Rosenheim – Ein Brief, den Fraktionssprecher Christian Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) am 29. November 2017 im Namen seiner Fraktion schrieb, war der Startschuss. Damals beantragte sie die Beauftragung eines Verkehrsplanungsbüros, welches ein Konzept für ein landkreisweites Fahrradstraßen- und Radwegenetz mit Schwerpunkt auf dem „Alltagsverkehr“ erstellen sollte.
Der Kreisausschuss verwies das Thema im Januar 2018 an die Bürgermeister-dienstbesprechung. Nachdem auch von den Rathauschefs mittlerweile ein positives Votum vorliegt, befasste sich das Gremium nunmehr erneut mit dem Vorstoß Stadlers.
Drei zentrale
Aufgabenstellungen
Und jetzt gibt es einen Zeitplan für die Umsetzung. Eine kleine Gruppe von Kreisräten will zusammen mit der Landkreisverwaltung ein geeignetes Ingenieurbüro auswählen, das mit der Erstellung einer solchen Expertise beauftragt werden soll. Ob er dieser Empfehlung folgt, darüber soll der Kreisausschuss in seiner nächsten Sitzung im September entscheiden. Bis dahin steht auch fest, was ein solches Konzept kostet.
Drei zentrale Aufgabenstellungen muss das Fachbüro nach Ansicht von Gerhard Kippes, Leiter der Abteilung Hoch- und Tiefbau im Landratsamt, erfüllen. Es soll den Bestand bereits vorhandener Radwege auflisten und Lücken aufzeigen, deren Schließung erforderlich erscheint. Auch die Erstellung eines Beschilderungskonzeptes und die Festlegung von Standorten für das Anbringen der Hinweise erwartet Kippes von den Experten. Und sie sollen Vorschläge für eine Software unterbreiten, die sicherstellt, dass Informationen über die künftige Netzstruktur für die Radfahrer auch bequem im Internet abrufbar sind.
Habe das Augenmerk bei der Errichtung von Radwegen bisher eher dem touristischen Aspekt gegolten, sollen laut Kippes jetzt verstärkt die radelnden Berufspendler in den Fokus rücken. Das Netz solle alle Gemeinden des Landkreises Rosenheim umfassen und die bereits bestehende Radwege-Infrastruktur miteinbeziehen. Wichtig sei auch, Verknüpfungsmöglichkeiten zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufzuzeigen.
Einig war man sich im Gremium, Neubauten nur für den Lückenschluss ins Auge zu fassen. Sollten neue Strecken erforderlich werden und deren Realisierung möglich sein, werde der Landkreis dies veranlassen, betonte stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU). „Wir sind hier sehr bemüht“, so Huber, der sich auch für eine Abstimmung mit den Nachbarlandkreisen über mögliche Anbindungen aussprach.
August Voit (CSU), Gemeindeoberhaupt von Amerang und Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, machte bei deren Dienstversammlung eine „große Zustimmung“ im Vorfeld für die vom Kreisausschuss beschlossene Vorgehensweise aus. CSU-Fraktionssprecher Felix Schwaller wies darauf hin, dass die Leader-Arbeitsgemeinschaft bereits Radwege im Kreis beschildert habe. „Diese Schilder sollten wir stehen lassen.“
Bedenken
sind ausgeräumt
Christian Stadler hatte zunächst Bedenken ausgelöst, weil der ursprüngliche Antrag der Grünen auch darauf abzielte, Wege abseits der Straßen vermehrt in das neue Konzept aufzunehmen. Die sind ausgeräumt, weil Stadler sich mit den Mitgliedern des Gremiums einig ist, dass ein Konzept auf keinen Fall eine Förderung der Maßnahme durch den Staat gefährden dürfe. „Ich will keine unrealistischen Verkehrsanordnungen“, versicherte Stadler. Dieter Kannengießer, Sprecher der Parteiunabhängigen im Ausschuss, sprach sich nachdrücklich dafür aus, dass sich der Landkreis um Zuschüsse bemüht.
Angst vor Rennradfahrern
Sepp Hofer, Fraktionssprecher der Freien Wähler, hat „Bauchschmerzen“, dass auf diesen Wegen vermehrt Rennradfahrer auftauchen. Im Grundsatz befürwortete aber auch er ein Konzept, dennoch: „Ich fürchte, dass da immense Kosten auf uns zukommen.“