Rosenheim – Kindern ein Verständnis für Lebensmittel und die Landwirtschaft vermitteln – das ist das Anliegen der Ausstellung „Gutes Essen aus unserer Landwirtschaft“, zu dem das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim zahlreiche Schulklassen eingeladen hat. Die Grundschüler haben dabei viel Wissenswertes erfahren und konnten auch selbst Hand anlegen: Zum Beispiel beim Wettmelken und Getreide-Quetschen.
Frühstücksflocken gequetscht
„Ui, das war schwerer, als ich gedacht habe“, sagt der neunjährige Daniel noch ganz außer Atem. Er hat gerade Haferkörner in einer manuellen Getreidemühle zu Frühstücksflocken gequetscht. In einem Tütchen hat er die „Cornflakes“ gesammelt und darf sie am Ende mit nach Hause nehmen. „Vielleicht tue ich mir die morgen in mein Müsli“, sagt er und ergänzt lachend: „Vielleicht esse ich sie aber auch gleich, die sind lecker!“
Daniel ist zusammen mit seiner Klasse, der 3c der Rosenheimer Prinzregentenschule, und seiner Klassenleiterin Laura Liebchen ins AELF gekommen. Insgesamt haben acht Klassen mit rund 165 Kindern aus dem ganzen Landkreis die Ausstellung besucht, die über drei Vormittage lief.
Das Projekt ist Teil des Lernprogrammes „Erlebnis Bauernhof“, das im Jahr 2012 vom damaligen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ins Leben gerufen wurde und von der aktuellen bayerischen Agrarministerin Michaela Kaniber fortgeführt wird. Im Auftrag des Ministeriums bieten die Landwirtschaftsämter das Programm für die Schulen an.
Der Hintergedanke ist, dass jedes Kind mindestens einmal auf einem Bauernhof gewesen sein sollte, um die Herkunft der Lebensmittel zu verstehen. Teil von „Erlebnis Bauernhof“ sind die Projektwochen „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“, im Rahmen derer Landwirte Schulklassen zu sich auf den Bauernhof einladen. Als Vorbereitung darauf oder zur Vertiefung der Themen hat das AELF Rosenheim nun erstmals die Ausstellung „Gutes Essen aus unserer Landwirtschaft“ konzipiert.
Zuständig dafür ist Gabriele Hierl-Dicker, Hauswirtschafts-Lehrkraft und Ansprechpartnerin für „Urlaub auf dem Bauernhof“. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Viele Kinder wissen so wenig über Lebensmittel. Manche denken wirklich, die Milch kommt aus dem Tetra Pak und Kühe sind lila.“ Aber nur, wer die Herkunft der Lebensmittel verstehe, könne die Produkte und die dahinterstehende Arbeit der Landwirte wertschätzen. Zum Beispiel, wie schwer es ist, eine Kuh zu melken.
„Das hat an den Fingern ganz schön weh getan“, berichtet die achtjährige Isabelle nach dem „Wettmelken“. An der Station zum Rind dürfen die Kinder ausprobieren, wie viel Wasser sie in vorgegebener Zeit aus dem Plastikeuter von Kuh „Lisa“ melken können. Immerhin 50 Milliliter hat die Schülerin geschafft. „Das war ganz schön schwer, hat aber Spaß gemacht“, sagt sie zufrieden.
Fünf Stationen ausgearbeitet
Fünf Stationen hat Initiatorin Hierl-Dicker für die Ausstellung ausgearbeitet. Das Rind, das Huhn, das Schaf, Getreide und Landwirtschaftsmaschinen stehen dabei im Mittelpunkt. In Gruppen gilt es für die Schüler, an jeder Station zunächst grundlegende Infos auf einem Plakat zu lesen und dann einige Fragen zu beantworten.
Danach dürfen die Kinder aktiv werden. Nach dem Wettmelken an Kuh „Lisa“ müssen verschiedene Eier den entsprechenden Tieren zugeordnet werden. Dabei lernen die Grundschüler zum Beispiel ein großes Puten-Ei und ein winzig kleines Wachtelei kennen. Dass verschiedene Schafrassen ganz unterschiedliche Wolle geben – und diese manchmal ziemlich stinken kann – das lernen die Kinder an der Station rund ums Schaf. Beim Getreide ist es die Aufgabe, mit eigener Muskelkraft Haferflocken mittels einer Mühle zu quetschen. Gequetscht schmecken die ursprünglich harten Körner nämlich gleich viel leckerer, wie die Kinder bemerken.
Diverse Projekte
auf dem Stundenplan
„Die Schüler kennen sich schon gut aus mit gesunder Ernährung“, erzählt Klassenleiterin Liebchen. Immerhin standen in diesem Jahr schon andere Projekte rund ums Essen auf dem Stundenplan. Doch insbesondere die Stadtkinder wüssten noch nicht so viel über die Landwirtschaft – keines der 24 Kinder stamme von einem Bauernhof. Daher könne man mit der Ausstellung ideal die Begeisterung für die Natur und die landwirtschaftlichen Produkte wecken.
In der Klasse 3c ist das gelungen: Die Kinder werden so schnell nicht mehr vergessen, wie anstrengend das Quetschen von Korn und wie schwierig das Melken einer Kuh ist. Beim nächsten Frühstück schmeckt das Müsli mit Milch dann vielleicht gleich doppelt so gut.