Rosenheim – Ein Bekenntnis zur Heimat, das seinesgleichen sucht, war das 99. Gaufest vom Inngau-Trachtenverband am gestrigen Sonntag in Rosenheim, das die „Kaltentaler“ aus Pang organisierten. Mehr als 8000 Menschen legten ein Zeugnis ab für ihren christlichen Glauben und beteten beim Festgottesdienst mit Weihbischof Wolfgang Bischof dafür, dass am Nachmittag doch noch der große Festzug durch Aising und Pang stattfinden kann. Die Gebete wurden erhört und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung zogen die Trachtlerinnen und Trachtler, begleitet von zahlreichen Blaskapellen, durch den Rosenheimer Süden, um sich dem bayerischen Lebensgefühl hinzugeben. Festleiter Georg Kaffl, dessen Stellvertreter Martin Grießer und Gauvorstand Georg Schinnagl war die Freude ins Gesicht geschrieben, als die Entscheidung fiel, den Umzug durchzuführen, plötzlich der Regen nachließ, die Sonne rauskam und sich die zahlreichen Rossgespannte und Festwagen auf den Weg machten.
Blick auf die
Wetter-App
Sich auf die Vorhersagen der „Wetter-Apps“ zu verlassen, stellte sich als Glücksfall heraus. Mit Applaus belohnten die zahlreichen Besucher entlang der Hauptstraßen den Augenschmaus, der sich ihnen bot. Der scheinbar endlose Festzug war geprägt von feschen Trachtlerinnen und Trachtlern, die sich besonders schön herausgeputzt und nur ihre besten Gewänder angelegt hatten.
Kurz zuvor war es noch eine Zitterpartie gewesen. So lange wie noch nie zögerten die Verantwortlichen vom Inngau die Entscheidung hinaus, ob man den Festzug stattfinden oder ausfallen lässt. Bis zur letzten Sekunde hatte es noch geregnet, weshalb der feierliche Gottesdienst im Festzelt am Volksfestplatz stattfand und der Kirchenzug abgesagt worden war. Weihbischof Bischof, der seine Predigt mit den Worten „I bin der Wolfgang, und do bin i dahoam“ begann, fand positive Worte und verwies auf den dringend notwendigen Regen für die Natur. Dass ein Bekenntnis zur bayerischen Heimat nicht mit der Sprache, die man spricht, zusammenhängt, machte der Geistliche daran deutlich, dass jeder hier einen anderen Zungenschlag spreche. Viel mehr wert seien die innere Überzeugung, das Einstehen für die christlichen Werte, für das die Trachtler besonders bekannt seien, und vor allem die Taten. Denn Heimat könne jeder hier finden, sagte er unter anderem auch mit Blick auf viele „Zugezogene“, die inzwischen in der Region heimisch geworden sind und auch im Panger Trachtenverein mit Engagement und Einsatz für die Trachtensache wirken.
„Was Bayern für Deutschland ist, ist Pang für Rosenheim“, unterstrich Schirmherrin und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ihre Überzeugung, als sie sich im festlichen Schalk am Rednerpult präsentierte. Der Beifall war ihr damit ebenso sicher, als sie den Trachtlern bescheinigte, keine Flach-, sondern Tiefwurzler zu sein, die nicht bei jedem kleinen Wind umknickten. „Euer Fest ist zum Ende meiner 18-jährigen Amtszeit ein herrlicher Höhepunkt für mich“, so das Stadtoberhaupt.
Festleiter Georg Kaffl, Vorsitzender vom größten Rosenheimer Trachtenverein, sprach vor allem die Jugend an. Nachhaltig zu handeln, nur so viel zu produzieren und zu konsumieren wie notwendig, sei das Gebot der Stunde. Nur dann hätten nachfolgende Generationen die Möglichkeit, nicht in einem Schuldenberg zu versinken und die Heimat weiter zu pflegen. Auch Gauvorsitzender Schinnagl stellte den sorgsamen Umgang mit Stadt und Land in den Mittelpunkt und konnte es sich nicht verkneifen, in diesem Zusammenhang einen Appell an die zahlreich erschienenen Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker abzugeben, bei der Trasse für den Brenner-Nordzulauf die Region bestmöglich zu schützen und behutsam zu planen. Oswald Gredler, Landesverbandsobmann vom Tiroler Trachtenverband, wandte sich ebenfalls an die Mandatsträger und rief dazu auf, sich angesichts der Auseinandersetzungen in Transit- und Verkehrsproblemen zusammen an einen Tisch zu setzen. Bayern und Österreich verbinde schließlich eine lange, enge Freundschaft, was auch die Teilnahme des Rosenheimer Patenvereins aus Kapfenberg (Steiermark) verdeutlichte.
Diesseits und jenseits gelte es, verträgliche Lösungen zu finden und die Heimat in der Alpenregion zu bewahren.
Musikalisch umrahmten die Blaskapelle „Am Wasen“ unter Leitung von Josef Gasteiger und der Kirchchor Pang-Heilig Blut mit Irmgard Speckmeier den Gottesdienst mit der Haydn-Messe. Konzelebranten waren Domkapitular Dekan Pfarrer Daniel Reichel und Kaplan Mathias Klein-Heßling. Zahlreiche Plattler, Märsche und Tänze waren ein Ausdruck des bayerischen Lebensgefühls und zogen die Blicke der Besucher auf sich, unter denen auch Abordnungen der benachbarten Gauverbände waren. Ein Höhepunkt war der Kronentanz der „Kaltentaler“, der in einer „Doppelstock-Version“ mit 24 Paaren zur Aufführung kam. Der Abend des Festsonntags, der unter dem Motto „A Fest für unser Hoamat“ stand, klang in der „Filzenbar“ aus,
wo ebenfalls im Sinne der bayerisch-österreichischen Freundschaft, die Band „Schnopsidee“ aus dem Ybbstal aufspielte.