Mobilitätskonzept: Der Rahmen steht

von Redaktion

230 Seiten, 33 Einzelmaßnahmen, zwölf Prüfaufträge: Das sind die Eckdaten für die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für die Stadt und den Landkreis Rosenheim. Der Kreisausschuss nahm den Entwurf einstimmig zur Kenntnis, Entscheidungen traf er nicht.

Rosenheim – 2,1 Millionen Euro ist die magische Zahl, die Experte Dr. Timo Barwisch vom Büro „plan:mobil“ aus Kassel in den Raum stellte. So viel Geld müsste der Landkreis pro Jahr für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zusätzlich in die Hand nehmen, wenn er die Maßnahmen alle umsetzt, die das Büro vorschlägt. Es war von der Stadt und vom Landkreis mit der Fortschreibung und zugleich der Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes beauftragt worden.

Rund 805000 Kilometer mehr pro Jahr fielen im Landkreis allein im Bereich des Regionalverkehrs an, wenn die Kreisräte das Gesamtpaket billigen. Bei einer Berechnungsgrundlage von 2,60 Euro pro Kilometer ergibt sich die Millionensumme. Zum Vergleich: In der Stadt Rosenheim würden im ÖPNV-Bereich laut Barwisch jährlich etwa 175000 Kilometer zusätzlich zurückgelegt. Hier geht das Büro von einem Kilometerpreis von 4,50 Euro aus und kommt auf einen Finanzbedarf von 787000 Euro pro Jahr hierfür.

Maßnahmenbündel

bei Sitzung vorgestellt

Das Maßnahmenbündel, das Barwisch den Kreisräten präsentierte, reicht von der Einführung des Stundentaktes auf einigen Achsen über eine allgemeine Verdichtung des Angebots und eine damit verbundene Ausweitung des Bedienungszeitraumes bis hin zu Baumaßnahmen, um den ÖPNV attraktiver zu machen. Dazu gehören eigene Busspuren oder Veränderungen bei der Ampelsteuerung. Weitere zentrale Punkte: bessere Informationen für Fahrgäste, eine landkreisweite Anerkennung von Fahrausweisen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und im ÖPNV, E-Ticketing und mehr Transparenz in der Tarifstruktur. Ebenfalls empfohlen werden von dem Fachbüro die Schaffung zusätzlicher Fahrrad-Stellplätze und von Park and-Ride-Stellplätzen an Bahnhöfen oder die Installation von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.

Den Entwurf nannte Barwisch einen „Rahmen“. Er geht von einem Planungszeitraum von fünf Jahren für die Umsetzung von Maßnahmen aus und richtete eine eindringliche Mahnung an die Kreisräte. „Auch wenn wir sicherlich nicht allen Wünschen gerecht werden können: Wenn wir nichts machen, weiten sich die Verkehrsprobleme aus.“ In diesem Punkt wollte ihm keiner der Kreisräte widersprechen, die sich in einer Sondersitzung im Herbst näher mit dem Entwurf befassen wollen und dann möglicherweise auch erste Entscheidungen zur Umsetzung von Maßnahmen treffen. „Die Arbeit beginnt erst“, sagte beispielsweise SPD-Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier, die wie alle Vertreter des Gremiums nicht mit Lob für das Fachbüro geizte. „Das war der richtige Griff. Die Gemeinden wurden in die Arbeit hervorragend miteingebunden“, konstatierte beispielsweise der Ameranger Bürgermeister August Voit (CSU), zugleich Sprecher der Rathauschefs im Landkreis.

Voit, der auch zu den Unterzeichnern eines Briefes an das Landratsamt zählt, den die Bürgermeister der nördlichen Landkreis-Gemeinden im Zusammenhang mit der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes geschrieben haben (darüber berichten wir noch gesondert), kann sich eine Umsetzung des Maßnahmenbündels nur schrittweise vorstellen. „Wir müssen Prioritätenpakete schnüren“, meinte der Kreisrat und rannte bei Amtschef Ulrich Sedlbauer vom Landratsamt sogleich offene Türen ein, als er eine bessere personelle Ausstattung der Verwaltung forderte, um die mit dem Mobilitätskonzept verbundenen Zusatzanforderungen auf dieser Ebene bewältigen zu können. „Mit der bisherigen Personalausstattung wird das nicht möglich sein“, legte Sedlbauer dem Gremium dar.

Kannengießer sagt: „In Aktion treten“

Fraktionssprecher Dieter Kannengießer von den Parteiunabhängigen machte in seinem Redebeitrag klar, dass den Worten rasch Taten folgen müssen. „Es wird Zeit, dass wir die Fortschreibung bald beschließen, damit wir endlich in Aktion treten können.“

Sein Fraktionskollege Georg Huber begrüßte, dass den Kreisräten bis September Zeit bleibt, um mit Verbesserungsvorschlägen aufzuwarten. Weil eine Abstimmung darüber an diesem Tag nicht vorgesehen war, signalisierte nur einhelliges Kopfnicken die Zustimmung für eine Feststellung des Samerberger Bürgermeisters. „Wir sind uns im Kreistag über alle Fraktionen hinweg einig, dass wir den ÖPNV ausbauen wollen und dafür mehr Geld ausgeben müssen.“

Landkreis wird in vier Bereiche gegliedert: Dritte Innbrücke rückt wieder in den Fokus

In dem 230-seitigen Werk orientiert sich das Fachbüro an den Himmelsrichtungen und teilt den Landkreis in die Bereiche Süd, Nord, Ost und West ein. Für jeden dieser Bereiche schlägt es ein Bündel von Einzelmaßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV vor.

Süd: Neun Maßnahmen und vier Prüfaufträge finden sich in diesem Sektor. Konkret geht es unter anderem darum, die bestehende Buslinie ab Roßholzen über Nußdorf nach Brannenburg und zurück auszuweiten.

Nord: Neun vorgeschlagene Einzelmaßnahmen stehen fünf Prüfaufträgen gegenüber. Eine Empfehlung ist, die Buslinie 9409 als reguläres Angebot für Albaching in Richtung Wasserburg und Haag auszuweiten.

Ost: Für diesen Bereich empfiehlt das Büro acht Einzelmaßnahmen und hat zudem zwei Prüfaufträge erhalten. Angeregt wird beispielsweise, die Ringlinie Stephanskirchen im 30-Minuten-Takt verkehren zu lassen. Um den Stauschwerpunkt am Schloßberg zu entlasten, empfiehlt „plan:mobil“ eine einspurige Bussonderspur. Langfristig muss aus Sicht der Experten eine dritte Innbrücke errichtet werden.

West: Sieben Einzelmaßnahmen listen die Planer in diesem Bereich auf, für den sie einen Prüfauftrag abzuarbeiten haben. Zentraler Punkt des Maßnahmenkatalogs: die Einführung einer neuen Buslinie zwischen Bad Aibling und Miesbach.tt

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