Gedankliche Tour zu den Brennpunkten

von Redaktion

Landratskandidat Rainer Auer nimmt Parteifreie/ÜWG mit auf Reise durch den Kreis

Stephanskirchen/Rosenheim – „Man muss die Tatsache akzeptieren, dass es zu jedem Sachverhalt verschiedene Blickwinkel gibt und dass sich die Dinge je nach Sichtweise ganz unterschiedlich darstellen können.“ Das war ein Kernsatz der Rede, mit der sich Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer (53) bei der Kreisversammlung der überparteilichen Wählergemeinschaft Parteifreie/ÜWG in Stephanskirchen als Landratskandidat vorstellte. Einen Gegenkandidaten gab es nicht, Rainer Auer wurde einstimmig von den 22 Anwesenden zum Kandidaten gekürt.

Wunsch: Diverse

Sichtweisen zulassen

Ein Kernsatz war die Aussage insofern, als sie Rainer Auer auch als Leitlinie für seine zukünftige Arbeit sehen will, sollte er zum Landrat gewählt werden. Dies nicht nur, weil das Zulassen verschiedener Sichtweisen ein Gebot der Meinungsvielfalt sei, sondern vor allem, weil erst die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln es ermögliche, auch komplexere Probleme in allen Facetten zu erfassen. Das aber ist nach Auer die Voraussetzung jeder Lösungsfindung.

Eine Denkweise, die, wie Georg Huber, stellvertretender Vorsitzender der Parteifreien, am Beginn der Veranstaltung gesagt hatte, auch mit ein Grund zur Nominierung Auers gewesen war: „Rainer Auer ist es gelungen, sich in Stephanskirchen als Bürgermeister über zwei Amtsperioden hinweg ohne eigene Parteimehrheit Mehrheiten für die Sacharbeit zu sichern. Das sind beste Voraussetzungen, um den anderen Kandidaten auf Augenhöhe zu begegnen.“

Um zu zeigen, welche Probleme für ihn zur Lösung anstehen, nahm Auer die Zuhörer mit auf eine gedankliche Fahrradtour durch den Landkreis. Eine Darstellungsform, die es ihm ermöglichte, die Schwierigkeiten plastischer und alltagsnäher zu schildern, als das in einer reinen Aufzählung möglich gewesen wäre.

So zum Beispiel als es um die Verkehrssituation am Schloßberg ging und er die Zuhörer aufforderte, mit ihm kurz „vom Fahrzeug Fahrrad ins Stehzeug Auto“ zu wechseln: „Wir stehen im Stau, neben uns ein Bus, der halbleer ist, weil ohne Attraktivität, denn auch er steht, ohne voranzukommen.“ Autofahrer, Busbenutzer, Radler und Fußgänger, sie alle hätten aus ihrer Sicht unterschiedliche Ansichten, wie die Verkehrssituation zu ändern sei.

„Wesentlich ist, dass man sich klarmacht, dass es unmöglich ist, alle Forderungen gleichzeitig zu erfüllen, denn der Verkehrsraum ist beschränkt“, sagte der 53-Jährige. Wer also Bus und Rad als zukunftsträchtige Verkehrsalternativen fördern wolle, komme nicht darum herum, den Autoverkehr etwas einzuschränken. Das sei nicht populär, schon gar nicht zu Wahlkampfzeiten, aber deshalb auf Ehrlichkeit in diesem Punkt zu verzichten, sei ebenso unredlich wie kurzsichtig.

Weitere Problempunkte auf der Tour durch den Landkreis waren die Krankenhäuser, bei denen Auer den Mangel an Pflegepersonal als die große Herausforderung der Zukunft sah. Eine Möglichkeit diese zu meistern, ist nach Auer der Versuch, die Attraktivität der Standorte durch bezahlbaren, möglichst kliniknahen Wohnraum zu erhöhen. Dadurch könnte man sich auf dem knappen Fachkräftemarkt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Natürlich sei auch der Wohnraum an sich ein Problem, wie Auer an einem weiteren „Haltepunkt“ seiner Tour darlegte, aber hier müsse man vielleicht einfach den Wohnungsbau im Rahmen einer „sozialen Bodenordnung“ neu denken. In Stephanskirchen habe man durchaus Erfolge mit dem Konzept, dass neues Bauland nur dann ausgewiesen werde, wenn ein Teil des dabei erzielten Gewinnes in bezahlbaren Geschosswohnungsbau investiert würde.

Angesprochen wurden von Auer auch die Schulen. Hier sei wichtig, dass man nicht nur in Bausubstanz, sondern auch in „weiche Faktoren“ investiere, zum Beispiel in die Schulsozialarbeit. Diese sei unter anderem ein wichtiger Faktor für die Integration ausländischer Mitbewohner, „die man nach wie als eine ganz bedeutende Herausforderung sehen muss, auch wenn sie momentan eher aus den Schlagzeilen verschwunden ist“. Integration aber gelänge am besten über die Kinder, damit über die Schulen und hier sei die Schulsozialarbeit ein wichtiges Hilfsmittel.

Thema war schließlich auch der Brenner-Nordzulauf, den Auer aber weder an den Anfang seiner „Radtour“ stellte, noch ihm größeren Raum als den anderen Punkten einräumte. Gerade hier aber wurde sein Bemühen, unterschiedlichste Sichtweisen zur Geltung kommen zu lassen, besonders deutlich.

Sein Fazit war, dass man – egal ob man nun gegen den Brenner-Nordzulauf opponiere, ihn als notwendiges Übel akzeptiere oder befürworte – das Problem immer aus Sicht der ganzen Region betrachten müsse. Dabei sei vor allem die jüngst vorgeschlagene Alternative eines modifizierten Ausbaus der Bestandsstrecke mit Neubauanteilen etwas, das zumindest einer ernsthaften Überprüfung unterzogen werden sollte.

Junges Personal

in der Behörde

Dass es Rainer Auer wichtig ist, seine Zuhörer mitzunehmen, sollte unter anderem die Form verdeutlichen, die er für seinen Vortrag wählte. Dass das „Mitnehmen“ auch für seine zukünftige Arbeit eine entscheidende Leitlinie sein soll, wurde am Ende seiner Ausführungen noch einmal besonders deutlich: Auer betonte, er sehe in dem teilweise noch sehr jungen Personal des Landratsamtes einen Schatz, den es zu heben gelte. „Offenheit, Aufgeschlossenheit und Bürgernähe seien Eigenschaften, die von den Angestellten mit Sicherheit gerne mit Leben erfüllt werden, man muss ihnen nur die Gelegenheit dazu geben.“

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