80 Rehkitze vor dem Tod gerettet

von Redaktion

Wildtierhilfe Amerang zieht positive Bilanz der Drohnenaktion

Amerang/Landkreis – Schlaflos in Amerang, hieß es in den vergangenen acht Wochen bei den Aktiven der Wildtierhilfe. Frühmorgens um 4 Uhr klingelte der Wecker, dann begann der mehrstündige Dienst zur Rehkitzrettung. Doch die Mühen haben sich gelohnt: Die Drohnenpiloten und ihre Helfer retteten 80 Kitze vor dem Tod im Mähwerk.

Marie-Theres Schurrer, Leiterin des Anfang dieses Jahres gegründeten Vereins Wildtierhilfe Amerang, ist nach acht anstrengenden Wochen erschöpft, aber überglücklich angesichts der vielen „wunderschönen Geschöpfe, die rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten“. „Dieser Einsatz hat mir deutlich vor Augen geführt, welche große Verantwortung wir Menschen gegenüber unseren Mit-Kreaturen haben“, sagt sie.

Die Rettungsdrohne der Wildtierhilfe Amerang war seit Mitte April im Einsatz. Nahezu bei jedem Flug entdeckte die Wärmebildkamera in der Drohne ein Kitz – Auslöser für eine aufwendige Rettungsaktion. Die Tiere mussten oft auch bei kalter Nässe weit durch das hohe Gras an den nächsten Waldrand getragen und dort gesichert werden. Schurrer erzählt von langen Märschen im unwegsamen Gras und Eileinsätzen, denn oft standen mehrere Rettungsaktionen hintereinander auf dem Frühmorgenprogramm.

Piloten und Helfer benötigten nach ihren Angaben nicht nur Ausdauer, sondern auch viel Konzentration und körperliche Kraft. Wieder daheim, klingelte oft schon das Telefon für die Einsätze der nächsten Tage.

Harter Kern von

acht Freiwilligen

Eine Freizeitbeschäftigung sei die Rehkitzsuche nicht, betont Schurrer deshalb. „Das ist nichts für Menschen, die mal Lust haben, etwas zu tun, mal nicht.“ In den acht Einsatzwochen müssten Urlaub, Freizeit und teilweise der Beruf und vieles andere zurückstehen, „sonst ist es nicht zu schaffen“. Schurrer hat in dieser ersten Saison ihren Alltag sechs Wochen lang auf die Priorität Rehkitzrettung eingestellt – ebenso wie „ein harter Kern von acht unglaublich einsatzwilligen Leuten“.

Ein Hektar Fläche könne in zehn Minuten systematisch abgesucht werden, dazu komme die Zeit für das Bergen der gefundenen Kitze. Sie traten übrigens meistens im Doppelpack auf, weil es sehr viele Zwillingspaare gab. War ein Kitz entdeckt, saß meistens nicht weit entfernt das Geschwisterchen im Gras.

Angesichts der Tausende Hektar Wiese, die im Mai und Juni gleichzeitig gemäht wurden, war es nach Angaben von Schurrer wichtig, sich auf kritische Flächen zu konzentrieren. Kundige Jäger und Landwirte, die die gefährlichen Bereiche nennen konnten, „waren unentbehrlich für den Erfolg der Rettungsaktion. Ihr Wissen und Engagement sorgte dafür, dass beinahe jeder Suchflug zu einem Fund führte und die knappe Zeit der Drohne nicht auf leeren Flächen verloren war“, würdigt Schurrer das Engagement.

Aus einem weiten Umkreis kamen die Anrufe von Landwirten und Jägern, oft in verzweifelter Suche nach Unterstützung gegen den Mähtod in ihren Wiesen. „Es tut uns leid, dass wir nicht alle Aufträge abarbeiten konnten – es war nicht zu schaffen“, bedauert Schurrer.

Nachfragen

und Mithilfe

In den nächsten Monaten werde der Verein aktiv daran arbeiten, weitere Drohnenteams aufzustellen – unter anderem eins in der Region Rosenheim-Samerberg-Prien und ein weiteres in der Region Wasserburg Nord-Soyen. „Hier hatten wir besonders viel Nachfrage und kompetente Mithilfe von Jägern und Landwirten“, erklärt Schurrer. Ziel sei es außerdem, weitere Drohnen anzuschaffen und zusätzliche Piloten auszubilden.

Piloten gesucht

penden für den Erwerb von zwei weiteren Drohnen und die Ausstattung der neuen Teams erbittet der Verein auf sein Spendenkonto Wildtierhilfe Amerang e.V., Volks- und Raiffeisenbank Amerang,

IBAN DE52 7116 0000 0006 3292 41 – mit dem Vermerk „Drohne Rosenheim“ oder „Drohne Soyen“. Ebenfalls gesucht werden Piloten und Bergungshelfer in diesen Gebieten sowie in Amerang. Die Telefonnummer der Wildtierhilfe lautet: 0152 21 34 84 98

Weitere Informationen unter www.wildtierhilfeamerang.org.

So kann der Mähtod verhindert werden

De Rehkitz-Suche mit einer Drohne ist nach Angaben des Vereins Wildtierhilfe Amerang das sicherste, aber nicht das einzige Verfahren zur Rettung. Nach den Erfahrungen der ersten Saison und einem intensiven Austausch mit Jägern und Landwirten hat der Verein einen kurzen Ratgeber zu den Methoden zusammengestellt.

Schallgeräte am Mähwerk: Als Zusatzmaßnahme immer sinnvoll. Wirksam in der Verscheuchung von Rehkitzen, die mindestens drei Wochen alt sind, und von Hasen. Für Rehkitze unter zwei bis drei Wochen ist diese Methode jedoch nicht geeignet. Denn ein ganz junges Rehkitz flieht nicht. Es wäre gegen seinen Instinkt und ginge über seine Kräfte. Im Mai, wenn die Mehrzahl der Kitze frisch gesetzt ist, daher als Alleinmaßnahme unzureichend. Im Juni zunehmend wirksamer, am besten in Kombination mit der Drohne.

Aufstecken von Scheuchen (mit Schall/Rascheln/Klappern): Wirksam nur, wenn am Vorabend der Mahd aufgesteckt wird. Bei längerer Standzeit gewöhnen sich die Rehe rasch an die Scheuche. Nur im direkten Sichtbereich wirksam (Achtung bei langen oder gewundenen Wiesen). Nicht wirksam für frisch gesetzte Kitze, die noch nicht mobil sind. Optimal in Kombination mit der Suchdrohne während der gesamten Saison. Die Drohne findet die verbleibenden jungen Kitze, die nicht abwandern konnten. Verbessert die Wirksamkeit der Drohne durch kürzere Einsätze.

Ausmähen einer Spur um die Wiese: Nur sinnvoll am Vorabend, damit die misstrauisch gewordene Geiß die Kitze nachts über den gemähten Streifen in den Wald führen kann. Ausmähen kurz vor der Mahd bewirkt das Gegenteil und ist schädlich, ein Kitz geht niemals alleine tagsüber über eine gemähte Fläche, es bleibt immer in Deckung und ist dann in der Wiese „eingesperrt“.

Mährichtung: Immer weit entfernt vom Wald beginnen und parallel zum Wald mähen. So werden die Kitze langsam Bahn für Bahn in Richtung Wald gedrängt und können aus dem hohen Gras ungehindert in die Deckung des Waldes hinüberschlüpfen. Nicht wirksam für sehr kleine, noch nicht mobile Kitze.

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