Kiefersfelden/Kufstein – Rund um Kufstein haben am Samstag sogenannte Dosierungen des Verkehrs und Fahrverbote begonnen. Die Tiroler Landesregierung möchte so Gemeinden von Verkehr entlasten, der versucht, über Nebenstraßen Maut zu vermeiden und Staus auszuweichen. Weil dieser Schritt mit dem Ferienbeginn in einigen deutschen Bundesländern zusammenfiel, hatten einige Autofahrer mit Staus und Chaos gerechnet.
Am Freitag waren abgehängte Tafeln und Kästen an den Straßenrändern – vor den einzelnen Kontroll- und Dosierstellen – zu sehen. Am Samstagmorgen wurden sie „enthüllt“. Um 7 Uhr traten diese Fahrverbots- und Dosierungsmaßnahmen in Kraft. Ampeln wurden geschaltet und das Überwachungspersonal bezog Position. Zunächst fielen keine Besonderheiten auf, wie die Heimatzeitungen feststellten, als sie Teile der betroffenen Strecken abgefahren sind.
Nur kurze Stopps am Ortseingang Kufsteins
Von Kiefersfelden auf der Staatstraße 2089 kommend, war auf der österreichischen Bundesstraße 171 in Höhe der Ortseinfahrt von Kufstein die erste, zugleich auch stationäre, Dosierampel geschaltet. Sie sorgte jedoch nur für kurze Stopps. Denn der Verkehr war relativ gering. Das sah so auch ein im Wohnmobil dahinfahrendes Ehepaar aus Reinfeld in Schleswig-Holstein, das nach kurzer „Rot-Phase“ wieder Fahrt aufnahm und seinen Weg fortsetzte.
Nicht ganz so entspannt war die Situation auf der österreichischen Bundesstraße 171 von Kirchbichl/Wörgl kommend. An der ambulanten Dosierampel unmittelbar vor dem Kreisverkehr in Richtung Kufstein und zu den Autobahnen, bildete sich früh ein Rückstau.
Geringer Verkehr an Grenzkontrollstelle
Zurück auf der A12, in Richtung Kiefersfelden, sah es an der Grenzkontrollstelle nach Deutschland ruhig aus. Geringer Verkehr und entspannte Beamte, die „täglich bis zu zwölf Stunden im Schichtdienst auf Posten stehen“, so einer der Kontrolleure.
Auf der Inntalautobahn A93 lag das vielleicht interessanteste Teilstück der Dossierungsmaßnahmen nach der Abfahrt Oberaudorf in Richtung der Tiroler Gemeinde Niederndorf. Dort war auf der B175 schon sehr reger Verkehr in den Morgenstunden zu beobachten, wie dies auch Anwohner Hermann Weißsteiner bestätigte.
Auf die Verkehrssituation an der wichtigen Route in Richtung Walchsee und Kössen angesprochen, erzählte er „von bis zu 130 an meinem Haus vorbeifahrenden Autos innerhalb von nur fünf Minuten. Aber jetzt ist es durch die Dosiermaßnahmen deutlich besser geworden, das imponiert mir.“
Die Situation an der Dosierampel an der B175 vor Niederndorf beobachtete mit Argusaugen Dr. Herbert Haberl, Leiter des Verkehrsreferats der Bezirkshauptmannschaft Kufstein, das für die gesamten Maßnahmen federführend und koordinierend zuständig ist. „Wenn es in diesem Bereich zu Veränderungen kommt, können wir schnell reagieren, denn ich kann per Funk auf alle Stellen zurückgreifen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Bis jetzt verläuft der Verkehr insgesamt so, wie wir uns das vorgestellt haben.“
Wieder auf der Inntalautobahn A93 ging es zügig weiter in Richtung Österreich. Wegen einer Baustelle auf 60 Stundenkilometer reduziert, liegt die Abfahrt Kufstein Nord direkt hinter der deutsch-österreichischen Grenze. Bis ins Jahr 2013 hinein war der Autobahnverkehr bis zur nächstfolgenden Abfahrt Kufstein Süd noch mautfrei, so sah es eine bilaterale Vereinbarung vor. Seither schützt den Autofahrer ab dem Grenzübertritt nur noch das gültige „Pickerl“ – also das Bezahlen der Maut – vor einer saftigen Strafe. Der Verkehr in den betroffenen Gebieten rund um Kufstein lief zumeist flüssig. Nur an wenigen, schon immer verkehrsneuralgischen Punkten, kam es zu kleineren Wartezeiten.
Ganz anders aber das Bild nur wenige Stunden später, als die Pförtnerampel an der Abfahrt von der Inntalautobahn A93 (Oberaudorf) in Richtung Niederndorf, Walchsee und Kössen kilometerlange Staus auslöste und auch der Gegenverkehr wurde durch die Grenzkontrollen auf deutscher Seite massiv behindert und staute sich weit ins österreichische Staatsgebiet zurück.
Mit den Maßnahmen scheinen die Tiroler eine wirksame Dosis gegen Grenz- und Mautausweichverkehr gefunden zu haben, denn der Verkehr auf den Nebenstraßen und Ortsdurchfahrten in der Region war gegenüber vergleichbaren Ferien-Wochenenden deutlich geringer.
Harald Meuchel, der seit über fünf Jahren in der Kiefer lebt und das alljährliche Verkehrschaos zu den Ferienzeiten im Sommer wie im Winter erlebt, sieht die Dosierung positiv. „Ich finde die Maßnahmen gut für die Bevölkerung, vor allem in den beidseitigen Grenzregionen. Ski- und Sommerurlaub kosten teilweise viel Geld, aber an der Maut wollen die Urlauber dann sparen, auf Kosten der Grenzbewohner, die durch den Maut- und Grenzkontrollenausweichverkehr jedes Wochenende stark belastet werden.“
Die Dosierung des Verkehrs um Kufstein läuft bis Mitte September.