Altötting – 7000 Frauen, Männer und Kinder aus 117 Vereinen des Trachtengaues I verwandelten am gestrigen Sonntag Altöttings Kapellplatz in ein farbenfrohes Abbild bayerischer Tracht und Tradition.
Sie kamen aus den Gebieten Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Inn-Salzach, Mangfall, dem nördlichen Chiemgau, Rupertiwinkel, Simssee und Traunstein. Beherrschten am Sonntagmorgen Regenschirme die Szenerie – der Kirchenzug wurde um eine halbe Stunde verschoben und blieb dennoch eine sehr nasse Angelegenheit –, besserte sich das Wetter zu dem von Stadtpfarrer Günther Mandl zelebrierten Gottesdienst deutlich.
Nach und nach verschwanden die Schirme, und auch Ministerpräsident Markus Söder konnte seinen Regenschutz einem Mitarbeiter überlassen. Es hörte auf zu regnen. Da habe wohl das Beten geholfen, meinte der Ministerpräsident in seinem Grußwort. Er nannte christlichen Glauben und Gottesdienst in Zeiten, in denen alles verunsichert sei, in Bayern besonders wichtig: „Wir behalten Tradition und Glauben, auch wenn anderswo die Kreuze abgehängt werden“, sagte Söder unter dem Applaus der Besucher und stellte die Trachtenvereine auf eine besonders hohe Stufe in ihrer Bedeutung für den Freistaat: „Ohne Euch wäre Bayern nicht Bayern.“ Schirmherr und Bürgermeister Herbert Hofauer sagte, er sei stolz, dass mit der Ausrichtung des Gaufestes Altötting zum „Kristallisationspunkt“ des bayerischen Trachtenwesens werde.
Pfarrer Mandl appellierte in seiner Predigt an die Gottesdienstteilnehmer, ihre besonderen Erkennungs-Merkmale auch in Zukunft beizubehalten: Die Liebe und Verbundenheit mit der Heimat, die tiefe Verwurzelung in der Tradition und Geschichte, die Beachtung der christlichen Werte und Normen, besonders die Pflege von Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Kameradschaft, die Bereitschaft zum Engagement hier und heute für soziale Gerechtigkeit, für den Frieden im Kleinen wie im Großen sowie die Treue zu Gott, zu Christus, zur Kirche, zum Papst, zum Bischof, zur Muttergottes und zum Gnadenort Altötting, dem Herzen und Nationalheiligtum Bayerns. Beim Festzug blieb es trocken, dass die Fähnriche die Schutzhüllen von ihren Fahnen nehmen und sie mit einem kräftigen Jauchzer schwenken konnten.
Ein imposantes Bild und eine Kraft und Koordination erfordernde Leistung, die von den Tausenden Besuchern, die die Strecke säumten, mit Applaus belohnt wurde.
So wendete sich dann doch noch alles zum Guten und die Trachtlerinnen und Trachtler konnten ihren Festtag – den bedeutendsten Tag im Jahreskalender, wie Gauvorstand Peter Eicher sagte – genießen und sich beim Treffen im Gegenzug herzlich grüßen. Und natürlich im Anschluss im großen Festzelt noch richtig feiern.
Der besondere Dank des Gauvorstands galt bei all den Feierlichkeiten vor allem dem Volkstrachtenverein Altötting mit Vorstand Robert Gerhardt und Festleiter Martin Bachmeier, der mit der Ausrichtung betraut wurde und in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.