MVV-Tarif im ganzen Landkreis?

von Redaktion

Begibt sich der Landkreis Rosenheim unter das Dach des Münchner Verkehrsverbundes (MVV)? Diese Frage ist zwar offen, der Kreisausschuss machte jetzt allerdings einstimmig den Weg für die Beteiligung an einer Studie frei, die die Folgen eines solchen Schrittes aufzeigen soll.

Rosenheim – Wie harmonisch die Debatte verlief, zeigt der Beschluss an deren Ende: Einstimmigkeit. Hans Zagler, Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG), hatte zuvor die Sorge bereits im Keim erstickt, die Teilnahme an der vom MVV in Auftrag gegebenen Studie könnte für den Kreis mit zu hohen Kosten verbunden sein. „Ich rechne hierfür mit 10000 bis maximal 30000 Euro“, sagte Zagler. 85 Prozent der anfallenden Kosten für das Grundlagenpapier trage der Freistaat.

Hintergrund der MVV-Initiative ist die Zielsetzung der Staatsregierung, den gesamten Freistaat mit Verkehrsverbünden abzudecken. Landesweit sind zehn bis zwölf geplant. Angesicht der zunehmenden Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) scheint das Land nach Auskunft von stellvertretendem Landrat Josef Huber (CSU) im Gegensatz zur bisherigen Praxis erstmals bereit zu sein, aus seinem Etat einen Ausgleich für das Defizit zu bezahlen, welches der Schienenpersonennahverkehr verursacht. Um herauszufinden, um welche Summen es sich dabei handelt, unterstützt auch das bayerische Bauministerium die Studie.

CSU-Fraktionssprecher Felix Schwaller begrüßte die Entscheidung sehr. „Wir müssen endlich anfangen, die Verkehrswende einzuleiten. Das geht nur über die Schiene.“ Dieter Kannengießer, Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen, nannte die Studie „sinnvoll“, seine SPD-Kollegin Alexandra Burgmaier stimmte mit ihm überein, fand aber auch mahnende Worte. „Wir haben damit noch keinen einzigen Zug mehr und noch kein einziges Problem in der Region gelöst.“ Der Landkreis könne nur hoffen, dass sich der Staat auch wirklich am Ausgleich des Defizits beteiligt. „Wo ist bis jetzt ein ÖPNV-Budget?“, fragte Burgmaier in die Runde.

Obwohl der Freistaat Ausgleichszahlungen für den Schienennahverkehr bisher immer ablehnte, entschloss sich der Landkreis vor nicht allzu langer Zeit, auf der Zugstrecke Wasserburg-Ebersberg-Grafing den MVV-Tarif einzuführen. Das kostet den Kreis jährlich etwa 200000 Euro. Für Fraktionssprecher Christian Stadler von Bündnis 90/Die Grünen „das Beste, was der Landkreis machen konnte“. Bereits vor zehn Jahren hat der Kreis die finanziellen Auswirkungen berechnen lassen, die eine Übernahme des MVV-Tarifes auf allen Bahnstrecken in seinem Bereich verursachen würde. Laut Landkreis kam damals heraus, dass er für die sogenannten „Durchtarifierungs- und Harmonisierungsverluste“ jährlich etwa vier Millionen Euro aufwenden müsste.

„Erster Schritt“ zur Verbunderweiterung

Beim MVV begrüßt man den Beschluss des Kreisausschusses. Pressesprecherin Franziska Hartmann nannte Rosenheim „einen der naheliegenden Landkreise für eine Verbunderweiterung“. Sie verwies darauf, dass er unmittelbar an den Landkreis Ebersberg angrenze, der bereits im MVV-Bereich liegt, und zudem viele Pendler aus der Region Rosenheim täglich nach München führen. Die Studie sei ein „erster Schritt“ hin zu einer Verbunderweiterung. Laufe alles glatt, könne sie 2020 oder 2021 in Auftrag gegeben werden. Ab Dezember 2022 könnten dann erste Landkreise neu in den Verbund integriert werden, weitere könnten ab 2024 folgen. Letztlich sei dies aber eine politische Entscheidung, die die Staatsregierung treffen müsse, so Hartmann.

Neben Rosenheim zählten auch die Landkreise Landsberg, Miesbach, Landshut und Bad Tölz/Wolfratshausen zur Phalanx der Interessenten, die sich mit dem Gedanken an einen möglichen Beitritt zum Verbund befassen, weiß die Pressesprecherin.

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