatort?
So einfach wie bei den vielen beliebten Kriminal-Serien ist es in der Realität halt nicht. „Einen Fall in nur 45 Minuten zu lösen, das klappt halt leider nur im Fernsehen“, schmunzelt der Kriminalbeamte Jürgen Eisner. Die Besucher, die mit ihm ins Gespräch kommen, interessieren sich vor allem dafür, wie viel Wahrheit in den Ermittlungen steckt, die sie vom Fernsehen kennen. Jürgen Eisner muss sie da schnell enttäuschen: „Die Realität sieht schon ganz anders aus“. Den wahren Ermittlern leistet heutzutage die Technik wertvolle Hilfe. Jürgen Eisner führt vor, wie beispielsweise mittels UV-Licht selbst kleinste Blutspuren aufgespürt werden können.
Technikbegeisterte kommen beim Tag der offenen Tür der Polizei auch an vielen anderen Stationen voll auf ihre Kosten. Ein Beamter steuert von einem Dach aus einen nur 1633 Gramm schweren Hexakopter. Sein Kollege sitzt in einem Einsatzfahrzeug und bedient von dort aus die Kamera der Drohne. „Der Vorteil einer Drohne ist, dass sie nicht so hoch fliegen muss wie ein Helikopter, dadurch sieht man oftmals einfach mehr“, erklärt ein Polizist den Interessierten an diesem Stand. Eingesetzt werden die Drohnen beispielsweise bei der Suche nach Vermissten oder bei der Grenzüberwachung aus der Luft.
Großer Andrang herrscht den ganzen Tag auch beim Stand der Spezialeinheiten. „Ist das schwer“, stöhnte Besucher Michael Ehrsam, als er eine Schutzweste aufhob. Gut 20 Kilo tragen die Kräfte der SEK bei einem Einsatz am Körper. Gerade an heißen Tagen eine große Belastung, wie ein Beamter erzählt: „Es ist gut, wenn wir der Öffentlichkeit einmal zeigen können, mit was für Herausforderungen wir tagtäglich zu kämpfen haben.“
Neben ihm führt Polizeipräsident Robert Kopp einigen Interessierten eine Body-Cam vor. „Die Kollegen sind damit sehr zufrieden“, berichtet er.
Danach geht es für ihn auch schon wieder weiter zum nächsten Programmpunkt auf der Bühne: Als nächstes steht der Auftritt der Rosenheim Cops auf dem Programm. Max Müller, alias Michael Mohr und einige seiner Kollegen kommen vorbei und stehlen ihren realen Kollegen für einige Zeit fast völlig die Aufmerksamkeit. An ihrem Autogrammtisch bildet sich eine lange Schlange. Trotz Hitze harren die Fans geduldig aus, um eine Unterschrift der bekannten Schauspieler zu ergattern.
180 Polizisten
im Einsatz
Rund 180 Polizeibeamte sind beim Tag der offenen Tür im Einsatz – alle freiwillig, wie ein Polizist berichtet: „Es tut einfach mal gut, wenn man es mit lauter gut gelaunten Menschen zu tun hat“. Hinter den Kulissen nimmt die Arbeit der Polizei aber ihren gewohnten Lauf. Die Sicherheit muss eben trotz Spaß und Unterhaltung gewährleistet sein. Ein Aufwand der lohnt, meint Polizeipräsident Robert Kopp: „Wenn man sieht, wie gut das Programm bei der Bevölkerung ankommt, weiß man, dass es sich gelohnt hat.“