Prien – Nach Mallorca kann so gut wie jeder reisen, aber ein Flugticket zum Mars? Das wäre mal was ganz Besonderes. Obwohl sich daran gleich die Frage anschließt, wo und wie man das Rückflugticket vom Roten Planeten lösen kann. Schließlich sind es zwischen 56 und 401 Millionen Kilometer, je nach Position der Himmelskörper – also kein Pappenstiel. Im Kinofilm „Der Marsianer“ muss Titelheld Matt Damon als NASA-Astronaut Mark Watney all seinen Einfallsreichtum mobilisieren, um wieder heil auf die Erde zurückzukommen.
Newsletter erst
für Scherz gehalten
Sei’s drum. Benedikt Weyerer sah es ganz ent-spannt, als er auf der Flugreise in den Urlaub nach Mallorca in einem Newsletter von der Möglichkeit las, so ein Ticket zum Mars zu buchen. Anbieter war die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA. „Ich hielt das erst für einen Scherz“, erzählt der Priener im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Auf dem Handy folgte er dem angegebenen Link.
Nun sind bereits Flüge zum Mond derzeit ein exklusiver Traum, der nur Superreichen vorbehalten ist. Wer einen Spaziergang auf dem Erdtrabanten machen will, darf zweistellige Millionenbeträge hinblättern, mit derzeit noch ungewissem Erfolg. „Da war ich natürlich neugierig, was es mit dem Ticket zum Mars auf sich hat“, sagt Weyerer.
Das Rätsel war schnell gelöst. Im Rahmen der „Mars 2020 Mission“ schickt die NASA einen autonom fahrenden Rover auf den Mars, der Klima und Geologie untersuchen sowie Proben sammeln soll. Die unbemannte Rakete soll frühestens im Juli 2020 starten und im Februar 2021 auf dem Mars landen.
Wer sich kostenlos registriert hat, dessen Namen wird auf einem Silikonchip gespeichert und der fliegt in der Sonde mit. „Das kam sehr gut an. Als ich mich angemeldet habe, waren bereits rund 7,5 Millionen Interessenten verzeichnet“, erklärt der Priener.
Der „Boarding-Pass“ zum erdnächsten Planeten, den Weyerer mit breitem Grinsen in der Hand hält, sieht wie ein echtes Flugticket aus. Nach dem Start mit einer Atlas-V-541 Rakete von Cape Canaveral aus ist die Landung der Forschungssonde im Jezero Krater auf dem Mars vorgesehen. „Das war insofern ganz lustig“, ergänzt der Priener, „weil ich erst gut drei Wochen davor auf einem Messestand der NASA in San José war“. Dort stellte die US-Weltraumbehörde ihre Technologien vor und suchte Projektpartner. Für Weyerer ein durchaus spannendes Thema.
Veranstaltungsleiter bei der Messe
Als Veranstaltungsleiter der NürnbergMesse GmbH organisiert der 39-jährige Event-Profi die „Embedded World“-Messe in der fränkischen Metropole. 1100 Aussteller aus 84 Ländern stellen dort aktuelle Dienstleistungen, integrierte Technologien sowie Hard- und Software vor, die die Grundlage bilden für Themen wie autonomes Fahren, künstliche Intelligenz oder Internet der Dinge.
An der technologischen Innovationsfront operiert Weyerer auch beim Blockchain-Gipfel, den er im Auftrag der NürnbergMesse organisiert. Dabei geht es weniger um schnelle Gewinne durch neue Kryptowährungen wie um die Frage, wie sich die neue Technologie für fälschungssichere Datenflüsse, Dokumentationen, Logistikprozesse und Geschäftsabwicklungen nutzen lässt.
Nicht weniger anspruchsvoll ist die von Weyerer mitentwickelte interdisziplinäre Konferenz „Net.Law.S“. Sie beschäftigt sich mit der digitalen Transformation in der Wirtschaft und den damit einhergehenden rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Da bleibt es nicht aus, dass sich der Priener bei Reisen in die USA oder nach China immer wieder über die neuesten Entwicklungen informiert. „Krass ist, mit welch unglaublicher Geschwindigkeit und wel-chem Nachdruck die Chinesen den digitalen Fort-schritt umsetzen.“
Weyerer, der sich früher bei der Chiemsee-Seebühne in Prien erste Meriten bei einer Großveranstaltung verdient hat und fünf Jahre lang organisatorischer Leiter der Festspiele am österreichischen Wörthersee war, ist froh, wenn er nach einer arbeitsreichen Woche in Nürnberg wieder nach Prien kommt. „Das ist wie Urlaub.“ Zusammen mit Freundin Sandra genießt er den großen Garten.
Frühmorgendliche Schwimmrunden
Bei Berg- und Mountainbike-Touren in der Region, morgendlichen Schwimmrunden am Osternacher Steg in Prien oder bei Bootstouren auf dem Chiemsee schöpft der 39-Jährige wieder neue Kraft. „Das schönste Erlebnis bisher war eine Nachtwanderung auf die Kampenwand, um beim Sonnenaufgang auf den Geburtstag anstoßen zu können“, erinnert er sich. Gerne trifft er sich auch mit seinen Brüdern Tobias und Florian. Die zieht es im Übrigen auch immer wieder nach Prien.