Vogtareuth/München – Es war ein Routineeinsatz: Die Polizeibeamtin Marina Metnar wollte zusammen mit ihrem Kollegen einen Betrunkenen in Vogtareuth in Gewahrsam nehmen. Plötzlich stand der Mann mit einem gezogenen Messer vor den beiden, wollte auf sie losgehen. „Ich stech‘ euch alle ab, ihr Schweine!“, schrie der Betrunkene, als Metnar und ihr Kollege ihn in Gewahrsam nehmen wollten.
Im Dunkeln konnte die Polizistin in seiner Hand das Messer blitzen sehen. „Der Mann kam damit auf meinen Kollegen zu“, berichtet Metnar. Als sie gestern im Innenministerium von dem Einsatz berichtete, stockte ihre Stimme. Selbst nach über einem halben Jahr belastet sie der Angriff sehr. Trotzdem möchte sie darüber sprechen.
Der Einsatz ging für sie und ihren Kollegen glimpflich aus. Mit einem Pfefferspray konnte die Polizistin den Täter überwältigen. Er wurde festgenommen und ist bereits verurteilt. Metnar hatte seitdem viele neue Einsätze. Ein beklemmendes Gefühl hat sie dabei nicht. „Aber ich bin vorsichtiger geworden“, sagt sie.
Ihre Geschichte ist leider kein Einzelfall. Wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München berichtete, hat die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte im vergangenen Jahr erneut zugenommen. „Diese Entwicklungen bereiten mir große Sorgen“, sagt der Innenminister. Bayernweit wurden 2018 insgesamt 7689 Fälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Polizisten erfasst. Ein neuer Höchstwert seit 2010 – seitdem werden diese Fälle erfasst.
17367 Polizeibeamte Opfer von Gewalt
17367 Polizeibeamte in Bayern wurden Opfer von physischer und psychischer Gewalt. Auch das ist ein neuer Höchstwert. Rund 67 Prozent der Angreifer standen während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Bei den meisten handelt es sich um sogenannte Mehrfachtäter.
Jeder Angriff gegen die Beamten sei ein Angriff gegen die Gesellschaft. „Das dürfen und werden wir nicht dulden“, betonte Herrmann gestern. Die bayerische Polizei müsse besser geschützt werden, forderte er. Body-Cams, neue Dienstpistolen und härtere Strafen sollen Angreifer künftig abschrecken.
Die Gewerkschaft der Polizei Bayern fordert zudem hohe Bußgelder bei aggressivem Verhalten gegenüber Polizei- und Rettungskräften. Werte und respektvolles Verhalten gegenüber Sicherheitskräften sollen außerdem schon in der Schule vermittelt werden. Auch Katharina Schulze, die Vorsitzende der Landtags-Grünen, fordert: „Wichtig ist, dass jeder Übergriff konsequent verfolgt und am Ende bestraft wird.“
Trotz allem betonte Herrmann gestern aber auch: Bayern war auch 2018 das Bundesland mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. „Gewalt gegen Einsatzkräfte ist inakzeptabel“, sagte er und nutzte den Termin, um für einen respektvolleren Umgang mit Einsatzkräften zu appellieren.