Keine Randale am Beckenrand

von Redaktion

Pöbeleien in deutschen Freibädern: Im Landkreis ist die Lage entspannt

Rosenheim – Ein Massenstreit rückt ein Düsseldorfer Schwimmbad in den Fokus der Öffentlichkeit. Kein Einzelfall. Bundesweit mehren sich in jüngster Zeit die Schlagzeilen über Pöbeleien und Randale am Beckenrand. In unserer Region ist aggressives Verhalten der Badegäste aber kaum Thema, wie eine Umfrage der OVB-Heimatzeitungen bei den Freibädern in Stadt und Landkreis Rosenheim zeigt.

Juni-Rekord

in Rosenheim

Je wärmer es ist, desto mehr Menschen zieht es ans und ins kühle Nass. Dementsprechend groß war der Andrang in den Freibädern in den vergangenen Tagen und Wochen. Das Freibad Rosenheim meldete für den Juni rund 41000 Badegäste – ein neuer Rekord für diesen Monat.

An manchen Tagen lag auf der Liegefläche Decke an Decke. „Da steigt dem einen oder anderen Badegast die Hitze dann schon mal zu Kopf“, berichtet Bademeister Christian Klarl. Eine Situation wie in dem Düsseldorfer Schwimmbad, in dem erst durch einen Großeinsatz der Polizei der Konflikt gelöst werden konnte, kann er sich aber für Rosenheim nicht vorstellen. „Dagegen ist es bei uns noch geradezu paradiesisch“, meint Klarl. Seit 34 Jahren arbeitet er bereits als Bademeister. Angst um seine eigene Sicherheit hatte er in all den Jahren noch kein einziges Mal: „Da hören wir von unseren Münchner Kollegen schon ganz andere Sachen.“

Im Rosenheimer Freibad gab es heuer bisher noch keinen Polizeieinsatz. Christian Klarl hofft, dass das so bleibt. Damit Streitigkeiten nicht eskalieren, gibt es im Rosenheimer Freibad seit zwei Jahren eine Sicherheitswacht, die regelmäßig auf der Liegewiese nach dem Rechten sieht. „Das bringt viel“, ist Klarl überzeugt. Konfliktpotenzial macht er vor allem im engen Miteinander der verschiedenen Kulturen auf Liegewiese und Beckenrand aus: „Da prallen halt unterschiedliche Sicht- und Denkweisen aufeinander“.

Viele Mitarbeiter und Bademeister aus anderen Freibädern in Stadt und Landkreis Rosenheim bestätigen diese Erfahrung des Rosenheimers, wie beispielsweise Schwimmmeister Lutz Haggen vom Schwimmbad Harthausen. „Wir haben bei uns auch sehr viele ausländische Besucher und unter ihnen kam es in der Vergangenheit schon immer wieder einmal zu Reibereien“, berichtet er.

Aber auch dort kein Vergleich zu Großstädten: „Grundsätzlich sind wir ein kleines Familienbad mit nicht mehr als 1200 Gästen. Man kennt sich untereinander. Darum kommt es insgesamt nur sehr selten zu Konflikten.“

Ungetrübtes Badevergnügen vermeldet auch Schwimmmeister und Kioskbetreiber Günther Fieber aus dem Freibad in Flintsbach. „Zu uns kommen alle Generationen. Die Senioren haben oft Saisonkarten und kommen mehrmals täglich zu uns, am Abend kühlen sich die Berufstätigen bei uns ab und tagsüber kommen viele Schüler. Alle erlebe ich durch die Bank als sehr diszipliniert“, erzählt Fieber.

Wer sich nicht an die Regeln hält, dem droht in allen Freibädern der Region Hausverbot. „Da fackle ich nicht lange herum. Das wissen alle, und darum halten sie sich auch an die Vorschriften“, erzählt Dorothea Fertinger, Geschäftsführerin der Nußdorfer Freibads.

Mit nasser Hose

über das Handtuch

Schwimmmeister Charlie Meier vom Kolbermoorer Freibad verfährt mit auffälligen Badegästen ähnlich: „Wer bei uns dreimal gegen die Regeln verstößt, kommt nicht mehr rein“. Vor allem der Jugend mangle es heutzutage oft einmal an dem nötigen Respekt. „Da macht halt gern einer mal auf starken Hengst“, erzählt er.

Doch auch bei den erwachsenen Badegästen komme es immer wieder einmal zu Auseinandersetzungen: „Wenn beispielsweise ein Badegast mit nasser Badehose über das Handtuch des anderen steigt.“ Einschreiten müsste er aber in einer solchen Situation in der Regel nicht: „Das sind erwachsene Menschen. Die können so was schon noch untereinander klären.“

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