Drama beim Kirschenpflücken

von Redaktion

Korb mit fünf Erntehelfern stürzt ab: Ein Opfer (14) aus Klinik entlassen

Bad Feilnbach – Schwere Verletzungen haben fünf Menschen erlitten bei einem Ernteunfall am Mittwochabend in Eulenthal bei Bad Feilnbach. Unter den Opfern sind auch zwei 14 Jahre alte Mädchen. Doch bei all dem Unglück gab es gestern bereits eine erste gute Nachricht.

Stille liegt über Eulenthal. Die eng beisammenstehenden Bauernhöfe liegen in mitten einer kleinen Senke, umgeben von Wiesen und zahlreichen Apfel- und Kirschbäumen. Hier kennen sich die Menschen. So gut, dass am späten Mittag einige der Haustüren offen stehen.

Und so mag es nicht verwundern, dass am Mittwoch, gegen 18.40 Uhr, zwei Familien zusammengeholfen haben bei der Kirschernte. Zu fünft sind sie in den Korb einer selbst fahrenden Arbeitsmaschine der Marke „Manitou“ gestiegen, am Steuer ein Fahrzeugführer (50) aus Bad Feilnbach. Der Teleskoparm der Maschine lupft den Korb mit den Helfern in die Höhe. Ganz bequem können sie nun die Äste zu sich heranholen und die Kirschen abpflücken. Als die ersten Äste abgeerntet sind, will der Fahrer den „Manitou“ wenden. Da passiert das Unglück.

Ursache noch ungeklärt

Aus bisher nicht geklärter Ursache kippt die Arbeitsmaschine um. Der Korb mit den Obstpflückern kracht aus sieben bis acht Metern Höhe auf den Boden. Der Aufprall ist enorm. Die beiden Mädchen ziehen sich schlimme Verletzungen zu, ebenso zwei Frauen, 48 und 50 Jahre alt. Und auch ein 20-Jähriger wird schwer verletzt. Von multiplen Verletzungen berichtet die Polizei, von Brüchen und Prellungen. Der Fahrer der Maschine bleibt unverletzt, erleidet aber einen Schock.

Die Rettungskette steht schnell und funktioniert reibungslos. Sechs Notärzte kümmern sich um die Verunglückten. Zwei von ihnen werden jeweils im Rettungswagen ins Klinikum Rosenheim und ins Krankenhaus Agatharied gebracht. Die anderen drei Erntehelfer sind so schwer verunfallt, dass zwei von ihnen per Rettungshubschrauber ins Unfallkrankenhaus nach Murnau geflogen werden müssen. Das dritte schwer verletzte Opfer kommt, ebenfalls mit dem Hubschrauber, ins Krankenhaus nach Traunstein. Zurück bleiben geschockte Familienmitglieder und Nachbarn. Um sie kümmert sich noch am Abend das Kriseninterventionsteam. Gestern dann aber eine erste gute Nachricht: Eines der Mädchen kann das Krankenhaus bereits verlassen. Die Familie holt die 14-Jährige ab.

Wie es zu dem schweren Unfall kommen konnte, das ermittelt nun die Polizei in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Rosenheim. Ein Sachverständiger für Unfallanalytik und technischen Untersuchungen wird ein Gutachten erstellen. Offiziell ist bisher nicht bekannt, ob die Erntemaschine geliehen war oder zum Besitz einer der beiden Familien gehörte. Im Rahmen der Ermittlungen kommt auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz. Er soll Luftaufnahmen machen von der Unfallstelle. Der „Manitou“ ist mittlerweile sichergestellt. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Dettendorf haben die Maschine mit schwerem Gerät geborgen.

So tragisch der Ernteeinsatz für die beiden Familien geendet ist, so froh sind die Rettungskräfte, dass sie doch schnell helfen konnten. Das Einsatzgelände stellte die Helfer vor einige Probleme. So mussten die Hubschrauber 300 Meter entfernt vom Unfallort landen, weil sich in dessen unmittelbarer Nähe eine Koppel befindet, auf der zum Zeitpunkt des Unfalls Pferde standen. „Wären die Tiere durchgegangen, dann hätten wir noch ein zusätzliches Problem gehabt“, sagte Kreisbrandrat Richard Schrank. In der Folge aber mussten die drei Schwerverletzten erst im Rettungswagen transportiert und zu den Hubschraubern gebracht werden. Am Ende aber kam die Hilfe schnell und präzise.

Rettungseinsatz „optimal gelaufen“

Auch Rettungsdienstleiter Thomas Neugebauer ist froh, dass der Einsatz mit rund 40 Feuerwehrkräften aus Dettendorf, Au und Bad Feilnbach „optimal gelaufen“ ist. Die Zusammenarbeit zwischen Helfern und Einsatzleitern von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie der Polizei habe bestens funktioniert.

Und so bleibt am Ende die Hoffnung, dass auch die übrigen vier Unfallopfer, von denen keines in Lebensgefahr schwebt, schnell wieder gesund werden können. Denn in Eulenthal werden sie bestimmt sehnsüchtig erwartet.

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