Kiefersfelden/Kufstein – Bangen und Hoffen gleichermaßen: Diese Kombination weisen die Reaktionen der Bürgermeister in den Inntal-Grenzgemeinden nach dem Verkehrsgipfel in Berlin auf, zu dem sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit seinem bayerischen Kollegen Hans Reichhart und dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter am Donnerstag in Berlin getroffen hatte (wir berichteten).
„Um eine solche
Lösung betteln wir“
In den Gemeinden Kiefersfelden und Oberaudorf lässt besonders Platters Zusage aufhorchen, sich für eine Überprüfung der Frage einzusetzen, ob die Mautfreiheit auf der Inntal-Autobahn zwischen der Landesgrenze und der Ausfahrt Kufstein Süd künftig wieder hergestellt werden kann. Eine Hoffnung, die Stellvertretender Bürgermeister Ralf Wieser von der Gemeinde Kiefersfelden und der Oberaudorfer Rathauschef Hubert Wildgruber gemein haben: Der sogenannte Mautausweichverkehr, der die beiden Gemeinden belastet, könnte reduziert werden, wenn man zur Regelung zurückkehrt, die bis 2013 auf dem etwa fünf Kilometer langen Teilstück der Autobahn galt. Offiziell war eine Vignette hier Pflicht, eine Kontrolle fand jedoch nicht statt, sodass faktisch Mautfreiheit herrschte. „Um eine solche Lösung betteln wir seit 2014. Sie würde uns da wesentlich nach vorne bringen.“ Seiner Meinung nach müssen Bund und Land auch die Notwendigkeit der Grenzkontrollen überdenken, wenn ein spürbarer Entlastungseffekt beim Verkehrsaufkommen erzielt werden soll, das sich durch Kiefersfelden wälzt. „Wegen der Kontrollen fahren die Autos bereits bei Langkampfen von der Autobahn ab. Da können die Tiroler nichts dafür“, sagt Wieser.
Während er begrüßt, dass Deutschland nun die Forderung der Tiroler nach Einführung einer Korridormaut von München nach Verona prüfen will, geht Hubert Wildgruber noch einen Schritt weiter. „Wir bräuchten ein einheitliches Mautsystem in ganz Europa.“ Dann würde sich der Streit um Mautgebühren zwischen Deutschland und Österreich von selber erledigen.“
Gerade vor dem Hintergrund, dass zur Verringerung des Lkw-Transits auf der Straße über den Brenner ab April 2020 400000 statt bisher 206000 Lkw auf die Schiene verlagert werden sollen – ab April 2021 450000 Lastwagen – , spart Wildgruber auch nicht mit Kritik. „Die Planung für den Brenner-Nordzulauf hat viel zu spät begonnen, Die hätten wir vor 20 bis 30 Jahren gebraucht. Wir rennen jetzt hinterher.“ Für ihn sei unvorstellbar, wie eine solche Verlagerung von Lkw auf die Bestandsstrecke durch das Inntal ohne negative Auswirkungen auf den Schienenpersonennahverkehr funktionieren soll.
Zufrieden mit den in Berlin erzielten Ergebnissen ist der Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel. „Die Richtung stimmt jetzt.“ Die harte Linie des Tiroler Landeshauptmannes – zu ihr gehören neben der Forderung nach einer Korridormaut sektorale Fahrverbote für Lkw und die Blockabfertigungen – begrüßt er.
Leute haben die
„Schnauze voll“
„Diese Maßnahmen müssen bleiben, bis sich in Deutschland was rührt“, so seine Botschaft. Bewegung erkennt Krumschnabel bereits. „Kaum ist die Frächterlobby in Deutschland narrisch geworden, ist auch die Politik schneller geworden.“ Die Anrainer in Tirol, die unter dem seit Jahren wachsenden Verkehrsaufkommen leiden, hätten die „Schnauze voll“. Deshalb seien die Maßnahmen der Landesregierung richtig, selbst wenn Tirol als Folge davon Einbußen im Tourismus hinnehmen müsste. „Das ist dann halt der Preis, den wir zu zahlen haben.“
Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig fordert, alle Maßnahmen müssten konkretisiert und dann auch umgesetzt werden. „Hier darf es nicht bei der Einsetzung von Arbeitsgruppen bleiben“, so Ludwig.